Wissenschaft
Universität Bern erhält bedeutende Diamantensammlung für die Forschung
Die Universität Bern hat für Forschung und Lehre mehr als 29'000 Rohdiamanten erhalten. Die Sammlung wird Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dabei helfen, die Entstehung von Mineralien und die geologische Geschichte des Erdinneren zu untersuchen.

Mehr als 29'000 Rohdiamanten halten Einzug in den wissenschaftlichen Alltag der Universität Bern. Schweizer Forschende erhalten damit Zugang zu einer der weltweit grössten Sammlungen, die für Forschung und Lehre zusammengetragen wurde. Jeffrey W. Harris und seine Frau Francesca Harris haben der Universität die Steine geschenkt. Die Sammlung wird ausserhalb des Campus aufbewahrt und soll Forschungsarbeiten zur Entstehung von Mineralien und zur geologischen Geschichte des Erdinneren unterstützen.
Die Schenkung weist eine klare Unterscheidung zwischen kommerziellem und wissenschaftlichem Wert auf. Der angegebene Durchschnittswert jedes Diamanten beträgt 10 US-Dollar oder 8.20 Franken, wodurch der materielle Wert der Sammlung begrenzt ist. Ihr Forschungswert liegt in den Informationen, die in den Kristallen bewahrt sind. Die Steine stammen aus Afrika, Südamerika, Nordamerika, Asien und Ozeanien und geben Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Zugang zu Material, das in unterschiedlichen geologischen Umgebungen entstanden ist.
Die Universität Bern erklärte, die Sammlung werde Forschenden helfen, Mineralien zu bestimmen und Bedingungen tief unter der Erdoberfläche zu rekonstruieren. Die Schenkung stärkt zudem die Stellung Berns in den Erdwissenschaften, einem Fachgebiet, in dem Laborinstrumente und der Zugang zu repräsentativen Proben darüber entscheiden können, welchen Fragen Forschende nachgehen können.
Diamanten bewahren die ferne Erdgeschichte
Diamanten können Hinweise auf Milliarden Jahre Erdgeschichte bewahren. Ihre Widerstandsfähigkeit und ihre nahezu vollständige chemische Stabilität ermöglichen es ihnen, Material aus den Bedingungen ihrer Entstehung zu erhalten. Die ältesten Diamanten der Sammlung sind rund 3,5 Milliarden Jahre alt, die jüngsten ungefähr 55 Millionen Jahre.
Einige Steine enthalten Einschlüsse: winzige Taschen mit hochdichter Flüssigkeit, geschmolzenem Material oder Mineralien, die während der Kristallisation eingeschlossen wurden. Forschende können diese Einschlüsse analysieren, um Druck, Temperatur und chemische Bedingungen weit unter der Erdoberfläche zu untersuchen. Solche Hinweise helfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nachzuvollziehen, wie sich die Erde entwickelt und ihr Inneres im Lauf der geologischen Zeit verändert hat.
Die Universität Bern bezeichnet Diamanten als Naturarchive, weil die Kristalle diese Einschlüsse vor späteren Veränderungen schützen können. Ein Rohdiamant birgt somit Informationen, die von aussen unsichtbar sein können. Forschende können ausgewählte Proben schneiden, zerkleinern oder analysieren und gleichzeitig die übrige Sammlung für künftige Arbeiten und die Lehre bewahren.
Die Altersspanne bietet Studierenden auch einen anschaulichen Zugang zur Erdgeschichte. In den Berner Laboratorien kann ein kleiner Mineraleinschluss heutige Messungen mit Ereignissen verbinden, die sich vor dem Entstehen moderner Kontinente und Ökosysteme zugetragen haben.
Fünf Kontinente bereichern die Diamantenforschung in Bern
Das gespendete Material umfasst fünf Kontinente. Die Rohdiamanten stammen aus Afrika, Südamerika, Nordamerika, Asien und Ozeanien und gelangten zunächst zur Diamond Trading Company in London. Das Unternehmen schenkte sie Harris für die wissenschaftliche Forschung. Jede Schenkung ist durch eine originale Schenkungsurkunde dokumentiert.
Diese Dokumentation ermöglicht es, die Geschichte der Sammlung nachzuvollziehen und die Herkunft einzelner Proben festzuhalten. Die geografische Herkunft ist wichtig, weil Diamanten unter unterschiedlichen geologischen Bedingungen entstehen. Der Vergleich von Steinen aus verschiedenen Regionen kann Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen, Unterschiede in der mineralischen Zusammensetzung und jene Prozesse zu untersuchen, die Material aus dem Erdinneren an die Oberfläche befördert haben.
Der Zweck der Sammlung bestimmt auch, wie die Universität sie nutzen wird. Es handelt sich um Proben für Lehre und Forschung, nicht um einen Bestand für den Schmuckmarkt. Der bescheidene Durchschnittswert von 10 US-Dollar pro Diamant macht das wissenschaftliche Archiv für kontrollierte Laboruntersuchungen zugänglich und bewahrt zugleich einen grossen Vorrat an Material für künftige Projekte.
Der Lagerstandort ausserhalb des Campus bietet der Sammlung ein eigenes Zuhause. Von dort aus können Forschende und Studierende Proben für Analysen auswählen, die zugehörigen Unterlagen pflegen und neue Studien zu bisher unbeantworteten Fragen entwickeln.
Bern baut eine Infrastruktur für die Erforschung des Erdinneren
Bern verfügt bereits über die Instrumente, um Rohsteine in geologische Belege zu verwandeln. Die Universität Bern ist eine der wenigen Universitäten weltweit mit einer eigenen Diamantschleifscheibe und einer Anlage zum Zerkleinern von Diamanten. Zudem betreibt sie ein hochauflösendes Massenspektrometer für Isotopenanalysen sowie spezialisierte Verfahren zur räumlichen Darstellung der chemischen Zusammensetzung von Materialien.
Mit diesen Anlagen können Forschende Proben vorbereiten und ihre Eigenschaften im selben akademischen Umfeld messen. Durch Schleifen und Zerkleinern lässt sich Material im Inneren für Untersuchungen freilegen. Die Massenspektrometrie kann anschliessend helfen, Isotopensignaturen zu bestimmen, während die chemische Bildgebung zeigt, wie Elemente in einem Stein oder einem Einschluss verteilt sind.
Die Harris Diamond Collection erweitert die Auswahl an Proben für diese Verfahren. Sie kann Lehrveranstaltungen im Labor, Doktorarbeiten und Projekte zu neu identifizierten Mineralien unterstützen. Die Universität hat keinen Zeitplan für konkrete Studien bekannt gegeben und auch keine einzelnen Forschungsergebnisse aus der Sammlung veröffentlicht.
Für Schweizer Erdwissenschaftlerinnen und Erdwissenschaftler liegt der Wert im dauerhaften Zugang. Eine grosse, dokumentierte Probenbasis gibt Forschenden die Möglichkeit, Ergebnisse aus verschiedenen Regionen und Zeiträumen zu vergleichen. In Lehrlaboratorien können Studierende zugleich dieselben Analysemethoden kennenlernen, die auch in der aktuellen geologischen Forschung eingesetzt werden.
Die Schweiz erweitert ihr Instrumentarium für die Erdwissenschaften
Die Sammlung ist für die Schweiz eine langfristige Forschungsressource und keine kurzlebige Ausstellung. Die Harris-Diamanten stehen an der Universität Bern für Lehre und wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Dort können spezialisierte Geräte die Proben mit hochpräzisen Analysen verbinden. Die Institution hat keinen detaillierten Zeitplan für den Zugang, Experimente oder Ergebnisse veröffentlicht.
Ihre Wirkung dürfte sich durch wiederholte Vergleiche entfalten. Forschende können Diamanten aus mehreren Regionen untersuchen, zu unterschiedlichen Zeiten entstandene Einschlüsse analysieren und neue Methoden erproben, wenn sich die Analysetechnik weiterentwickelt. Studierende können zudem mit natürlichen Proben arbeiten, deren Geschichte von 55 Millionen Jahren bis zu rund 3,5 Milliarden Jahren zurückreicht. So wird die Ausbildung in Schweizer Laboratorien in einen globalen geologischen Zusammenhang gestellt.
Die Sammlung stärkt die Stellung Berns in den Erdwissenschaften und bietet internationalen Forschenden in der Schweiz eine umfangreiche Referenzbasis. Originale Schenkungsurkunden halten die Herkunft des gespendeten Materials fest. Der Lagerort ausserhalb des Campus bietet Platz für ein umfangreiches Archiv, dessen Wert mit neuen Fragestellungen weiter zunehmen kann.
Für die Öffentlichkeit beginnt die wissenschaftliche Geschichte mit einem bekannten Edelstein und führt tief unter die Erdoberfläche. In Bern dienen Rohdiamanten als Proben, um Mineralien, geologische Veränderungen und die Bedingungen zu verstehen, die das Erdinnere geprägt haben.