Politik
Schweiz will Entwicklungszusammenarbeit ab 2029 stärker konzentrieren
Die Schweiz plant, ihre Entwicklungszusammenarbeit ab 2029 auf 21 Schwerpunktländer zu konzentrieren. Sie zieht sich aus mehreren heutigen Partnerländern zurück und unterstützt ausgewählte humanitäre Krisen weiterhin.

Ab 2029 wird die Schweiz ihr Netzwerk für Entwicklungszusammenarbeit von 34 Ländern auf 21 Schwerpunktpartner reduzieren. Der Entscheid markiert eine bedeutende Änderung in der Art und Weise, wie Bern die internationale Zusammenarbeit umsetzt, und wird dazu führen, dass Programme in mehreren Ländern, die derzeit Schweizer Unterstützung erhalten, beendet oder schrittweise eingestellt werden.
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), die zum Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten gehört, hat einen ersten Plan zur Umsetzung eines Regierungsentscheids vom 24. Juni 2026 ausgearbeitet. Das Aussendepartement bestätigte die grundsätzliche Ausrichtung am Sonntag nach einem Bericht der SonntagsZeitung.
Die Reduktion spiegelt eine stärkere geografische Konzentration bei langfristigen Entwicklungsprojekten wider. Die offizielle Liste umfasst 21 Schwerpunktländer, eines mehr als die 20, über die die Zeitung berichtet hatte. Die Regierung hat in den vorliegenden Quellen nicht alle Länder der endgültigen Liste öffentlich bekannt gegeben.
Für die Schweizer Steuerzahlenden wird der Wandel bestimmen, wo die Bundesmittel für Entwicklungszusammenarbeit, technisches Fachwissen und diplomatisches Engagement konzentriert werden. Für heutige Partnerregierungen und Organisationen signalisiert er eine Übergangsphase, bevor Programme eingestellt, an andere Geber übergeben oder in eingeschränkterer Form weitergeführt werden.
Sechs Länder stehen vor dem Rückzug der Schweiz
Nepal, Armenien, Georgien, Simbabwe, Tansania und Tunesien gehören zu den Ländern, die laut Berichten vom Rückzug betroffen sind. Die Liste umfasst Südasien, den Kaukasus und Afrika. Dies zeigt, dass die geplante Änderung breit angelegt ist und nicht nur eine einzelne Region betrifft.
Zu den von der SonntagsZeitung genannten Ländern gehören Staaten mit mittlerem Einkommen, in denen die Schweizer Zusammenarbeit längerfristige Arbeit in Bereichen wie Regierungsführung, wirtschaftliche Entwicklung und öffentliche Dienstleistungen unterstützt hat. Der Bericht nennt weder den Zeitplan für die einzelnen Länder noch, welche konkreten Programme zuerst beendet werden.
Diese Unsicherheit ist für lokale Partner von Bedeutung. Entwicklungsprojekte sind häufig auf mehrjährige Finanzierungen, geschultes Personal und institutionelle Beziehungen angewiesen, die sich nicht rasch ersetzen lassen. Ein Rückzug kann formelle Übergaben, überarbeitete Finanzierungsvereinbarungen und Verhandlungen mit anderen Gebern erfordern. Die DEZA muss diese Schritte bewältigen und zugleich ihre Glaubwürdigkeit bei Regierungen und zivilgesellschaftlichen Gruppen wahren, die seit Jahren mit Schweizer Stellen zusammenarbeiten.
Die endgültige Länderliste, die Programmzeitpläne und die Übergangsregelungen werden bestimmen, wie stark sich die Politik auswirkt. Das Aussendepartement hat den Rahmen bestätigt, während die operativen Entscheide noch vorbereitet werden.
Humanitäre Krisen bleiben berücksichtigt
Die Schweiz wird ihre Hilfe in sechs humanitären Kontexten mit langwierigen Krisen auch ausserhalb der 21 Schwerpunktländer weiterführen. Damit wird die Not- und humanitäre Hilfe von der geplanten geografischen Konzentration der Entwicklungszusammenarbeit getrennt.
Das Aussendepartement erklärt, die DEZA beabsichtige, ihr Engagement in diesen sechs Kontexten aufrechtzuerhalten. Die vorliegenden Quellen nennen weder die Krisen noch die Höhe der dafür vorgesehenen Mittel. Die Politik lässt der Schweiz somit Spielraum, auf akute und anhaltende humanitäre Bedürfnisse zu reagieren und gleichzeitig ihr Portfolio langfristiger Länderprogramme zu verkleinern.
Der Kurswechsel hat bereits eine breitere Debatte über das Verhältnis von unmittelbarer Nothilfe und nachhaltigem institutionellem Aufbau ausgelöst. Ein im Juli veröffentlichter Bericht von Swissinfo untersuchte die Befürchtung, dass eine stärkere Ausrichtung auf kurzfristige humanitäre Hilfe die Unterstützung für die Demokratieförderung schwächen könnte. Entwicklungsprogramme wirken oft über öffentliche Institutionen, lokale Organisationen und zivilgesellschaftliche Netzwerke. Ihre Ergebnisse zeigen sich über Jahre hinweg und nicht während eines einzelnen Notfalls.
Wie Bern die sechs humanitären Kontexte definiert und wie es sie neben den 21 Schwerpunktländern finanziert, wird für die praktische Wirkung der Politik entscheidend sein. Die Abgrenzung gibt der DEZA zudem die Möglichkeit, dort engagiert zu bleiben, wo der humanitäre Bedarf auch nach dem Ende der Entwicklungszusammenarbeit schwerwiegend ist.
Die Schweiz schränkt ihre multilaterale Reichweite ein
Die DEZA plant auch, ihre multilateralen Partnerschaften von 24 auf 18 Organisationen zu reduzieren. Damit schränkt die Schweiz ihre internationale Zusammenarbeit über zwei Kanäle ein: durch weniger Länderprogramme und eine kleinere Gruppe multilateraler Institutionen, die Unterstützung erhält.
In den vorliegenden Quellen hat die Regierung nicht angegeben, welche sechs Organisationen die Schweizer Unterstützung verlieren könnten. Dieser Entscheid wird den Einfluss der Schweiz in internationalen Entwicklungsnetzwerken betreffen. Finanzielle Beiträge unterstützen dort häufig Programme, die grenzüberschreitend und nicht nur in einem einzelnen bilateralen Partnerland umgesetzt werden.
Für die Umsetzung muss die Schweiz die DEZA, das Aussendepartement, die Partnerregierungen und die internationalen Organisationen koordinieren. Auch das Parlament wird die Politik über den Bundeshaushalt und den umfassenderen Rahmen der internationalen Zusammenarbeit prüfen. Aus den vorliegenden Quellen geht nicht hervor, ob die Änderung eine Kürzung des gesamten Hilfsbudgets oder eine Umverteilung bestehender Mittel bedeutet.
In der nächsten Phase wird sich zeigen, ob die Konzentration zu grösseren Programmen in den 21 Schwerpunktländern führt oder hauptsächlich die administrative Reichweite verringert. Ebenso wird deutlich werden, wie Bern mit Ländern umgeht, die das Portfolio verlassen, und ob die humanitären Verpflichtungen finanziell getrennt bleiben. Ab 2029 wird das Schweizer Hilfssystem geografisch und institutionell kleiner aufgestellt sein. Seine Prioritäten werden sich in einer begrenzteren Zahl von Partnerschaften zeigen.