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Swiss Observer

Visa und Mastercard bringen einfachere internationale Überweisungen in Schweizer Banking-Apps

Visa und Mastercard schliessen sich der Schweizer Plattform Payinit an. Damit können Kundinnen und Kunden über ihre bestehenden Banking-Apps internationale Überweisungen mit einer Mobilnummer oder E-Mail-Adresse tätigen.

Visa und Mastercard bringen einfachere internationale Überweisungen in Schweizer Banking-Apps
AISWI swissinfo.ch

Kundinnen und Kunden von Schweizer Banken könnten schon bald so einfach Geld ins Ausland senden wie einen Kontakt teilen. Visa und Mastercard arbeiten mit Payinit zusammen, einem Schweizer Joint Venture von Viseca und der Cornèr Bank. Gemeinsam wollen sie internationale Überweisungsfunktionen in bestehende Banking- und Zahlungs-Apps integrieren.

Das Vorhaben zielt auf ein bekanntes Problem für Menschen in der Schweiz: Für grenzüberschreitende Geldüberweisungen werden oft Bankangaben, Karteninformationen und separate Zahlungsdienste benötigt. Beim Payinit-Modell gibt der Absender eine Mobilnummer oder E-Mail-Adresse an, die mit dem Empfänger verknüpft ist. Je nach Dienst und Zielland kann das Geld anschliessend auf eine Zahlungskarte, ein Bankkonto oder eine digitale Wallet überwiesen werden.

Die am 31. August 2026 veröffentlichte Ankündigung beschreibt keine neue eigenständige App für Konsumentinnen und Konsumenten. Payinit baut eine gemeinsame Infrastruktur auf, die Schweizer Banken und Kartenherausgeber mit ihren eigenen digitalen Angeboten verbinden können. Kundinnen und Kunden würden die Transaktion weiterhin in der App starten, die sie bereits nutzen.

Santosh Ritter, Leiter von Visa Schweiz, sagte, grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Privatpersonen seien oft «langsam und umständlich». Die Partnerschaft rückt diese Hürde ins Zentrum eines rasch wachsenden Wettbewerbs darum, wie Konsumentinnen und Konsumenten international Geld überweisen.

Payinit verbindet vier Zahlungsdienste

Vier namentlich genannte Dienste bilden die Grundlage des neuen Überweisungsnetzwerks: Visa Direct, Visa+, Mastercard Move und Mastercard Credential Services. Zusammen ermöglichen sie den teilnehmenden Schweizer Instituten den Zugang zu internationalen Zahlungswegen, ohne dass jede Bank separate technische Verbindungen zu Visa und Mastercard aufbauen muss.

Diese gemeinsame Architektur ist die praktische Funktion, die Payinit übernehmen soll. Die Plattform dient als gemeinsame Integrationsschicht zwischen Schweizer Banken oder anderen Herausgebern und den Kartennetzwerken. Opentech stellt die technische Infrastruktur bereit, während die Kundenbeziehung bei der Bank oder dem Zahlungsanbieter bleibt, der die Funktion anbietet.

Der Empfangskanal bestimmt, wie die Transaktion abläuft. Eine Überweisung kann auf einer Zahlungskarte, auf einem Bankkonto oder in einer digitalen Wallet eingehen. Aus den vorliegenden Angaben geht nicht hervor, welche Länder, Währungen oder Überweisungskorridore zum Start unterstützt werden. Auch wird nicht angegeben, wie schnell das Geld am jeweiligen Ziel ankommt.

Diese Flexibilität könnte den Dienst für Rücküberweisungen, die Unterstützung von Familienangehörigen, Reisezahlungen und Transaktionen kleiner Unternehmen attraktiv machen. Zugleich müssen Kundinnen und Kunden vor der Bestätigung einer Zahlung klare Informationen erhalten. Eine vertraute Kontaktmethode gibt für sich allein weder Auskunft über den Wechselkurs noch über das empfangende Institut oder die endgültige Zustellzeit.

Der Wettbewerb entscheidet über den Preis

Das offene Zugangsmodell der Plattform könnte den Wettbewerb zwischen Schweizer Banken, Kartenherausgebern und Zahlungs-Apps verschärfen. Payinit soll allen Schweizer Kartenherausgebern und Anbietern mobiler Zahlungen zur Verfügung stehen, nicht nur den Instituten, die hinter der Gründung stehen.

Für Banken liegen die Vorteile in Geschwindigkeit und Reichweite. Sie können internationale Überweisungsfunktionen hinzufügen, ohne eigene technische Verbindungen zu beiden globalen Kartennetzwerken auszuhandeln und zu unterhalten. Kleinere Anbieter könnten Zugang zu einer Infrastruktur erhalten, deren Entwicklung sonst teuer wäre. Kundinnen und Kunden könnten in vertrauten Schweizer Apps mehr Überweisungsmöglichkeiten finden, darunter Angebote, die mit Geschwindigkeit, Komfort oder der Abdeckung von Zielländern konkurrieren.

Die kommerziellen Einzelheiten sind noch offen. Die Ankündigung enthält keine Gebührenübersicht, keine Angaben zu Wechselkursaufschlägen, Mindestüberweisungsbeträgen oder Zustellgarantien. Ebenso wenig wird gesagt, ob eine Bank, Payinit, ein Kartennetzwerk oder ein empfangender Anbieter den Endpreis festlegt. Diese Details werden darüber entscheiden, ob die neue Benutzeroberfläche tatsächlich zu nennenswerten Einsparungen führt oder lediglich den Zugang zu bestehenden Kosten erleichtert.

Daniela Massaro, Leiterin von Mastercard Schweiz, sagte, Kundinnen und Kunden erwarteten, dass Überweisungen «so einfach sind wie das Versenden einer Nachricht überall auf der Welt». Entscheidend im Wettbewerb wird sein, ob die Anbieter diese Einfachheit mit transparenten Preisen verbinden können.

Einfaches Senden braucht starke Schutzmassnahmen

Eine Mobilnummer kann den Papierkram verringern, aber nicht den Bedarf an Schutzmassnahmen beseitigen. Die Ankündigung zu Payinit beschreibt eine einfachere Möglichkeit, einen Empfänger zu identifizieren. Neue Regeln für fehlgeleitete Zahlungen, Betrug, Kontoübernahmen, Rückerstattungen oder Streitfälle werden darin jedoch nicht festgelegt.

Solche Schutzvorkehrungen sind wichtig, weil eine kontaktbasierte Überweisung informeller wirken kann als eine herkömmliche Bankzahlung. Vor dem Senden sollten Nutzerinnen und Nutzer den verifizierten Namen des Empfängers, den Betrag in Schweizer Franken und die Zielwährung sowie den Wechselkurs, sämtliche Gebühren und die erwartete Zustellzeit angezeigt bekommen. Die Anbieter sollten zudem klar angeben, ob eine Überweisung storniert werden kann und wer eine Beschwerde bearbeitet, falls das Geld auf dem falschen Konto oder in der falschen Wallet eingeht.

Auch der Überweisungsweg ist wichtig. Für eine Zahlung auf eine Karte können andere Regeln gelten als für eine Überweisung auf ein Bankkonto oder in eine digitale Wallet. In der Ankündigung werden weder die teilnehmenden Institute noch die unterstützten Länder oder die geltenden Gebühren- und Streitfallregelungen genannt. Schweizer Kundinnen und Kunden müssen deshalb die Bedingungen ihrer eigenen Bank oder ihres Zahlungsanbieters prüfen.

Die gemeinsame Infrastruktur von Payinit könnte grenzüberschreitende Überweisungen einfacher zugänglich machen. Der Nutzen für Konsumentinnen und Konsumenten hängt davon ab, wie klar die Anbieter die Risiken und Kosten erläutern, die hinter der einfachen Kontaktsuche stehen.

Schweizer Zahlungs-Apps blicken über die Landesgrenzen hinaus

Der Schweizer Zahlungsmarkt entwickelt sich hin zu mehr Dienstleistungen in alltäglichen Apps. Die Payinit-Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Schweizer Anbieter ihr Angebot über inländische Zahlungen und die herkömmliche Kartennutzung hinaus ausbauen. Das Modell könnte Banken eine praktische Möglichkeit bieten, internationale Überweisungen anzubieten und ihre Kundinnen und Kunden zugleich in der bestehenden digitalen Beziehung zu halten.

Der Zeitpunkt reiht das Projekt auch in weitere Entwicklungen im Schweizer Fintech-Bereich ein. Twint, die bekannteste mobile Zahlungs-App des Landes, soll laut einem separaten Bericht von Swissinfo 2027 die Lastschrift einführen. Diese Entwicklung und Payinits internationaler Schwerpunkt deuten auf eine breitere Ausweitung dessen hin, was Konsumentinnen und Konsumenten von Zahlungs-Apps erwarten.

Die nächsten Meilensteine werden praktischer und weniger werblicher Natur sein. Payinit und die teilnehmenden Anbieter müssen Starttermine, unterstützte Überweisungskorridore und Währungen, Gebühren, Wechselkurse sowie Verfahren zum Schutz der Kundinnen und Kunden bekannt geben. Zudem müssen sie erklären, wie Empfänger verifiziert werden, wenn der Absender eine E-Mail-Adresse oder Mobilnummer verwendet.

Wenn die Banken diese Angaben klar vermitteln, könnten Schweizer Kundinnen und Kunden eine bequemere Möglichkeit für alltägliche grenzüberschreitende Zahlungen erhalten. Bleiben Kosten oder Einschränkungen schwer vergleichbar, vereinfacht die neue Benutzeroberfläche vielleicht die nötigen Klicks, nicht aber die Entscheidung.