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Swiss Observer

Hagelsturm in der Schweiz: Schäden dürften Hunderte Millionen erreichen

Nach dem Hagelsturm vom 28. August melden die Versicherer Zehntausende Schadenfälle. Die Gesamtschäden dürften sich auf Hunderte Millionen Franken belaufen. Der Artikel beleuchtet die finanziellen Folgen für Haushalte, Fahrzeughalter und Versicherer nach einem zunehmend wechselhaften Sommer.

Hagelsturm in der Schweiz: Schäden dürften Hunderte Millionen erreichen
AISWI swissinfo.ch

Die Versicherer erwarten, dass der Sturm vom 28. August Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht hat. Der Hagelsturm, laut mehreren Sachversicherern der schadenreichste des Jahres, traf bewohnte Gebiete der Schweiz mit solcher Wucht, dass Schadenabteilungen und Reparaturbetriebe innerhalb weniger Tage überlastet waren.

Eine von Swissinfo.ch zitierte Umfrage der AWP ergab, dass die Gesamtrechnung voraussichtlich mindestens einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen wird. Eine definitive nationale Gesamtsumme liegt noch nicht vor. Die Schadenmeldungen gehen weiterhin ein, und die Versicherer sagen, sie benötigten mehr Zeit, um Schäden an Häusern, Gärten, Kellern und Fahrzeugen zu beurteilen.

Bis Mittwoch, 2. September, hatte Mobiliar rund 18 000 Schadenmeldungen registriert, darunter 14 300 Fahrzeugschäden. Allianz Suisse meldete mehr als 11 000 Fahrzeugschäden, während Helvetia rund 11 500 Schadenmeldungen erhalten hatte. Diese Zahlen stammen von einzelnen Versicherern und lassen sich nicht addieren, da sich ihre Kundenportfolios nur teilweise überschneiden und unterschiedliche Risiken abdecken.

Die finanziellen Folgen betreffen nicht nur die Versicherer. Haushalte müssen mit Selbstbehalten, Reiseunterbrüchen und Reparaturkosten rechnen. Autobesitzerinnen und Autobesitzer müssen möglicherweise wochenlang auf Begutachtungen oder Ersatzfahrzeuge warten. Garagen und Autovermietungen sind im Berner Mittelland und in anderen betroffenen Gebieten mit einer plötzlich stark gestiegenen Nachfrage konfrontiert.

Beschädigte Autos überlasten Reparaturbetriebe

Allein bei Mobiliar waren unter den ersten 18 000 Schadenmeldungen 14 300 beschädigte Fahrzeuge. Die Häufung von Autoschäden zeigt, wie schnell ein Wetterereignis durch Hagel zu einem Massenproblem für Konsumentinnen und Konsumenten werden kann. Tausende Autos benötigen möglicherweise Karosseriearbeiten, neue Windschutzscheiben, Dachreparaturen oder eine umfassende Begutachtung.

Allianz Suisse teilte mit, mehr als 11 000 Fahrzeugschäden registriert zu haben. Helvetia erklärte, rund 90 % der 11 500 Schadenmeldungen stammten von Halterinnen und Haltern von Motorfahrzeugen. Auch Generali Schweiz meldete einen Anstieg der Schadenfälle, sagte jedoch, die Zahl der Fälle und die finanziellen Folgen liessen sich noch nicht abschliessend beurteilen.

Die Versicherer reagieren mit Drive-in-Zentren, in denen fahrtüchtige Autos ohne herkömmlichen Werkstatttermin begutachtet werden können. Allianz Suisse organisiert die Abholung und Begutachtung von Fahrzeugen, bei denen ein Totalschaden vermutet wird. Die Begutachtungen werden zeigen, ob sich Reparaturen finanziell lohnen oder das Fahrzeug abgeschrieben werden muss.

Während dieses Prozesses können Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughalter ohne Transportmittel dastehen. Helvetia und Allianz Suisse leisten finanzielle Unterstützung für den öffentlichen Verkehr, wenn kein Ersatzfahrzeug verfügbar ist. Helvetia warnte, dass Autovermietungen und Garagen nicht genügend Fahrzeuge hätten, um die stark gestiegene Nachfrage zu decken. Damit entsteht nach dem Sturm selbst ein weiterer Engpass.

Häusern droht eine zweite Welle von Schadenmeldungen

Mobiliar rechnet damit, dass die eigenen Sturmschäden einen hohen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Allianz Suisse gab eine ähnliche erste Einschätzung ab und erklärte, die Gesamtsumme der Schäden werde mindestens im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen. Diese Schätzungen umfassen mehr als eingedrückte Autokarosserien. Die Versicherer bearbeiten auch Schadenmeldungen zu Sachschäden, darunter Schäden an Kellern und Gärten.

Die nationale Gesamtsumme hängt davon ab, wie viele Schadenmeldungen noch verspätet eintreffen, welcher Anteil der Fahrzeuge als Totalschaden abgeschrieben wird und wie viel die Reparatur von Gebäuden und Hausrat kostet. Die Versicherer wiesen darauf hin, dass eine verlässliche Prognose möglicherweise frühestens Ende Woche möglich sei. Helvetia erwartet in den kommenden Tagen und Wochen weitere Schadenmeldungen.

Axa wollte keine Zahlen nennen, bezeichnete das Ausmass der Schäden in Teilen der dicht besiedelten Region Bern im Mittelland jedoch als aussergewöhnlich. Diese Konzentration ist für die Versicherer relevant. Ein Sturm, der viele Versicherte in einem eng begrenzten Gebiet trifft, kann innert weniger Stunden eine hohe Zahl von Schadenfällen auslösen, auch wenn die einzelnen Schäden sehr unterschiedlich ausfallen.

Für Haushalte hängen die endgültigen Kosten von den Versicherungsbedingungen, den Selbstbehalten und davon ab, ob der Schaden unter die Motorfahrzeug-, Gebäude- oder Hausratversicherung fällt. Eigentümerinnen und Eigentümer sollten Schäden rasch dokumentieren und die Meldeanweisungen ihrer Versicherung befolgen, bevor sie grössere Reparaturen in Auftrag geben.

Sturmrisiko stellt die Widerstandsfähigkeit der Schweiz auf die Probe

Mehrere Sachversicherer bezeichneten den 28. August als schlimmsten Hagelsturm des Jahres 2026. Das Ereignis fiel in einen Sommer, der von schweren Unwettern geprägt war, darunter Gewitter, die den Verkehr und andere Infrastrukturen beeinträchtigten. Die Versicherungskosten liefern nun einen konkreten finanziellen Massstab für die wechselhafte Wettersaison.

Das Quellenmaterial belegt nicht, dass der Klimawandel diesen konkreten Sturm verursacht hat. Es zeigt jedoch, weshalb Versicherer, Grundeigentümer und Behörden die Entwicklung von Unwettern genau beobachten. Das Hagelrisiko hängt von den lokalen atmosphärischen Bedingungen, der Stärke des Sturms sowie der Dichte exponierter Gebäude und Fahrzeuge ab. Im dicht besiedelten Berner Mittelland kann ein einzelner Sturm Tausende Versicherte gleichzeitig treffen.

Die Schweiz hat Hagelabwehr ausprobiert, darunter Techniken zur Wolkenimpfung und Raketen, die Gewitterwolken beeinflussen sollen. Jüngste Versuche hätten nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht, heisst es in einem verwandten Bericht von Swissinfo.ch. Die Prävention konzentriert sich damit weitgehend auf praktische Massnahmen wie geschützte Parkplätze, widerstandsfähigere Bauteile, eine vorausschauende Entwässerungsplanung und rasche Warnsysteme.

Die Versicherungsbranche wird dieses Ereignis nutzen, um Risikomodelle und die Kapazität zur Schadenbearbeitung zu verbessern. Für Konsumentinnen und Konsumenten bleiben die praktischen Fragen unmittelbar: Was deckt ihre Police ab, wie hoch ist der Selbstbehalt und wie lange dauern Reparaturen oder die Bereitstellung eines Ersatzfahrzeugs?

Schadenabteilungen bereiten sich auf langwierige Folgen vor

Die Versicherer zählen weiterhin, und es wird Wochen dauern, bis die endgültige Schadenssumme feststeht. Mobiliar erklärte, eine vollständige Prognose sei wahrscheinlich frühestens Ende Woche möglich. Helvetia erwartet in den kommenden Tagen und Wochen weitere Schadenmeldungen, während Generali Schweiz die endgültigen finanziellen Folgen des Ereignisses noch nicht beurteilen könne.

Diese Verzögerung hängt mit der Entwicklung von Schadenfällen nach Katastrophen zusammen. Bei den ersten Meldungen geht es meist um sichtbare Fahrzeugschäden. Spätere Begutachtungen decken verborgene strukturelle Schäden, Wassereintritt und Reparaturkosten auf, die dazu führen können, dass ein Fahrzeug als Totalschaden eingestuft wird. Auch die Zahl der Schadenmeldungen kann steigen, wenn Haushalte aus den Ferien zurückkehren, Begutachtungen erhalten oder Schäden erst nach dem Sturm entdecken.

Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz sollten Fotos, Rechnungen und Korrespondenz aufbewahren, Schäden über die von ihrer Versicherung angegebenen Kanäle melden und beschädigte Gegenstände möglichst erst nach einer Begutachtung entsorgen. Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughalter sollten sich erkundigen, ob ihre Versicherung ein Drive-in-Zentrum eingerichtet hat oder Transporthilfe anbietet.

Für die Versicherer wird der Sturm die Schadenbearbeitung, die Verfügbarkeit von Expertinnen und Experten sowie den Zugang zu Ersatzfahrzeugen auf die Probe stellen. Für die Gesamtwirtschaft bedeutet er eine zusätzliche Belastung für Garagen, Mietwagenflotten und Reparaturbetriebe. Kurzfristig gilt es, Zehntausende Fälle zu bearbeiten. Die längerfristigen Zahlen werden zeigen, welcher Anteil der sommerlichen Unwetterschäden letztlich auf Haushalte, Versicherer und die wetterexponierte Infrastruktur der Schweiz entfällt.