Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Zwei junge Touristen sterben bei getrennten Ertrinkungsunfällen am Caumasee

Ein britischer Teenager und ein deutscher Tourist sind innerhalb von drei Tagen bei getrennten Vorfällen am Caumasee in Graubünden ums Leben gekommen. Beide Vorfälle ereigneten sich nach den regulären Öffnungszeiten des öffentlichen Badebereichs und haben die Sicherheitsvorkehrungen am beliebten See erneut in den Fokus gerückt.

Zwei junge Touristen sterben bei getrennten Ertrinkungsunfällen am Caumasee
AIThe Local Switzerland

Zwei Todesfälle innerhalb von drei Tagen haben die Sicherheitsvorkehrungen am Caumasee in den Fokus gerückt. Der beliebte türkisfarbene See bei Flims in Graubünden wurde Ende August Schauplatz zweier getrennter tödlicher Vorfälle mit jungen ausländischen Gästen.

Am Donnerstag, 27. August, ging ein 17-jähriger Brite, der während eines Familienurlaubs im See schwamm, unter. Mehrere Personen sahen, dass er in Schwierigkeiten war, und brachten ihn mit Paddelbrettern ans Ufer. Medizinisches Fachpersonal, das sich zufällig in der Nähe befand, begann sofort mit der Wiederbelebung. Ein Notfallteam brachte den Jugendlichen ins Kantonsspital Graubünden in Chur, wo er noch am selben Abend starb.

Drei Tage später stieg ein 27-jähriger Deutscher ins Wasser, um einem Kollegen zu helfen, der beim Schwimmen in Richtung einer kleinen Insel in Schwierigkeiten geraten war. Auch der Helfer geriet in Not. Andere Schwimmerinnen und Schwimmer, darunter die Person, der er hatte helfen wollen, zogen ihn aus dem See und begannen mit der Wiederbelebung. Er starb vor Ort.

Die Kantonspolizei Graubünden und die Staatsanwaltschaft Graubünden untersuchen die Umstände der Vorfälle. Auch die Rega, lokale Rettungsteams, die Feuerwehr Flims und das Care Team Grischun waren beim zweiten Notfall im Einsatz.

Öffnungszeiten rücken die Aufsicht in den Fokus

Beide tödlichen Vorfälle ereigneten sich, nachdem der öffentliche Badebereich geschlossen hatte. Die Tourismusorganisation Flims Laax gibt die sommerlichen Öffnungszeiten täglich mit 8.30 bis 17.00 Uhr an. Ausserhalb dieser Zeiten ist die Beaufsichtigung im Wasser nicht gewährleistet.

Der erste Vorfall ereignete sich an einem Donnerstagabend, der zweite laut der von Keystone-SDA zitierten Mitteilung der Kantonspolizei am Sonntag gegen 19.00 Uhr. Der Zeitpunkt hat das Betriebsmodell des Sees in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt, insbesondere während der touristischen Hochsaison, wenn Gäste möglicherweise weiter schwimmen, nachdem das Personal gegangen ist.

Der Flimser Gemeindepräsident Christoph Schmidt sagte, die Gemeinde sei zutiefst erschüttert über die Todesfälle. Zugleich wies er unmittelbare Forderungen zurück, das Schwimmen ausserhalb der offiziellen Öffnungszeiten zu verbieten. «Beide Vorfälle ereigneten sich am Abend, nach den regulären Öffnungszeiten, wenn die Beaufsichtigung im Wasser nicht gewährleistet ist», sagte Schmidt gegenüber Keystone-ATS.

Im Badebereich gibt es Informationen zum Sicherheitskonzept und zu den Baderegeln. Die Gemeinde überprüft jedes Jahr zusammen mit dem Betreiber und, wo angebracht, den zuständigen Behörden die Sicherheits- und Rettungsvorkehrungen am See. Die Ermittler haben in den von den Behörden angeführten Informationen keinen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit festgestellt.

In offenen Gewässern sind Distanzen und Ermüdung schwieriger einzuschätzen

Laut dem Gemeindepräsidenten gibt es am Caumasee keine ungewöhnlichen Strömungen oder Gefahren durch die Wassertemperatur. Er verweist stattdessen auf Risiken, die für Gäste schwieriger einzuschätzen sein können: die Entfernung zum Ufer, kaltes Wasser und die körperlichen Anforderungen des Schwimmens in offenen Gewässern.

Das klare Wasser und die Insel im Caumasee ziehen Gäste aus der ganzen Schweiz und dem Ausland an. Diese Merkmale lassen den See zugänglich erscheinen, insbesondere für Menschen, die beaufsichtigte Schwimmbäder gewohnt sind. Eine kurze Überquerung kann anhaltende Anstrengung erfordern, und wer müde wird, kann Mühe haben umzukehren oder sicher ans Ufer zu gelangen.

Der zweite Todesfall zeigt die Gefahr improvisierter Rettungsversuche. Der deutsche Tourist stieg in den See, um einem Kollegen zu helfen, und wurde dann selbst zum Rettungsbedürftigen. Andere Schwimmerinnen und Schwimmer konnten ihn ans Ufer bringen, doch die Notfallbehandlung konnte sein Leben nicht retten. Der Kollege überlebte und beteiligte sich an der Rettung.

Schweizer Organisationen für Wassersicherheit raten Schwimmerinnen und Schwimmern wiederholt, ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, nicht allein zu schwimmen und bei Bedarf Auftriebshilfen zu verwenden. Rettungsversuche dürfen nicht zu einem zweiten Opfer führen. Wer eine Person in Schwierigkeiten sieht, sollte Alarm schlagen, Rettungsschwimmer oder Notfalldienste verständigen und wenn möglich vom Ufer aus sichere Hilfe leisten.

Der Caumasee stellt die Schweizer Gewohnheiten beim Schwimmen in offenen Gewässern infrage

In der Schweiz ertrinken jedes Jahr rund 45 bis 50 Menschen. Die nationale Zahl, die auf Angaben der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft beruht, ordnet die Todesfälle am Caumasee in ein breiteres Muster von Unfällen in Schweizer Seen und Flüssen ein.

Schwimmen gehört im Sommer fest zum Leben in der Schweiz. Einheimische und Gäste nutzen öffentliche Badeplätze, Flussufer und Bergseen zur Erholung, oft an Orten ohne dauerhafte Aufsicht durch Rettungsschwimmer. Die Bedingungen können sich rasch ändern, wenn sich Schwimmerinnen und Schwimmer vom Ufer entfernen. Touristinnen und Touristen kennen möglicherweise die lokalen Regeln, Wassertemperaturen oder die Grenzen der verfügbaren Rettungsinfrastruktur nicht.

Der letzte tödliche Vorfall am Caumasee ereignete sich laut Gemeindepräsident Schmidt vor mehr als einem Jahrzehnt, im Jahr 2016. Er sagte, die Gemeinde betrachte den See derzeit nicht als besonders gefährlich und ein Badeverbot ausserhalb der Öffnungszeiten stehe nicht zur Diskussion.

Die unmittelbaren Entscheidungen liegen bei der Gemeinde, dem Seebetreiber und den zuständigen Behörden, die das Sicherheitskonzept überprüfen. Die beiden Todesfälle dürften die Aufmerksamkeit weiterhin auf Beschilderung, die Kommunikation der Öffnungszeiten, den Zugang für Rettungskräfte und die Frage lenken, wie Gäste nach dem Ende der beaufsichtigten Badezeit gewarnt werden. Polizei und Staatsanwaltschaft klären weiterhin, was in beiden Fällen geschehen ist.