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Swiss Observer

Neustart der Raffinerie Cressier entschärft das Risiko für die Treibstoffversorgung der Schweiz

Der Betrieb in der Schweizer Raffinerie Cressier wurde wieder aufgenommen. Damit entschärft sich ein drohender Engpass bei der Benzin- und Dieselversorgung, nachdem die Behörden Treibstoff aus Pflichtlagern freigegeben haben. Die Versorgung bleibt anfällig, weil der niedrige Wasserstand im Rhein den Transport weiterhin einschränkt.

Neustart der Raffinerie Cressier entschärft das Risiko für die Treibstoffversorgung der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Cressier hat den Betrieb wieder aufgenommen und damit einen unmittelbaren Engpass bei der Benzin- und Dieselversorgung der Schweiz beseitigt. Die Raffinerie nahm ihren Betrieb am 21. September wieder auf, nachdem sie rund zwei Wochen stillgestanden hatte. Durch den Neustart kann Treibstoff wieder über die regulären Versorgungskanäle transportiert werden. Die Behörden sehen derzeit keinen Bedarf, weitere Mengen aus den Pflichtlagern freizugeben.

Die Entspannung folgt auf eine kurze Phase, in der die Schweiz mit einem möglichen Engpass konfrontiert war. Das Land ist auf importierte Erdölprodukte und auf Transportrouten angewiesen, die rasch beeinträchtigt werden können. Die Unterbrechung in Cressier fiel mit Einschränkungen der Schifffahrt auf dem Rhein zusammen. Dadurch gab es weniger Möglichkeiten, die Treibstoffversorgung über normale kommerzielle Lieferungen wieder aufzufüllen.

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung reagierte, indem es zwischen dem 8. und dem 20. September Notvorräte freigab. Diese Reserven trugen dazu bei, die Versorgung mit Benzin und Diesel aufrechtzuerhalten, während die Raffinerie stillstand und der Flusstransport eingeschränkt blieb. Die Massnahme zeigt, wie das System bei einer vorübergehenden Störung funktionieren soll: Wo möglich, laufen die kommerziellen Lieferungen weiter, während Pflichtlager die Versorgungslücke decken.

Für Autofahrerinnen und Autofahrer, Transportunternehmen und Betriebe hat sich die unmittelbare Lage entspannt. Die gesamte Versorgungskette bleibt unter genauer Beobachtung.

Notvorräte decken die Versorgungslücke

Während der Störung gaben die Behörden bis zu 60'000 Kubikmeter Treibstoff aus den Pflichtlagern frei. Die Notzuteilung umfasste bis zu 30'000 Kubikmeter Diesel und 30'000 Kubikmeter Benzin.

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung erklärte, der Treibstoff sei zwischen dem 8. und dem 20. September freigegeben worden, als der Stillstand der Raffinerie und die Einschränkungen der Rheinschifffahrt das Risiko eines kurzfristigen Versorgungsengpasses schufen. Die gesamte Benzinzuteilung wurde bezogen. Gemäss den Bundesbehörden wurden auch rund zwei Drittel des freigegebenen Diesels verwendet.

Diese Zahlen geben einen Eindruck vom Druck auf das Versorgungsnetz. Die Benzinnachfrage betrifft private Autofahrerinnen und Autofahrer in der ganzen Schweiz, während Diesel für den Güterverkehr, das Baugewerbe, die Landwirtschaft und viele gewerbliche Fahrzeugflotten zentral ist. Selbst eine vorübergehende Unterbrechung kann sich deshalb über die Tankstellen hinaus auf den Warenverkehr auswirken.

Die aus den Lagern entnommenen Mengen sind kein dauerhafter Abbau der nationalen Reserven. Die Schweiz verlangt, dass der entnommene Treibstoff innerhalb von sechs Monaten zurückgeführt wird. Diese Verpflichtung stellt die Lieferanten vor eine zusätzliche Aufgabe, während sie ihre kommerziellen Lagerbestände wieder auffüllen und die Transportbeschränkungen auf dem Rhein bewältigen. Der Neustart in Cressier erleichtert diesen Prozess, macht eine sorgfältige Lagerbewirtschaftung aber nicht überflüssig.

Niedriger Rheinpegel hält die Versorgungskette anfällig

Der niedrige Wasserstand im Rhein schränkt die Route, über die die Schweiz Treibstoff und andere Güter transportiert, weiterhin ein. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung erklärte, anhaltend niedrige Pegelstände würden die Transportkapazität stark beeinträchtigen, auch nachdem die Raffinerie den Betrieb wieder aufgenommen hatte.

Der Rhein ist eine wichtige Handelsader der Schweiz. Sinkt der Wasserstand, müssen Schiffe ihre Ladung reduzieren, damit sie nicht auf Grund laufen. Das kann die Betreiber zu häufigeren Fahrten zwingen, die Transportkosten erhöhen und Lieferungen verlangsamen. Für die Treibstoffmärkte ist dies besonders heikel, weil Raffinerien, Lageranlagen und Importterminals auf eine zuverlässige Logistik angewiesen sind und nicht auf eine einzige Bezugsquelle.

Der Stillstand in Cressier und die Einschränkungen auf dem Rhein überschnitten sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Jede der beiden Störungen lässt sich leichter bewältigen, wenn der jeweils andere Versorgungskanal normal funktioniert. Zusammen verkleinerten sie den Handlungsspielraum der Lieferanten und führten zur Freigabe von Pflichtlagern.

Die Wiederinbetriebnahme der Raffinerie stellt die inländische Verarbeitungskapazität wieder her. Die Flussbedingungen setzen die Versorgungskette jedoch weiterhin möglichen Verzögerungen aus. Die Bundesbehörden haben keinen Bedarf für eine weitere Freigabe von Reserven angekündigt. Diese Einschätzung könnte sich ändern, wenn der Wasserstand niedrig bleibt, kommerzielle Lieferungen in Verzug geraten oder eine weitere Anlage ausfällt.

Die Schweiz baut ihren Versorgungspuffer wieder auf

Die Schweiz hat wieder etwas Spielraum, doch die Lieferanten müssen ihre Lagerbestände weiterhin auffüllen und sich in einem eingeschränkten Transportnetz zurechtfinden. Mit dem Neustart in Cressier fällt der Raffinerieausfall aus der unmittelbaren Risikobeurteilung weg. Zudem verbessert er die Voraussetzungen dafür, den aus den Pflichtlagern entnommenen Treibstoff vor Ablauf der Sechsmonatsfrist zu ersetzen.

Der Vorfall hat die Bedeutung der Notvorräte der Schweiz deutlich gemacht. Zwischen dem 8. und dem 20. September versorgten die Reserven den Markt mit Benzin und Diesel, als die regulären Lieferungen gleichzeitig durch zwei Einschränkungen beeinträchtigt waren. Die Massnahme half, die Lücke zu überbrücken, ohne dass nach der Wiederaufnahme des Raffineriebetriebs weitere Reserven freigegeben werden mussten.

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den Rhein. Anhaltend niedrige Wasserstände können die Schifffahrtskapazität weiterhin verringern und Importpläne anfällig machen, auch wenn sich der Raffineriebetrieb normalisiert. Treibstoffverteiler, Transportunternehmen und Behörden müssen in den kommenden Wochen Lieferungen, Lagerbestände und die Flussbedingungen genau beobachten.

Für Haushalte ist die unmittelbare Botschaft praktischer Art: Die Behörden sagen, dass die regulären Treibstoffkanäle wieder funktionieren und derzeit keine weitere Entnahme aus den Pflichtlagern nötig ist. Für das nationale Versorgungssystem erinnert der Vorfall daran, dass die Widerstandsfähigkeit davon abhängt, dass mehrere Elemente zusammenwirken, darunter Raffinerien, Lagerung und Transport.