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Swiss Observer

Austragungsorte in zehn Kantonen für Schweizer Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2038 vorgestellt

Die Organisatoren des Projekts «Switzerland 2038» haben die vorgeschlagenen Austragungsorte für mögliche Olympische Winterspiele vorgestellt. Die Bewerbung will bestehende Sportanlagen von Weltklasse in zehn Kantonen nutzen, darunter Genf, Zürich und Crans-Montana, um die Spiele nachhaltig auszutragen.

Austragungsorte in zehn Kantonen für Schweizer Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2038 vorgestellt
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz steht kurz davor, eine fast hundertjährige Pause auf der olympischen Bühne zu beenden. Die Organisatoren des Projekts «Switzerland 2038» haben offiziell einen ambitionierten, dezentralen Masterplan vorgestellt, der die Winterspiele zum ersten Mal seit 90 Jahren in die alpine Nation zurückbringen könnte. Dabei geht es nicht bloss um eine Bewerbung, sondern um eine nationale Mobilisierung, an der zehn Kantone und 14 Gemeinden beteiligt sind. Das bedeutet eine deutliche Abkehr vom traditionellen Modell einer einzelnen Austragungsstadt. Der Verein Switzerland 2038, gegründet von den Schwergewichten Swiss Olympic und Swiss Paralympic, treibt diese ehrgeizige Kampagne mit unbestreitbarem Schwung voran.

Der Einsatz ist ausserordentlich hoch. Während benachbarte Alpenländer die Spiele wiederholt ausgetragen haben, hat die Schweiz das olympische Feuer seit den Spielen von St. Moritz 1948 nicht mehr empfangen. Mit dieser Bewerbung versucht die Schweiz definitiv, ihren Status als Herz des Wintersports zurückzugewinnen. Das Projekt ist weitreichend und umfasst alle Regionen des Landes. So sollen die wirtschaftlichen und kulturellen Auswirkungen nicht auf einzelne Gebiete beschränkt bleiben, sondern landesweit geteilt werden. Die Botschaft ist klar: Die Schweiz ist bereit, die Welt auf den Pisten willkommen zu heissen, auf denen der Wintersport seinen Ursprung hat.

Eine nationale Arena: von Genf bis St. Moritz

Die geografische Dimension dieser Bewerbung ist schlicht überwältigend. Die Organisatoren haben eine weitläufige Arena geplant, die das ganze Land in ein olympisches Dorf verwandeln soll. Rund 120 Wettkämpfe in mehr als einem Dutzend Disziplinen sollen über die bekanntesten Landschaften des Landes verteilt werden. Die Liste liest sich wie ein «Who’s who» Schweizer Spitzenleistungen: Genf, Zürich und Lugano wollen sich mit traditionellen alpinen Hochburgen wie Crans-Montana, Engelberg, Lenzerheide und dem legendären St. Moritz zusammenschliessen.

Dieser dezentrale Ansatz ist eine logistische Meisterleistung. Indem die Wettkämpfe vom französischsprachigen Westen über die deutschsprachige Mitte bis in den italienischsprachigen Süden verteilt werden, vereint die Bewerbung die vielfältigen Sprachregionen der Schweiz unter einem Banner. Auch Zug und Lausanne spielen bei diesem komplexen Vorhaben eine wichtige Rolle. Es geht nicht nur darum, Sportveranstaltungen auszurichten, sondern auch darum, die enorme Vielseitigkeit der Schweizer Landschaft zu präsentieren. Die Einbindung grosser Städte neben Bergkurorten schafft einen dynamischen Kontrast und bietet Athletinnen und Athleten sowie Zuschauerinnen und Zuschauern ein einzigartig abwechslungsreiches Erlebnis, das nur wenige andere Länder bieten könnten.

Nachhaltigkeit: keine neuen Prestige-Ruinen

Als deutliche Absage an die verschwenderischen Bauprojekte vergangener Olympischer Spiele setzt Switzerland 2038 voll und ganz auf Nachhaltigkeit. Der Verein hat erklärt, dass die Spiele fast ausschliesslich auf «bestehende Sportanlagen der ersten Klasse» zurückgreifen würden. Diese pragmatische und kostenbewusste Strategie soll eine skeptische Bevölkerung überzeugen. Nach der Schlussfeier sollen keine verlassenen Stadien in der Sonne verfallen. Stattdessen nutzt die Bewerbung die erstklassige Infrastruktur, über die die Schweiz bereits verfügt.

Dieser Ansatz verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Bewerbung grundlegend. Durch die Nutzung etablierter Austragungsorte wie Crans-Montana und Zürich senken die Organisatoren den CO₂-Fussabdruck und die finanziellen Risiken, die mit den Spielen verbunden sind, erheblich. Das Modell steht für Effizienz und entspricht Schweizer Werten. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Bauen auf die Durchführung. So können die Mittel statt in Beton und Stahl in das Erlebnis der Athletinnen und Athleten sowie in die Planung des öffentlichen Verkehrs fliessen. Der Wille, Bestehendes zu nutzen, ist das stärkste Argument der Bewerbung gegen die Umweltbedenken, an denen frühere Kandidaturen gescheitert sind.

Zeremonielle Eckpunkte: Lausanne und Bern

Die vorgeschlagenen Eckpunkte der Spiele sind symbolträchtig. Lausanne, die Olympische Hauptstadt und Sitz des IOC, soll die Eröffnungsfeier ausrichten. Das ist eine passende Würdigung des administrativen Zentrums der weltweiten olympischen Bewegung. Die Schlussfeier ist hingegen in Bern, der Bundesstadt, geplant. Sie soll die politische Einheit des Landes und den erfolgreichen Abschluss einer nationalen Anstrengung symbolisieren.

Diese Entscheide sind strategische Geniestreiche. Die Eröffnung der Spiele in Lausanne verknüpft den Anlass direkt mit dem olympischen Erbe, während die Schlussfeier in Bern die Unterstützung des Bundes hervorhebt, die für eine derart grosse logistische Herausforderung nötig ist. So entsteht ein Spannungsbogen, der vom internationalen Geist des Sports ins Herz der Schweizer Demokratie führt. Die logistische Herausforderung, Tausende Athletinnen und Athleten sowie Würdenträgerinnen und Würdenträger zwischen diesen Zentren und den abgelegenen Bergorten zu transportieren, wird jedoch zur grössten Bewährungsprobe für das renommierte Schweizer Verkehrssystem.

Die demokratische Bewährungsprobe steht bevor

Trotz ausgefeilter Pläne und der Präsentation der Austragungsorte wirft ein mächtiger Schatten auf das Projekt Switzerland 2038: die Schweizer Stimmbevölkerung. Die Geschichte ist voller gescheiterter Schweizer Olympiabewerbungen, die an der Urne scheiterten, weil die Bevölkerung Kostenüberschreitungen und Umweltschäden befürchtete. Die Gefahr eines Referendums ist real und unmittelbar. Die Nutzung bestehender Anlagen ist zwar eine direkte Antwort auf diese Befürchtungen, doch die Organisatoren müssen sich weiterhin in einem komplexen politischen Umfeld zurechtfinden.

Die Unterstützung der Bevölkerung ist der entscheidende Faktor. Kommt es zu einem Referendum, wird die Debatte heftig geführt werden. Die Befürworterinnen und Befürworter müssen die Stimmberechtigten davon überzeugen, dass dezentrale und nachhaltige Olympische Spiele nicht bloss ein Traum, sondern eine finanziell verantwortungsvolle Realität sind. In den kommenden Monaten wird um die Unterstützung der Bevölkerung gerungen. Der technische Plan ist solide und die Austragungsorte sind bereit, doch ohne Zustimmung der Bevölkerung bleibt der Traum von 2038 genau das: ein Traum. Der Wettlauf hat begonnen, aber die Ziellinie liegt an der Urne.