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Swiss Observer

Gewerkschaft fordert Massnahmen gegen Gewalt auf Schweizer Verkehrswegen

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals sagt, Angriffe auf Mitarbeitende des öffentlichen Verkehrs seien weiterhin ein tägliches Problem, und fordert ein Eingreifen des Parlaments. Die Schweizerischen Bundesbahnen melden rund zehn Vorfälle pro Tag, darunter Beschimpfungen, Drohungen, Tätlichkeiten oder Spucken, obwohl die Datenlage für die ganze Schweiz lückenhaft bleibt.

Gewerkschaft fordert Massnahmen gegen Gewalt auf Schweizer Verkehrswegen
AISWI swissinfo.ch

Die SBB verzeichnet täglich rund 10 Angriffe auf ihre Mitarbeitenden. Die Vorfälle reichen von verbalen Beschimpfungen und Drohungen bis hin zu körperlichen Übergriffen und Spucken, wie die Schweizerischen Bundesbahnen mitteilen. Die Zahlen zeigen das Ausmass eines Problems, mit dem laut der Gewerkschaft des Verkehrspersonals Mitarbeitende in der ganzen Schweiz bei ihrer Arbeit in Zügen, an Bahnhöfen und auf Perrons konfrontiert sind.

Der SEV führte am 2. September 2026 seinen zweiten nationalen Aktionstag durch, mit Protesten an Bahnhöfen im ganzen Land. Die Kampagne steht unter dem direkten Slogan «Jeder Angriff ist einer zu viel» und will die Sicherheit am Arbeitsplatz stärker auf die politische Agenda setzen.

«Die neuesten Zahlen zeigen, dass sich das Problem nicht abgeschwächt hat», sagte SEV-Vizepräsidentin Barbara Keller in einer Medienmitteilung. «Die Zahl der Angriffe auf das Personal des öffentlichen Verkehrs bleibt alarmierend hoch.»

Die Gewerkschaft sagt, die Angriffe hätten seit der Covid-19-Pandemie deutlich zugenommen. Für Mitarbeitende, die für Ticketkontrollen, die Unterstützung von Fahrgästen und den sicheren Betrieb der Angebote zuständig sind, können wiederholte Beschimpfungen zum normalen Teil einer Schicht werden. Der SEV ist der Ansicht, dass Mitarbeitende des öffentlichen Verkehrs besser geschützt werden müssen, da die Schweiz täglich auf stark ausgelastete Bahn- und städtische Verkehrsnetze angewiesen ist.

Eine nationale Sicherheitsstatistik schaffen

Der Schweiz fehlen umfassende nationale Daten zur Gewalt gegen Mitarbeitende des Verkehrswesens. Die SBB veröffentlicht eigene Zahlen von rund zehn Angriffen pro Tag. Der SEV sagt jedoch, das wahre Ausmass des Problems lasse sich nur schwer einschätzen, weil Vorfälle nicht in einem einzigen landesweiten System erfasst werden.

Diese Lücke ist sowohl für die Politik als auch für die Prävention wichtig. Unterschiedliche Meldeverfahren können Vergleiche der Risiken bei Bahnunternehmen, regionalen Netzen und verschiedenen Arten von Arbeitsplätzen erschweren. Sie können auch die Fähigkeit des Parlaments einschränken, zu beurteilen, ob die bestehenden Sicherheitsmassnahmen wirken. Die Gewerkschaft fordert den Bund auf, ein nationales Erfassungssystem für Vorfälle mit Mitarbeitenden des öffentlichen Verkehrs einzurichten.

Der SEV will das Thema während der Herbstsession des Parlaments aufgreifen und fordert eine Interpellation. Damit müsste der Bundesrat formell Fragen zum Ausmass der Gewalt, zur Erfassung von Angriffen und zum Schutz der Mitarbeitenden beantworten.

Die verfügbaren Zahlen der SBB umfassen ein breites Spektrum an Verhalten, von Beschimpfungen und Drohungen bis hin zu Tätlichkeiten und Spucken. Sie enthalten keine nationale Aufschlüsselung nach Kanton, Betreiber oder Vorfallart. Solange die Behörden keine vergleichbaren Daten erheben, ist es schwieriger, die täglichen Erfahrungen des Personals ausserhalb der SBB zu messen.

Personal und Unterstützung an erste Stelle setzen

Der SEV fordert Arbeitgeber und Politik auf, mehr Personal vor Ort einzusetzen. SEV-Präsident Matthias Hartwich sagt, Verkehrsunternehmen benötigten eine ausreichende Personalbesetzung, Patrouillen zu zweit und systematische Unterstützung für Mitarbeitende nach einem Angriff. Die Vorschläge zielen sowohl auf die Prävention als auch auf den Umgang mit den Folgen von Gewalt ab.

Patrouillen zu zweit könnten die Isolation verringern, der Mitarbeitende im Umgang mit schwierigen Fahrgästen ausgesetzt sind. Eine angemessene Personalbesetzung könnte zudem rasche Reaktionen bei Vorfällen erleichtern. Der SEV will ausserdem eine strukturierte Unterstützung für Mitarbeitende nach einem Übergriff oder einer Drohung. Die Quelle nennt kein einheitliches nationales Modell für diese Unterstützung. Fragen zur Umsetzung, Finanzierung und Zuständigkeit bleiben damit den Arbeitgebern und Behörden überlassen.

Die Debatte findet statt, während die Transportpolizei der Schweiz aufgrund eines separaten Parlamentsbeschlusses künftig mit Elektroschockgeräten ausgerüstet werden soll. Die Massnahme soll der Polizei bei gefährlichen Situationen mehr Handlungsmöglichkeiten geben. Die Ausrüstung löst die weitergehenden Bedenken der Gewerkschaft zum alltäglichen Kontakt zwischen Mitarbeitenden und Fahrgästen nicht.

Die Forderungen des SEV stellen die Organisation am Arbeitsplatz neben die Polizeiarbeit. Die Gewerkschaft will, dass das Parlament prüft, wie Personalbestand, Patrouillen, Meldungen und Betreuung nach Vorfällen im gesamten öffentlichen Verkehr der Schweiz zusammenspielen.

Den Kampf ins Parlament tragen

Die Herbstsession des Parlaments wird zeigen, ob die Kampagne eine formelle Antwort des Bundes auslöst. Der SEV fordert eine Interpellation, die Gewalt gegen Mitarbeitende des Verkehrswesens vor den Bundesrat bringt. Der weitergehende Vorschlag der Gewerkschaft ist ein nationales Erfassungssystem, das der Politik eine gemeinsame Grundlage zur Messung von Angriffen und zur Beurteilung von Schutzmassnahmen bietet.

Für die Schweiz geht das Thema über einzelne Arbeitgeber hinaus. Bahnen und der öffentliche Nahverkehr verbinden Arbeitsplätze, Schulen und Gemeinden. Ihre Mitarbeitenden sind oft die ersten Ansprechpersonen, wenn Fahrgäste mit Verspätungen, Streit um Billette oder anderen Frustrationen konfrontiert sind. Eine Drohung oder ein Übergriff kann die betroffene Person beeinträchtigen und den Betrieb in ihrem Umfeld stören.

Die Proteste an Bahnhöfen am 2. September sollten diese Arbeitsrealität für Fahrgäste und Politiker sichtbar machen. Der SEV sagt, das Problem sei trotz der Aufmerksamkeit seit der Pandemie weiterhin gravierend. Die täglich gemeldete Zahl der SBB ist eine deutliche Warnung, während die fehlenden vollständigen nationalen Daten das Gesamtbild einschränken.

Das Parlament steht nun vor konkreten Fragen: Wie sollen Vorfälle gezählt werden? Welche Arbeitgeber müssen sie melden? Wie können Mitarbeitende zu zweit arbeiten, und welche Unterstützung gibt es nach einem Angriff? Die Antworten werden die Sicherheitspolitik im gesamten Verkehrsnetz der Schweiz prägen.