Beschäftigung
Gewerkschaftskampagne stellt Outsourcing bei Schweizerischer Post und Swisscom infrage
Eine Petition von Transfair stellt die Verlagerung von Stellen und Fachwissen der Schweizerischen Post und von Swisscom ins Ausland infrage. Die Kampagne ist ein aktueller Test dafür, wie die Schweiz öffentliches Eigentum, Kostensenkungen und die Kontrolle über strategisch sensible digitale Arbeit miteinander in Einklang bringen soll.

Eine neue Petition setzt das Outsourcing der Schweizerischen Post und von Swisscom unter politischen Druck. Die Personalgewerkschaft Transfair lancierte die Kampagne am 3. September 2026 und fordert den Bundesrat und das Parlament auf, die Verlagerung von Stellen und Fachwissen ins Ausland zu stoppen. Die Gewerkschaft argumentiert, dass beide Unternehmen mehrheitlich im Besitz des Bundes sind und letztlich der Schweizer Bevölkerung gehören.
Die Kampagne richtet sich gegen Entscheidungen, die Transfair zufolge in erster Linie von Kostensenkungen bestimmt wurden. Die Schweizerische Post und Swisscom betreiben Infrastrukturen, die täglich im ganzen Land genutzt werden, darunter die Paketzustellung, die Zahlungsabwicklung, der Internetzugang und Telefondienste. Laut der Gewerkschaft hat der Standort der Mitarbeitenden, die diese Systeme unterhalten, Auswirkungen auf die Dienstleistungsqualität, die Sicherheit und die Fähigkeit der Schweiz, technisches Fachwissen zu erhalten.
Greta Gysin, Präsidentin von Transfair und Nationalrätin der Grünen, warf dem Bund vor, den beiden Unternehmen zu erlauben, ohne ausreichend klare Grenzen zu operieren. Die Petition fordert die Regierung und das Parlament auf, Schutzbestimmungen für Stellen zu schaffen, die wesentliche öffentliche Dienstleistungen unterstützen. Zudem sollen strategische und sensible Tätigkeiten in der Schweiz bleiben, insbesondere wenn die Versorgungssicherheit oder die nationale Sicherheit betroffen ist.
Schweizerische Post verlagert IT-Arbeit nach Lissabon
Die Schweizerische Post hat seit 2022 130 IT-Stellen nach Lissabon verlagert. Diese Zahl ist der deutlichste Beleg in Transfairs Kritik am Outsourcing beim Postkonzern. Die Gewerkschaft sagt, die Verlagerung bedeute mehr als eine Änderung des Lohnstandorts. Damit werde auch technisches Wissen verschoben, das mit Systemen eines Unternehmens verbunden ist, das Dienstleistungen im ganzen Land erbringt.
Die Schweizerische Post hat weitere Pläne für Lissabon bis Sommer 2027 auf Eis gelegt. Die Pause verschafft dem Unternehmen Zeit, bevor weitere Schritte erfolgen, während der grundsätzliche Streit ungelöst bleibt. Transfair will, dass bestehende Stellen in der Schweiz im Land bleiben, wenn das Outsourcing in erster Linie der Kostensenkung dient.
Das Argument der Gewerkschaft hängt eng mit dem Schweizer Arbeitsmarkt zusammen. Sie sagt, die Verlagerung ins Ausland verringere die Chancen für Lernende und erschwere jungen Menschen den Einstieg in technische Berufe. Stellen in der Schweiz zu erhalten, würde ihrer Ansicht nach helfen, berufliche Perspektiven sowie das Fachwissen zu bewahren, das für den Betrieb und den Schutz kritischer Systeme nötig ist.
Das Ausgangsmaterial nennt weder die Gründe der Schweizerischen Post für die Verlagerung nach Lissabon noch die Stellungnahme des Unternehmens zur Petition. Die Kampagne überträgt damit der Regierung die Verantwortung dafür, festzulegen, welche Schutzbestimmungen für ein bundesnahes Unternehmen gelten sollen.
Swisscom baut ihre Präsenz in Europa aus
Swisscom hat mehr als 600 Stellen nach Lettland und in die Niederlande ausgelagert. Das Telekommunikationsunternehmen hat zudem Niederlassungen im Kosovo, in Polen und Bulgarien eröffnet und Pläne für eine neue Einheit in Lissabon angekündigt. Zusammengenommen bieten diese Schritte der Gewerkschaft ein breiteres Ziel als ein einzelnes Verlagerungsprojekt.
Transfair sagt, die internationale Expansion von Swisscom trage Schweizer Stellen und Fachwissen über die Landesgrenzen hinaus. Die Sorge der Gewerkschaft gilt den Systemen hinter Internet- und Telefondiensten, die sie zu den Tätigkeiten zählt, auf die die Bevölkerung angewiesen ist. Die Petition fordert besonders strenge Schutzbestimmungen, wenn die Arbeit sensible Abläufe oder die Versorgungssicherheit betrifft.
Auch die geografische Verteilung ist politisch von Bedeutung. Die Petition lehnt nicht grundsätzlich jede internationale Tätigkeit ab. Sie fordert, dass bestehende Stellen in der Schweiz nicht ins Ausland verlagert werden, wenn Kostensenkungen das Hauptmotiv sind, und dass strategische Funktionen in der Schweiz bleiben. Damit rückt die Art der Arbeit und das damit verbundene öffentliche Interesse in den Mittelpunkt.
Die Quelle nennt nicht im Detail, welche Funktionen von Swisscom verlagert wurden oder wie das Unternehmen Sicherheitsrisiken bewertet hat. Sie macht jedoch das Ausmass des von Transfair angeführten Outsourcings deutlich: mehr als 600 Stellen, dazu Niederlassungen in fünf namentlich genannten europäischen Ländern und ein geplanter Betrieb in Lissabon.
Transfair trägt den Kampf nach Bern
Die Petition kann bis zum 30. November unterzeichnet werden, die Übergabe ist für Dezember geplant. Danach wird Transfair sie der Schweizer Regierung und dem Parlament überreichen und damit einen Konflikt am Arbeitsplatz in eine formelle Forderung nach Regeln für zwei bundesnahe Konzerne verwandeln.
Die Gewerkschaft will, dass drei Grundsätze diese Debatte bestimmen. Bestehende Stellen sollen nicht ins Ausland verlagert werden, wenn dies hauptsächlich der Kostensenkung dient. Strategische und sensible Tätigkeiten sollen in der Schweiz bleiben. Öffentliches Eigentum soll mit konkreten Pflichten verbunden sein, besonders bei Dienstleistungen im Zusammenhang mit der nationalen Infrastruktur, der Versorgungssicherheit und der nationalen Sicherheit.
Transfair warnt auch vor den langfristigen Folgen für das Schweizer Fachwissen. Wenn Lehrstellen und Einstiegsmöglichkeiten wegfallen, könnte es für Unternehmen schwieriger werden, ihren Bedarf an Fachkräften in der Schweiz zu decken. Die Gewerkschaft verbindet diese Sorge um den Arbeitsmarkt mit der Zuverlässigkeit der Dienstleistungen und argumentiert, dass weniger Fachwissen im Inland die Qualität der von Haushalten und Unternehmen genutzten Dienstleistungen beeinträchtigen könnte.
Die Kampagne steht nun vor einer politischen Bewährungsprobe. Parlament und Regierung müssen Transfairs Forderungen gegen die betrieblichen Entscheidungen der Schweizerischen Post und von Swisscom abwägen, einschliesslich ihres Einsatzes von Niederlassungen und Teams anderswo in Europa. Die Quelle gibt keinen Aufschluss darüber, wie viele Unterschriften die Petition gesammelt hat oder ob die beiden Unternehmen ihre Pläne ändern werden. Die nächsten feststehenden Termine sind der 30. November als Frist und die geplante Übergabe im Dezember.