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Swiss Observer

Roche eröffnet grosses Forschungszentrum für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Boston

Roche hat in Boston ein grosses Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffnet, das sich auf Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen konzentriert. Damit baut das Unternehmen seine Forschungspräsenz in den USA aus. Das Zentrum bietet Platz für bis zu 500 Fachleute.

Roche eröffnet grosses Forschungszentrum für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Boston
AISWI swissinfo.ch

Bis zu 500 Fachleute werden im neuen Forschungszentrum von Roche in Boston arbeiten und der Basler Pharmakonzern erhält damit eine grössere Plattform in einem der weltweit am stärksten konzentrierten Märkte für Lebenswissenschaften.

Roche und ihre US-Tochtergesellschaft Genentech haben das Roche Genentech Innovation Centre auf dem Enterprise Research Campus der Harvard University in Allston eröffnet, einem Stadtteil westlich des Zentrums von Boston. Der Standort konzentriert sich auf Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen. Diese treten bei Patientinnen und Patienten häufig gemeinsam auf und erfordern Forschung über mehrere medizinische Fachgebiete hinweg.

Das Zentrum soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung, der klinischen Entwicklung, der künstlichen Intelligenz und der wissenschaftlichen Datenanalyse zusammenbringen. Roche zufolge ermöglicht diese Struktur, Projekte in einem Forschungsumfeld von der frühen Entdeckung bis zur fortgeschrittenen klinischen Entwicklung voranzubringen.

Mit der Eröffnung stärkt Roche ihre Forschungspräsenz in den USA, während das Unternehmen seine Standorte und Produktionskapazitäten im Land ausbaut. Zudem erhält der Schweizer Konzern direkten Zugang zu Bostons dichtem Netzwerk aus Universitäten, Spitälern, Biotechnologieunternehmen und Investorinnen und Investoren.

Für Roche ist der Entscheid von strategischer Bedeutung. Das Unternehmen beschäftigt in den USA bereits rund 25'000 Mitarbeitende. Mit Boston kommt eine weitere bedeutende Forschungsadresse zu einem Netzwerk hinzu, das laut dem Konzern 15 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie 13 Produktionsstandorte umfasst.

Labore, Daten und Patientenstudien verknüpfen

Ein Mietvertrag über zehn Jahre umfasst 95'000 Quadratmeter und schafft Platz für einen grossen wissenschaftlichen Betrieb statt für ein kleines Aussenbüro.

Roche erklärt, das Zentrum in Boston werde Laborforschung mit klinischer Arbeit und computergestützten Verfahren verbinden. Diese Kombination spiegelt wider, dass die Arzneimittelentwicklung zunehmend von grossen Datensätzen, künstlicher Intelligenz und engen Verbindungen zwischen Laborbefunden und Patientenstudien abhängt. Das Unternehmen hat weder einen detaillierten Zeitplan für die Personalbesetzung noch eine Aufschlüsselung der finanziellen Aufwendungen für den Standort Boston veröffentlicht.

Der Fokus auf Krankheiten ist breit, aber zusammenhängend. Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen treten häufig gemeinsam auf, und Behandlungen in einem Bereich können sich auf die Ergebnisse in einem anderen auswirken. Wenn die entsprechenden Teams an einem gemeinsamen Standort arbeiten, könnten Studien unterstützt werden, die diese Zusammenhänge bereits in den frühesten Forschungsphasen untersuchen.

Der Standort befindet sich auf dem Enterprise Research Campus der Harvard University. Roche ist dort Teil eines akademischen und kommerziellen Ökosystems, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt anzieht. Zugleich erhält das Unternehmen damit einen Standort in Massachusetts, einem Bundesstaat, dessen Regierung dessen Rolle als globales Zentrum für biomedizinische Forschung fördert.

Roche-CEO Thomas Schinecker sagte, die Investition werde die Produktions- und Forschungspräsenz des Konzerns in den USA ausbauen. Wissenschaftliche Fachkräfte, Kompetenzen und Infrastruktur seien für die Entwicklung künftiger Medikamente entscheidend.

Roche verteilt Investitionen über die USA

Roche hat das Projekt in Boston mit einer Zusage von 50 Milliarden US-Dollar für Investitionen in den USA verknüpft, die Produktion und Forschung umfasst. Der Konzern erklärt, das Programm baue auf jüngsten Investitionen in Holly Springs, North Carolina, und Hillsboro, Oregon, auf.

Der Ausbau erfolgt in einer Zeit, in der die Lieferketten der Pharmaindustrie unter Druck stehen. Mögliche US-Zölle und Anreize für die inländische Produktion haben Unternehmen dazu veranlasst, zu prüfen, wo sie forschen, Medikamente herstellen und wichtige Kapazitäten aufbauen. Schweizer Pharmakonzerne haben mit Investitionen in den gesamten USA darauf reagiert, während die Schweiz eine zentrale Basis für Unternehmensführung, Wissenschaft und Produktion bleibt.

Roches Präsenz in den USA ist bereits umfangreich. Ihre 15 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie 13 Produktionsstandorte beschäftigen insgesamt rund 25'000 Mitarbeitende in den Bereichen Pharma und Diagnostik. Das Zentrum in Boston ergänzt dieses grössere Netzwerk um zusätzliche spezialisierte Forschungskapazitäten.

Der Ansatz des Unternehmens spiegelt auch die Bedeutung räumlicher Nähe wider. Frühe wissenschaftliche Arbeit, klinische Entwicklung und Produktionsentscheide müssen zunehmend über Ländergrenzen und Institutionen hinweg koordiniert werden. Eine bedeutende Präsenz in Massachusetts kann Roche helfen, Forschende zu gewinnen und die Verbindungen zu Spitälern, Universitäten und aufstrebenden Biotechnologieunternehmen aufrechtzuerhalten.

Die Investition ist kein Zeichen für einen Rückzug aus der Schweiz. Roche hat ihren Hauptsitz weiterhin in Basel und stützt sich nach wie vor auf Schweizer Fachwissen, Infrastruktur und Regulierung. Sie zeigt jedoch, wie der Konzern sein Wachstum auf mehrere Innovations- und Produktionszentren verteilt.

Massachusetts wirbt um Roches wissenschaftliche Fachkräfte

Die Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, bezeichnete den Ausbau als Vertrauensvotum für die wissenschaftlichen Fachkräfte des Bundesstaats und unterstrich damit den Wettbewerb zwischen den US-Regionen um pharmazeutische Forschung.

Healey begrüsste den Entscheid von Roche und Genentech, ihre Präsenz in Massachusetts auszubauen, und sagte, das Zentrum werde zur Forschung beitragen, die die Zukunft der Medizin präge. Ihre Äusserungen ordnen das Projekt in die umfassenderen Bemühungen des Bundesstaats ein, seine Position als bedeutender globaler Standort für Forschung und Innovation zu behaupten.

Für Roche ist der Pool an Fachkräften vor Ort ein zentraler Faktor. Im Grossraum Boston befinden sich Harvard, Lehrspitäler, Biotechnologieunternehmen und Forschungsinvestoren. Diese Konzentration kann die Personalgewinnung und Zusammenarbeit unterstützen und dazu beitragen, Erkenntnisse aus akademischen Laboren in die kommerzielle Entwicklung zu überführen.

Der Fokus des Zentrums auf künstliche Intelligenz und wissenschaftliche Daten verankert es zudem in einem sich rasch wandelnden Forschungsumfeld. Arzneimittelentwickler nutzen computergestützte Methoden, um Zielstrukturen zu identifizieren, Wirkstoffe zu bewerten und klinische Erkenntnisse zu analysieren. Roche hat keine konkrete Prognose dazu abgegeben, wie viele Forschungsprogramme oder Medikamente in Boston entstehen werden.

Der unmittelbare Massstab ist die Kapazität. Am Standort können bis zu 500 Fachleute arbeiten, in Teams, die den gesamten Forschungsprozess abdecken. Der Erfolg des Zentrums wird letztlich daran gemessen, wie gut die dort entwickelten Programme sind und wie weit sie vorankommen, nicht allein an der Grösse des Gebäudes.

Boston im Blick für Roches nächste Durchbrüche

Das Zentrum in Boston bietet Roche eine weitere langfristige Basis für die Entwicklung von Medikamenten in den USA, während Basel der Hauptsitz des Konzerns und ein wichtiger Teil seiner Schweizer Identität bleibt.

Das Projekt ist für die Schweiz von Bedeutung, weil Roches internationales Wachstum ein Geschäftsmodell unterstützt, das auf grenzüberschreitender Forschung beruht. Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Führungskräfte und Fachleute in der Produktion bleiben mit Programmen verbunden, die Europa und Nordamerika umfassen. Die US-Investition des Konzerns zeigt zudem, wie sich Pharmaunternehmen an politischen Druck, Risiken in den Lieferketten und die Notwendigkeit anpassen, Forschung in der Nähe grosser klinischer und akademischer Zentren anzusiedeln.

Roches erklärte Forschungsschwerpunkte in Boston sind Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen. Diese betreffen grosse Patientengruppen und erfordern häufig eine langfristige Behandlung, wodurch sie wichtige Forschungsgebiete für die Pharmaindustrie sind. Das Unternehmen hat keine einzelnen Medikamentenkandidaten oder Ergebnisse klinischer Studien im Zusammenhang mit dem neuen Zentrum bekannt gegeben.

Schinecker sagte, der Ausbau werde Roche dabei helfen, die nächste Generation von Medikamenten zu entdecken und zu entwickeln. Diese Arbeit wird künftig in einem breiteren Standortnetzwerk stattfinden: Boston ergänzt dabei andere Standorte in den USA sowie Roches etablierte Aktivitäten in der Schweiz.

Der zehnjährige Mietvertrag steckt einen klaren zeitlichen Rahmen für den Aufbau von Teams und Forschungsprogrammen ab. Entscheidend wird sein, ob das Zentrum seinen Zugang zu Fachkräften und Daten in klinische Fortschritte umsetzen kann, die Patientinnen und Patienten sowohl in den USA als auch in Europa zugutekommen.