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Swiss Observer

Schweiz bewilligt 70 Millionen Franken Dürrehilfe für Landwirtschaft und Wälder

Der Bundesrat hat 70 Millionen Franken Unterstützung für Landwirtschaftsbetriebe und Wälder bewilligt, die von aussergewöhnlicher Dürre und extremer Hitze betroffen sind.

Schweiz bewilligt 70 Millionen Franken Dürrehilfe für Landwirtschaft und Wälder
AILe News

Die Schweiz hat Mitte August den geringsten Niederschlag verzeichnet, der je zu diesem Zeitpunkt des Jahres gemessen wurde. Umweltminister Albert Rösti sagte, die anhaltende Trockenheit setze Vieh, Gewässern, Ökosystemen, Wäldern, Landwirtschaftsbetrieben, der Stromproduktion und der Flussschifffahrt zu.

Der Bundesrat hat mit neuen Mitteln für die zwei Bereiche reagiert, die dem Wetter am direktesten ausgesetzt sind. Landwirtschaftsbetriebe erhalten 54 Millionen Franken an zinslosen Darlehen, um Einkommensausfälle abzufedern. Die Finanzierung zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel soll 2027 um 17,5 Millionen Franken steigen. Ab 2028 könnte jährlich ein ähnlicher Betrag zur Verfügung stehen.

Die Regierung und die Quellenunterlagen beziffern das Paket auf 70 Millionen Franken, obwohl sich die beiden veröffentlichten Zuweisungen auf 71,5 Millionen Franken belaufen. Die Differenz sollte geklärt werden, während das Parlament den Antrag für die Wälder und die umfassendere Reaktion auf die Dürre prüft.

Das unmittelbare Problem ist die Liquidität. Landwirtinnen und Landwirte zahlen mehr für Futtermittel, wenden zusätzliche Stunden für die Bewirtschaftung der unter Trockenstress leidenden Felder auf und ernten kleinere Mengen. Waldbesitzende stehen vor der längerfristigen Aufgabe, die Wälder widerstandsfähiger gegen Hitze, Wasserknappheit und veränderte Wachstumsbedingungen zu machen. Der Entscheid verankert die Dürrehilfe in bestehenden Bundesprogrammen, während Kantone und Gemeinden für viele lokale Massnahmen zuständig bleiben.

Landwirtschaftsbetriebe nehmen Darlehen auf, um dürrebedingte Verluste zu decken

Landwirtschaftsbetriebe erhalten 54 Millionen Franken in Form von Darlehen, nicht von Beiträgen. Das Geld soll den am stärksten betroffenen Betrieben helfen, liquide zu bleiben, während sie mit geringeren Erträgen und steigenden Betriebskosten zurechtkommen.

Christian Hofer, Leiter des Bundesamts für Landwirtschaft, nannte drei Belastungen: höhere Futterkosten, zusätzliche Arbeit auf den Feldern und eine geringere Produktion. Die Kartoffel- und Zuckerrübenernte ist Hofer zufolge um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen. Auch die Milchproduktion nimmt ab, da Futtermittel schwerer zu beschaffen sind.

Der Engpass reicht über die Schweizer Grenzen hinaus. Einige Betriebe mussten mehr Tiere schlachten, weil sie nicht genügend Futter beschaffen konnten. Die Schlachtungen verdoppelten sich im Juli. Dadurch kam zusätzliches Angebot auf einen schwachen Fleischmarkt, was die Preise nach unten drückte. Diese Kombination führt dazu, dass die Kosten steigen, während sich mehrere Einnahmequellen gleichzeitig verschlechtern.

Die Darlehen können Betrieben helfen, ihre Rechnungen zu begleichen, erhöhen jedoch ihre künftigen Verbindlichkeiten. Rösti räumte ein, dass sie nicht jedes Unternehmen unter Druck retten können. Er sagte auch, dass einige Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen scheitern könnten, und wies darauf hin, dass die Zahl der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe und der Landwirtinnen und Landwirte unabhängig von Hitzewellen jedes Jahr zurückgegangen ist. Die kleinen, zersplitterten Betriebe der Schweiz verfügen oft nicht über die nötige Grösse, um Maschinen-, Gebäude- und Arbeitskosten auf grosse Flächen zu verteilen.

Wälder benötigen langfristige Mittel für Anpassungen

Für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel sind 2027 17,5 Millionen Franken vorgesehen. Der Bundesrat beantragt beim Parlament eine Erhöhung und stellt in Aussicht, dass ab 2028 jährlich ein ähnlicher Betrag zur Verfügung stehen könnte.

Die Massnahme für die Wälder geht über die unmittelbaren Bilanzen eines Landwirtschaftsbetriebs hinaus. Schweizer Wälder regulieren den Wasserhaushalt, schützen Hänge und Siedlungen, bieten Lebensräume und stützen regionale Wirtschaften. Anhaltende Hitze und Dürre schwächen Bäume und Ökosysteme und erhöhen den Druck auf die Waldbewirtschaftung, ihre Praktiken anzupassen und gefährdete Gebiete zu schützen.

Die Finanzierung muss noch vom Parlament bewilligt werden. Damit erhalten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier Gelegenheit zu prüfen, wie die Mittel verteilt werden, welche Anpassungsprojekte infrage kommen und wie die Bundesausgaben mit den Zuständigkeiten der Kantone zusammenspielen sollen. Die Regierung hat keinen nationalen Notstand ausgerufen, und Rösti ist der Ansicht, dass das geltende Recht ausreichende Handlungsmöglichkeiten bietet.

Der Zeitpunkt macht einen schwierigen politischen Zielkonflikt deutlich. Nothilfe muss rasch fliessen, wenn Wasserknappheit Nutzpflanzen und Vieh schädigt. Die Anpassung der Wälder erfordert eine längerfristige Planung, eine stabile Finanzierung und Entscheide, deren Wirkung möglicherweise nicht innerhalb einer einzigen Saison sichtbar wird. Mit dem Vorschlag, ab 2028 wiederkehrende Mittel bereitzustellen, behandelt der Bundesrat die Widerstandsfähigkeit der Wälder als fortlaufende öffentliche Investition und nicht als einmalige Reaktion auf das Wetter dieses Sommers.

Politiker streiten über die Reaktion auf den Notstand

Die Regierung hat Forderungen nach der Ausrufung eines Notstands zurückgewiesen. Rösti und hohe Beamtinnen und Beamte aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und wirtschaftliche Landesversorgung verteidigten die bereits ergriffenen und noch geplanten Massnahmen. Sie sagen, das föderale System bewege sich innerhalb des geltenden Rechtsrahmens, während Kantone und Gemeinden wichtige Zuständigkeiten behalten.

Diese Haltung hat politische Kritik ausgelöst. Die Grünen fordern ein neues Staatssekretariat für Klimaschutz, während Parteipräsidentin Lisa Mazzone dafür plädiert hat, das Umweltressort Rösti zu entziehen. Rösti sagte gegenüber RTS, Kritik gehöre zum politischen Alltag, besonders ein Jahr vor den Wahlen, und wies die Forderung nach einer Neuorganisation der Bundesverwaltung zurück.

Die Sozialdemokratische Partei, die Grünen und die Grünliberalen verlangen eine ausserordentliche Debatte während der Herbstsession des Parlaments. Ihr Vorstoss wird zeigen, ob die begrenzte, nach Sektoren gegliederte Reaktion der Regierung angesichts einer Dürre ausreicht, die neben der Landwirtschaft auch die öffentliche Gesundheit, den Tierschutz, Gewässer, Verkehr und Energieproduktion betrifft.

Rösti hat zudem betont, dass viele Massnahmen in die Zuständigkeit der Kantone und Gemeinden fallen. Der Bund könnte bauliche Verbesserungen unterstützen, die Menschen vor extremer Hitze schützen. Er hat jedoch nicht jede Verantwortung an Bern übertragen.

Die Schweiz plant über diese Dürre hinaus

Der Bund wird die Lage bis Oktober überprüfen. Die Beurteilung umfasst die öffentliche Gesundheit, den Tierschutz, landesweite Hitzekarten und zusätzliche landwirtschaftliche Massnahmen. Die Überprüfung wird zeigen, ob das derzeitige Unterstützungspaket angesichts der anhaltenden Trockenheit ausgeweitet werden muss.

Für die Landwirtschaftsbetriebe ist entscheidend, ob Darlehen eine einzelne schlechte Saison überbrücken können oder bereits fragile Unternehmen mit Schulden zurücklassen, die sie nicht bedienen können. Die Schweizer Landwirtschaftsstruktur macht diese Frage besonders dringlich. Viele Betriebe sind nach europäischen Massstäben klein, was auf das gebirgige Gelände, den zerstückelten Grundbesitz und die langjährige Anstrengung des Landes zurückzuführen ist, die Landwirtschaft auch in schwierigen Regionen aufrechtzuerhalten. Subventionen helfen, diese Betriebe zu erhalten, während hohe Kosten für Maschinen, Gebäude und Arbeitskräfte ihre Wettbewerbsfähigkeit beim Preis einschränken.

Die Forstwirtschaft hat einen anderen Zeithorizont. Eine einzelne niederschlagsreiche Saison würde nichts daran ändern, dass die Wälder auf wiederkehrende Hitze und Wasserknappheit vorbereitet werden müssen. Die vorgeschlagene wiederkehrende Finanzierung ab 2028 weist auf diese längerfristige Herausforderung hin, auch wenn das Parlament die erste Erhöhung noch bewilligen muss.

Die Reaktion auf die Dürre wird somit an zwei Punkten gemessen: daran, ob Notkredite die Landwirtschaftsbetriebe rasch erreichen, und daran, ob die Schweiz dauerhaften Schutz für Land, Wälder, Tiere und Gemeinden aufbaut. Die Herbstdebatte wird zeigen, wie weit die Bundespolitik bereit ist, diese Arbeit auszuweiten.