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Swiss Observer

Regen beendet die anhaltende Trockenheit in der Schweiz nicht

Der Herbstregen hat die anhaltende Trockenheit in der Schweiz nur vorübergehend gelindert. In vielen Gebieten lag die Niederschlagsmenge im vergangenen Monat im Durchschnitt bei weniger als der Hälfte des üblichen Werts. Wegen der trockenen Böden verdunstete ein grosser Teil des jüngsten Niederschlags oder floss oberflächlich ab.

Regen beendet die anhaltende Trockenheit in der Schweiz nicht
AISWI swissinfo.ch

Der jüngste Regen hat die Dürresituation in der Schweiz kaum verändert. Von Donnerstag bis zum Wochenende gab es nördlich der Alpen mehrere regnerische Herbsttage, nach einer langen Periode mit mildem Wetter und sommerlichen Temperaturen. MeteoSchweiz registrierte in der Region 20 bis 40 Millimeter Regen. Das reichte, um Strassen, Felder und Waldböden zu befeuchten, nicht aber, um die erschöpften Wasservorräte wieder aufzufüllen.

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie bezeichnete die Wetterabfolge als nahezu herbstliches Wetter wie aus dem Lehrbuch. Die Bodenbeschaffenheit schränkte die Wirkung jedoch ein. Ein grosser Teil des Wassers verdunstete oder floss ab, bevor es tief in die ausgetrockneten Böden eindringen und Bäche, Seen oder das Grundwasser auffüllen konnte.

MeteoSchweiz erklärte, die Lage im Land bleibe angespannt. In den vergangenen 30 Tagen lag die Niederschlagsmenge in vielen Landesteilen im Durchschnitt bei weniger als der Hälfte des langjährigen Mittels. In manchen Gebieten erreichte sie lediglich 15 % bis 35 % des Normalwerts.

Das Defizit betrifft nicht nur die Landwirtschaft. Die Flüsse, Wälder und Wasserinfrastruktur der Schweiz gehen in eine Jahreszeit, in der Herbstniederschläge normalerweise dazu beitragen, die Vorräte vor dem Winter wieder aufzufüllen. Der jüngste Regen hat die Trockenperiode unterbrochen, doch die aktuellen Messungen zeigen, dass das zugrunde liegende Defizit weiterhin deutlich besteht.

Die Flüsse zeigen das wahre Ausmass der Trockenheit

Im Jura und auf dem Schweizer Mittelland sind die Anzeichen von Wasserknappheit weiterhin besonders deutlich. Laut der von Keystone-SDA zitierten Dürrebeurteilung führen die Flüsse und Seen in beiden Regionen nach wie vor besonders wenig Wasser. An zahlreichen Messstationen sind die Abflüsse auf Werte gesunken, die statistisch nur alle 10 bis 30 Jahre vorkommen.

Auch am Hochrhein wurden historisch tiefe Wasserstände gemessen. Diese Messwerte zeigen, warum einige Regentage die Trockenheit nicht unmittelbar beenden können. Der Abfluss eines Flusses spiegelt die über ein Einzugsgebiet hinweg aufsummierten Bedingungen wider, darunter die Bodenfeuchtigkeit, die Grundwasserspeicherung, die Schneedecke und die jüngsten Niederschläge. Bei aussergewöhnlich trockenen Böden dient der erste Regen oft dazu, die Feuchtigkeit im Boden wiederherzustellen, bevor er Gewässer erreicht.

Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Region. Der jüngste Herbstregen fiel auf der Alpennordseite, während tiefe Wasserstände weiterhin Orte im Jura und auf dem Mittelland betreffen. Das Dürrebulletin geht davon aus, dass das Niederschlagsdefizit über einen Zeitraum von 90 Tagen nach einem leichten Anstieg der für die folgende Woche prognostizierten Niederschläge langsam zurückgehen wird.

Eine mögliche Verbesserung erfolgt schrittweise. Für Gemeinden, die Gewässer beobachten, zählt eine anhaltende Erholung von Abfluss und Wasserspeichern, nicht ein einziges verregnetes Wochenende. Die aktuellen Messwerte zeigen, dass sich der Wasserhaushalt der Schweiz noch nicht wieder auf sein saisonales Gleichgewicht eingependelt hat.

Die Waldbrandgefahr im Blick behalten

Die Waldbrandgefahr bleibt in einem breiten Streifen der Schweiz erheblich. Die Gefahrenkarte des Bundesamts für Umwelt zeigt eine erhöhte Gefahr, die sich vom Wallis bis nach St. Gallen erstreckt. In Teilen des Oberwallis gilt trotz des jüngsten Regens die Gefahrenstufe sehr hoch.

Trockene Vegetation kann auch nach einem kurzen Regenschauer leicht entflammbar bleiben, insbesondere wenn der Regen nicht tief in den Boden eindringt oder wenn wieder warmes, trockenes Wetter einsetzt. MeteoSchweiz erwartet für die folgende Woche nur einzelne lokale Schauer, während es allgemein trocken bleibt. In der Deutschschweiz und der Romandie können die Höchsttemperaturen 19 °C erreichen.

Die räumliche Verteilung der Gefahr spiegelt das vielfältige Gelände und Klima der Schweiz wider. Täler und Hänge können rasch austrocknen, während exponierte Waldböden nach einer längeren Trockenperiode nur wenig Feuchtigkeit zurückhalten. Die lokalen Behörden stützen sich deshalb weiterhin auf regionale Einschätzungen, statt den jüngsten Regen als landesweite Entwarnung zu betrachten.

Einwohnerinnen und Einwohner sowie Besucherinnen und Besucher sollten die kantonalen Feuerverbote und Warnungen beachten, insbesondere in den betroffenen Gebieten. Eine weggeworfene Zigarette, ein unbeaufsichtigtes Feuer oder ein Funke einer Maschine kann trockene Vegetation entzünden. Die aktuellen Bedingungen setzen zudem die bereits durch Wassermangel geschwächten Wälder weiter unter Druck, mit Folgen, die über die unmittelbare Waldbrandsaison hinausreichen können.

Die Auswirkungen der Trockenheit auf die Wälder beobachten

Die Schweizer Wälder gehen nach Monaten aussergewöhnlicher Trockenheit in den Winter. Die Dürre hat zur vorzeitigen Herbstfärbung und zu starkem Stress bei den Bäumen beigetragen, besonders dort, wo die Wurzeln nicht auf genügend Bodenfeuchtigkeit zugreifen können. Der jüngste Regen kann die Bedingungen an der Oberfläche verbessern, füllt jedoch tiefere Wasservorräte nicht sofort wieder auf und macht bereits entstandene Schäden an der Vegetation nicht rückgängig.

Die Belastung ist in Wäldern und Landschaften im ganzen Land sichtbar. Bäume greifen auf gespeicherte Ressourcen zurück, um ihre Blätter zu erhalten, Wurzeln wachsen zu lassen und sich gegen Schädlinge zu schützen. Länger anhaltender Wassermangel kann diese Funktionen schwächen und die Widerstandsfähigkeit der Wälder mindern, wenn später Hitze, Krankheiten oder Insektenbefall auftreten.

Laut dem Ausgangsmaterial ist die diesjährige Dürre in der Schweiz seit Jahrzehnten beispiellos. Zudem wird gewarnt, dass manche Auswirkungen auf die Wälder irreversibel sein könnten. Diese Einschätzung ordnet das aktuelle Wetter in eine breitere Debatte über die Anpassung an den Klimawandel ein. Waldbewirtschaftende müssen für Bedingungen planen, die rasch zwischen starken Niederschlägen und anhaltender Trockenheit wechseln können.

Dort, wo der jüngste Regen den Boden erreicht, ist er dennoch wertvoll. Er kann den unmittelbaren Stress verringern, Staub binden und Pflanzen etwas Feuchtigkeit liefern. Der Nutzen hängt davon ab, was als Nächstes folgt. Da die mittelfristige Prognose überwiegend trocken bleibt, wird sich der Wald nur durch eine längere Folge ergiebiger Niederschläge erholen, nicht durch einzelne Schauer.

Die kommenden 90 Tage genau beobachten

MeteoSchweiz erwartet nur eine langsame Verbesserung der Niederschlagsbilanz. In der folgenden Woche kann es vereinzelt lokale Schauer geben, doch die breitere Prognose deutet auf allgemein trockenes Wetter hin. In der Deutschschweiz und der Romandie werden Temperaturen von bis zu 19 °C erwartet. Solche Bedingungen können den Böden und der Vegetation weiterhin Feuchtigkeit entziehen.

Das Dürrebulletin enthält ein vorsichtiges Signal für die längerfristige Entwicklung. Über einen Zeitraum von 90 Tagen dürfte das Niederschlagsdefizit nach einem leichten Anstieg der Niederschläge in der nächsten Woche langsam zurückgehen. Die Formulierung ist wichtig: Ein kleiner werdendes Defizit bedeutet, dass sich die Abweichung von der üblichen Niederschlagsmenge verringern könnte. Es bedeutet nicht, dass Flüsse, Seen und Grundwasser sofort wieder typische Werte erreichen.

Für Gemeinden in der Schweiz werden die kommenden Wochen eine genaue Beobachtung der lokalen Bedingungen erfordern. Die Verantwortlichen für die Wasserversorgung werden Abfluss, Seestände und Grundwasser im Auge behalten. Die kantonalen Behörden werden ihre Empfehlungen zur Brandgefahr weiterhin den Bedingungen vor Ort anpassen. Bäuerinnen, Bauern und Forstfachleute werden beurteilen, ob weiterer Regen die Wurzelzonen erreicht oder durch Verdunstung und oberflächlichen Abfluss verloren geht.

Die nächste bedeutsame Veränderung wird anhaltende Niederschläge in mehreren Einzugsgebieten erfordern. Bis dahin bleibt die Schweiz von einer Dürre mit tiefen Wasserständen, gestressten Wäldern und erhöhter Waldbrandgefahr betroffen, trotz des Herbstregens, der jüngst über das Land gezogen ist.