Bildung
Zahl der Primarschulkinder in der Schweiz dürfte sinken, während die Hochschulen wachsen
Die Zahl der Primarschülerinnen und Primarschüler in der Schweiz dürfte laut Prognosen des Bundes bis 2035 um 8 % sinken, nachdem sie um 2027 oder 2028 ihren Höchststand erreicht hat. Die Zahl der Studierenden an Universitäten dürfte im gleichen Zeitraum dagegen um mehr als 20 % steigen.

Die Zahl der Primarschülerinnen und Primarschüler erreicht innerhalb der nächsten zwei Jahre ihren Höchststand und wird danach anhaltend sinken. Das Bundesamt für Statistik erwartet, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Schweizer Primarschulen 2027 oder 2028 ihren Höchststand erreicht. Bis 2035 dürfte sie im Vergleich zu diesem Höchststand um 8 % sinken.
Die Prognose folgt einem klaren demografischen Signal. Seit 2022 sinken die Geburtenraten, wodurch in den kommenden Jahren weniger Kinder ins schulpflichtige Alter kommen werden. Die Zahl der Primarschulkinder war in den vergangenen Jahren stark gestiegen und setzte in vielen Gemeinden Schulzimmer, Lehrpersonen und die Schulinfrastruktur unter Druck. Der bevorstehende Wandel wird die Planungsentscheide schrittweise verändern.
Die Auswirkungen werden sich erst mit der Zeit im Bildungssystem bemerkbar machen. Auf der Sekundarstufe I rechnet das Bundesamt für Statistik damit, dass die Zahlen länger weiter steigen und erst ab 2033 zurückgehen. Diese Verzögerung ist darauf zurückzuführen, dass Kinder mehrere Jahre die Primarschule besuchen, bevor sie in die nächste Stufe wechseln.
Die Prognosen beziehen sich auf die gesamte Schweiz und sind mit Unsicherheiten verbunden. Das BFS weist insbesondere auf die künftigen Geburtenraten und die Zuwanderung als Faktoren hin, die das Ergebnis verändern könnten. Gemeinden und Kantone müssen daher mit einer veränderlichen Planungsgrundlage arbeiten, wenn sie über Bauvorhaben, Personal und die Verteilung der Bildungsausgaben entscheiden.
Hochschulen bereiten sich auf grössere Jahrgänge vor
Die Hochschulen entwickeln sich in die entgegengesetzte Richtung: Bis 2035 dürften dort 305 000 Studierende eingeschrieben sein. Das Bundesamt für Statistik erwartet, dass die Zahl der Studierenden auf Bachelor- und Masterstufe an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen diesen Stand erreicht. Gegenüber 2026 entspricht dies einem Anstieg um 21 % innerhalb von neun Jahren.
Das BFS nennt zwei Hauptgründe: das Bevölkerungswachstum und eine Zunahme der internationalen Studierenden. Die Prognose umfasst die vielfältige Schweizer Hochschullandschaft, von den traditionellen Universitäten bis zu den Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Sie deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Studienplätzen anhalten wird, auch nachdem die Zahl der Primarschulkinder zu sinken beginnt.
Dieses Wachstum wird Hochschulstandorte, Wohnungsmärkte und Verkehrsnetze in Universitätsstädten prägen. Es wirkt sich auch auf den Bedarf an Dozierenden, Laboren, Studierendenservices und Praktikumsplätzen aus. Die Schweizer Fachhochschulen und das duale Berufsbildungssystem bleiben wichtige Wege in die Berufswelt, während die Universitäten weiterhin Studierende aus dem Ausland anziehen.
Die Zahlen werfen auch Fragen zum Arbeitsmarkt auf. Die vom BFS im August durchgeführte Erhebung zur Situation der Hochschulabsolventinnen und -absolventen zeigte, dass die Arbeitslosigkeit unter ihnen zwischen 2023 und 2025 deutlich zunahm. Eine Ausnahme bildeten die Pädagogischen Hochschulen. Mit steigenden Studierendenzahlen wird es deshalb noch wichtiger, wie die Hochschulen Qualifikationen mit Arbeitsplätzen verbinden.
Berufsbildung wächst weiter
Auch die Berufsbildung und die Allgemeinbildung werden wachsen, wenn die Jahrgänge das Bildungssystem durchlaufen. Das Bundesamt für Statistik prognostiziert bis 2035 einen Anstieg um 10 % bei der beruflichen Grundbildung und um 12 % bei den allgemeinbildenden Ausbildungsgängen. Die höhere Berufsbildung dürfte um 17 % wachsen und an den höheren Fachschulen 41 300 Studierende erreichen.
Diese Prognosen sind in einem Land von Bedeutung, in dem Bildungswege eng mit den regionalen Arbeitsmärkten verknüpft sind. Viele junge Menschen beginnen nach der obligatorischen Schulzeit eine Berufslehre, während andere eine allgemeinbildende Ausbildung fortsetzen oder höhere Berufsqualifikationen erwerben. Das erwartete Wachstum in diesen Bildungswegen deutet darauf hin, dass der demografische Wandel die Nachfrage im Bildungssystem nicht gleichmässig verringern wird.
Auf der Sekundarstufe I wird zunächst ein moderates Wachstum erwartet, bevor ab 2033 ein Rückgang einsetzt. Dieser zeitliche Verlauf gibt den Kantonen und Schulen mehrere Jahre, um Veränderungen bei den Schülerzahlen, der Nachfrage nach Lehrstellen und den Übergängen in die Sekundarstufe II zu bewältigen.
Die Schweizer Bildungsstruktur ermöglicht es den Lernenden auch, ihre Richtung zu ändern. Eine junge Person kann eine Lehre beginnen und später eine höhere Berufsbildung oder ein Studium an einer Fachhochschule absolvieren. Die Prognose beschreibt daher eine Verschiebung der Nachfrage zwischen Altersgruppen und Qualifikationen und keinen allgemeinen Rückgang im ganzen Land.
Kantone planen für unterschiedliche Entwicklungen der Nachfrage
Die Kantone müssen gleichzeitig zwei unterschiedlichen Herausforderungen im Bildungsbereich begegnen. Primarschulen werden künftig weniger Plätze benötigen, während sich Universitäten und Einrichtungen der höheren Bildung auf mehr Studierende einstellen. Der Übergang wird sich über mehrere Jahre erstrecken, wobei die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf der Sekundarstufe I voraussichtlich bis in die frühen 2030er-Jahre weiter zunimmt.
Schulgebäude, Personal und Budgets gehören zu den Bereichen, die am unmittelbarsten betroffen sind. Eine Gemeinde mit sinkenden Schülerzahlen muss möglicherweise Ausbaupläne oder die Nutzung bestehender Schulzimmer überdenken. Universitätsstädte stehen vor anderen Herausforderungen, darunter Wohnraum, öffentlicher Verkehr sowie Kapazitäten für Lehre und Forschung. Die Zuwanderung könnte das Ausmass beider Herausforderungen verändern. Deshalb hat das BFS seine Szenarien mit Vorbehalten versehen.
Der Arbeitsmarkt bringt eine weitere Dimension ins Spiel. Die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventinnen und -absolventen nahm zwischen 2023 und 2025 zu, obwohl die Zahl der Studierenden weiter stieg. Eine Ausnahme bildeten die Pädagogischen Hochschulen. Dieses Ergebnis könnte für die Einschätzung des künftigen Personalbedarfs an Schulen in der Schweiz von Bedeutung sein.
Im kommenden Jahrzehnt wird sich zeigen, wie gut die Schweiz demografische Prognosen mit der Bildungspolitik verknüpfen kann. Die Zahlen geben eine nationale Richtung vor. Die Umsetzung hängt jedoch von den Entscheiden der Kantone, der Bevölkerungsentwicklung vor Ort und der Fähigkeit der Bildungsinstitutionen ab, auf die Jahrgänge zu reagieren, während diese das Bildungssystem durchlaufen.