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Swiss Observer

Burckhardt Compression baut 220 Stellen ab, davon 150 in der Schweiz

Der Schweizer Hersteller Burckhardt Compression hat einen erheblichen Stellenabbau angekündigt: In Winterthur sollen 150 und an internationalen Standorten 70 Stellen wegfallen. Damit will das Unternehmen seine Organisationsstruktur vereinfachen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Burckhardt Compression baut 220 Stellen ab, davon 150 in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Bei Burckhardt Compression sollen im industriellen Herzen von Winterthur 150 Stellen wegfallen, während das Unternehmen einen einschneidenden Restrukturierungsplan umsetzt. Dieser jüngste Einschnitt macht beinahe 70 Prozent des weltweit angekündigten Abbaus von insgesamt 220 Stellen beim Kompressorenhersteller aus. Für eine Stadt, die stolz auf ihr ingenieurtechnisches Erbe ist, erinnert diese Nachricht ernüchternd an die Unberechenbarkeit der globalen Fertigungsindustrie. Das Unternehmen, das an seinem Hauptsitz derzeit etwas mehr als 1000 Mitarbeitende beschäftigt, baut seine lokale Belegschaft deutlich ab, um seine Bilanz zu schützen. Dies ist kein Einzelfall: Bereits zuvor kam es zu einer Reihe von Kürzungen, darunter der Abbau von 68 Stellen Anfang dieses Jahres. In Winterthur herrscht nun spürbare Anspannung, während die Konsultationsphase beginnt. Hunderte Familien befinden sich bis Mitte September in beruflicher Ungewissheit. Das Unternehmen betont zwar, diese Massnahmen seien überlebenswichtig, doch die Auswirkungen vor Ort sind unübersehbar. Für die Schweizer Industrie beginnt damit ein düsteres Kapitel.

Effizienz führt zum Abbau von Unternehmensebenen

CEO Fabrice Billard findet klare Worte: Die derzeitige Organisationsstruktur sei nicht mehr zweckmässig. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, bündelt Burckhardt Compression Funktionen und optimiert Geschäftsprozesse. Es handelt sich nicht um einen blossen Abbau, sondern um eine grundlegende Neugestaltung der betrieblichen Abläufe. Durch eine Vereinfachung der Hierarchie erwartet das Unternehmen nach Abschluss des Übergangs jährliche Einsparungen von beachtlichen 20 Millionen Franken. Diese Effizienz hat jedoch einen hohen menschlichen Preis. Das Unternehmen muss sich der Tatsache stellen, dass es seine gewachsenen Strukturen abbauen muss, um global führend in der Gaskompression zu bleiben. Die Restrukturierung dürfte kurzfristig 3 Millionen Franken kosten. Laut der Unternehmensleitung ist dies eine notwendige Investition, um die langfristige Überlebensfähigkeit sicherzustellen. Während das Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretungen läuft, liegt der Fokus darauf, ein schlankeres und agileres Unternehmen zu schaffen, das den Stürmen des globalen Energiemarkts standhalten kann.

Globale Neuausrichtung mit Fokus auf den Ausbau in Indien

Während in der Schweiz Stellen abgebaut werden, stärkt Burckhardt Compression gleichzeitig seine Präsenz in Indien. Dies deutet auf eine deutliche Neuausrichtung der globalen Betriebsstrategie hin. Der Schritt steht für einen wachsenden Trend unter Schweizer Herstellern, arbeitsintensive Tätigkeiten in Wachstumsmärkte zu verlagern, wo die Betriebskosten niedriger sind und die Nähe zu aufstrebenden Kunden grösser ist. Im Gegensatz zum Stellenabbau in Winterthur sollen die Aktivitäten in Indien zu einer zentralen Säule der künftigen Produktionskapazität des Unternehmens werden. Diese geografische Neuverteilung ist ein kalkuliertes Wagnis, um in einem zunehmend umkämpften Markt eine wettbewerbsfähige EBIT-Marge von 12 Prozent zu halten. Die Strategie spiegelt eine umfassendere wirtschaftliche Realität wider: Schweizer Ingenieurskunst muss heute mit globaler Kosteneffizienz einhergehen, um bestehen zu können. Indem Burckhardt einen grösseren Teil seiner Aktivitäten nach Osten verlagert, setzt das Unternehmen darauf, seinen Ruf für Qualität zu wahren und zugleich die Kosten für eine stark auf die Schweiz ausgerichtete Belegschaft erheblich zu senken.

Finanzielle Widerstandsfähigkeit trotz menschlicher Ungewissheit

Trotz der internen Umbrüche hält Burckhardt Compression an seinen Finanzprognosen fest und erwartet für das Geschäftsjahr 2026/27 einen Umsatz zwischen 900 Millionen und 1 Milliarde Franken. Dieses selbstbewusste Festhalten an den Finanzzielen signalisiert den Anlegerinnen und Anlegern, dass das Unternehmen die Lage im Griff hat, auch während es die sozialen Herausforderungen eines massiven Stellenabbaus bewältigt. Die bis zum 9. September laufende Konsultationsphase ist die letzte Hürde, bevor Burckhardt in seiner neuen, schlankeren Form Gestalt annimmt. CEO Fabrice Billard hält diese «notwendigen» Massnahmen für den einzigen Weg, den Erfolg des Unternehmens in einer Welt sicherzustellen, in der sich die Gaskompressionstechnologie rasant weiterentwickelt. Für die 220 Personen, deren Stellen auf dem Spiel stehen, werden die kommenden Wochen zeigen, ob das Unternehmen sein Versprechen einhält, den Prozess «konstruktiv» zu gestalten. Wenn sich der Staub Mitte September gelegt hat, wird die Fertigungsindustrie beobachten, ob die schlankere Version von Burckhardt die Welt tatsächlich wirkungsvoller unter Druck setzen kann als zuvor.