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Swiss Observer

Economiesuisse: Schweiz drohen 4 Milliarden Franken für die künftige Stromversorgung

Der Wirtschaftsverband Economiesuisse schätzt, dass die Vermeidung von Stromengpässen in den nächsten zwei Jahrzehnten die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten rund 4 Milliarden Franken kosten wird. Die Summe sei gerechtfertigt, um noch grössere wirtschaftliche Schäden zu verhindern.

Economiesuisse: Schweiz drohen 4 Milliarden Franken für die künftige Stromversorgung
AISWI swissinfo.ch

Unglaubliche 4 Milliarden Franken kostet es, in der Schweiz die Lichter am Brennen zu halten. Diese gewaltige Summe, berechnet vom Wirtschaftsverband Economiesuisse, ist die Rechnung, die den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten droht, um in den nächsten zwei Jahrzehnten katastrophale Stromengpässe abzuwenden. Der Verband nimmt kein Blatt vor den Mund: Die Summe sei zwar enorm, doch die Alternative, ein vollständiger Zusammenbruch des Stromnetzes, würde der Volkswirtschaft weitaus verheerendere Schäden zufügen. Die Schweiz ringt nun mit den Folgen jahrelanger Stagnation beim Ausbau der Winterstromproduktion. Zu lange verliess sich das Alpenland auf ein empfindliches Gleichgewicht aus Importen und heimischer Wasserkraft, doch dieses Gleichgewicht ist zerbrochen. Die Dringlichkeit ist spürbar, denn der Verband fordert sofortige Massnahmen, um das industrielle Rückgrat des Landes zu sichern. Es geht nicht bloss um einen Budgetposten, sondern um eine Überlebensabgabe für die Schweizer Wirtschaft in einem zunehmend instabilen globalen Energiemarkt. Jeder Haushalt und jedes Unternehmen wird die Last dieser Investition zu spüren bekommen, doch die Kosten des Nichthandelns sind unvorstellbar.

Reservekraftwerke mit fossilen Brennstoffen lösen politische Kontroverse aus

Mehr als 2,3 Milliarden Franken sind für einen umstrittenen Kurswechsel vorgesehen: den Bau von vier neuen Reservekraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Energieminister Albert Rösti bezeichnet den Plan als notwendiges Übel, um in den ertragsschwachen Wintermonaten die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dieser Schritt hat in Bern jedoch heftige politische Kontroversen ausgelöst. Kritikerinnen und Kritiker argumentieren, dass ein verstärkter Einsatz fossiler Brennstoffe den Klimazielen der Schweiz widerspreche und eine teure, kurzsichtige Lösung darstelle. Die Finanzkommission des Nationalrats hat bereits deutliche Skepsis geäussert. Sie stellt die uneingeschränkte Dringlichkeit der Massnahme infrage und kritisiert die Regierung scharf dafür, günstigere und umweltfreundlichere Alternativen nicht geprüft zu haben. Während die Regierung darauf beharrt, dass diese Kraftwerke eine unverzichtbare «Versicherung» gegen Stromausfälle seien, ist die hohe Prämie für die Steuerzahlenden schwer zu verkraften. Der Konflikt zwischen unmittelbarer Versorgungssicherheit und langfristiger Nachhaltigkeit ist so sichtbar wie nie zuvor. Der Bund versucht, eine Energiekrise im Winter abzuwenden, die den Dienstleistungs- und Industriesektor des Landes lahmlegen könnte.

Finanzkontrolle stellt den hohen Preis der Versorgungssicherheit infrage

Im September soll ein kritischer Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle erscheinen. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass er für die aktuelle Energiestrategie brisant sein wird. Wie die NZZ am Sonntag berichtet, steht die Kontrollbehörde den geplanten Ausgaben sehr kritisch gegenüber und legt nahe, dass die Regierung mit ihrer Eile hin zu teuren Lösungen möglicherweise effizientere Optionen übergangen hat. Diese internen Spannungen machen eine wachsende Kluft innerhalb der Schweizer Verwaltung deutlich: Wie viel ist zu viel, wenn es um die Sicherheit der Energieversorgung geht? Economiesuisse hält daran fest, dass die Kosten von 4 Milliarden Franken gerechtfertigt seien, um einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern. Die bevorstehende Prüfung durch die Finanzkontrolle lässt jedoch vermuten, dass es bei der Verwaltung dieser Gelder an Transparenz und einem konsequenten Wettbewerb mangelt. Die drohende Auseinandersetzung könnte wichtige Infrastrukturprojekte verzögern, gerade wenn die Wintersaison näher rückt. In der Debatte geht es nicht mehr nur um Megawatt, sondern auch um finanzielle Verantwortung und die strategische Weitsicht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Je näher der Termin im September rückt, desto grösser wird der Druck auf Minister Rösti, seinen milliardenschweren Fahrplan zu verteidigen.

Die Schweiz auf dem Weg in eine energiepolitische Zukunft

Die Schweiz steht an einem Scheideweg, an dem sich der Preis der Souveränität in Milliarden bemisst. Die Rechnung über 4 Milliarden Franken ist ein Weckruf für ein Land, das sich historisch eines der stabilsten Stromnetze der Welt erfreut hat. Künftig muss der Fokus von kurzfristigen Notlösungen auf eine umfassende, langfristige Neuausrichtung der Energielandschaft verlagert werden. Weil die Winterproduktion im vergangenen Jahrzehnt nicht ausgebaut wurde, ist das Land nun verwundbar. Die aktuelle Suche nach Reservekraftwerken mit fossilen Brennstoffen ist ein Symptom dieser Vernachlässigung. Die Krise bietet jedoch auch die Chance, die Schweizer Energiepolitik grundlegend neu zu gestalten. Ob durch einen beschleunigten Ausbau der Solarenergie in den Alpen, eine höhere Effizienz der Wasserkraft oder neue Debatten über die Laufzeit von Kernkraftwerken: Der jetzt eingeschlagene Weg wird den Wohlstand der Schweiz in den kommenden fünfzig Jahren prägen. Die Kosten sind hoch und die politischen Einsätze noch höher, doch das Ziel bleibt klar: Das Schweizer Kreuz soll auch in den dunkelsten Wintermonaten hell leuchten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Eidgenossenschaft diese finanzielle Belastung in ein Fundament für Energieunabhängigkeit verwandeln kann.