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Swiss Observer

Die Schweiz bleibt eines der besten Länder der Welt für Rentnerinnen und Rentner

Die Schweiz belegt im Global Retirement Index 2026 den vierten Platz, obwohl sie gegenüber dem Vorjahr einen Rang eingebüsst hat. Besonders stark schneidet das Land bei Gesundheit und Lebenserwartung ab, während tiefe Renditen auf Ersparnisse das Ranking bei den Finanzen im Ruhestand belasten.

Die Schweiz bleibt eines der besten Länder der Welt für Rentnerinnen und Rentner
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz bleibt in einem globalen Ruhestandsranking auf dem vierten Platz, behält damit ihre Position unter den stärksten Zielländern für ältere Menschen, rutscht aber gegenüber dem Vorjahr um eine Stelle ab. Norwegen führt den Global Retirement Index 2026 an, gefolgt von Irland und den Niederlanden. Die Schweiz hatte dasselbe Ranking im Jahr 2024 angeführt.

Natixis Investment Management bewertete 44 Länder in vier Bereichen: Finanzen im Ruhestand, materielles Wohlergehen, Gesundheit und Lebensqualität. Das Ergebnis verschafft der Schweiz eine starke internationale Stellung, legt aber auch den Druck offen, dem Haushalte vor der Pensionierung ausgesetzt sind.

Das Ranking ist über reine Lebensstilvergleiche hinaus von Bedeutung. Das Schweizer Vorsorgesystem verbindet staatliche Leistungen, berufliche Vorsorge und private Ersparnisse, weshalb die Anlagebedingungen ein zentraler Bestandteil der Altersvorsorge sind. Ein sorgenfreier Ruhestand hängt von der Entwicklung jeder dieser Säulen ab, ebenso von den Wohnkosten, dem Gesundheitswesen und der Inflation.

Für die Schweizer Resultate stützte sich Natixis auf Antworten von 400 privaten Anlegerinnen und Anlegern sowie 150 Finanzberaterinnen und Finanzberatern. Die Bewertung platziert das Land insgesamt nahe an der Spitze, zeigt aber auch, dass starke Gesundheitsversorgung und hohe Lebenserwartung finanzielle Verwundbarkeiten nicht beseitigen. Die Befunde fallen in eine Zeit, in der alternde Bevölkerungen, öffentliche Verschuldung und hartnäckige Inflation die Vorsorgesysteme in den Industrieländern unter Druck setzen.

Längeres Leben stärkt die Gesundheitsbewertung der Schweiz

Die Schweiz belegte bei der Gesundheit den zweiten Platz, und die Studie bezeichnete das Land als stärksten Vertreter im Index bei der Lebenserwartung. Dieses Ergebnis spiegelt einen der deutlichsten Vorteile des Älterwerdens in der Schweiz: Die Menschen können mit einem längeren Leben rechnen, unterstützt durch ein Gesundheitssystem, das ein bedeutendes nationales Gut bleibt.

Das Gesundheitsranking misst nicht nur die medizinische Behandlung. Es ist Teil einer breiteren Beurteilung, wie gut Länder Menschen im späteren Leben unterstützen. Eine längere Lebenszeit kann das Erleben des Ruhestands verbessern, verlängert aber auch die Zeitspanne, die Renten und Ersparnisse abdecken müssen.

Eine Untersuchung von Forschenden in Luzern, über die Swissinfo im Juli 2026 berichtete, warnte, dass steigende Lebenserwartung das Risiko erhöht, dass persönliche Ersparnisse im Alter aufgebraucht werden. Diese Sorge verleiht dem Gesundheitsergebnis des Index eine finanzielle Dimension. Mehr Jahre im Ruhestand können grössere Reserven, flexiblere Arbeitsmodelle oder höhere Rentenleistungen erfordern.

Die hohe Lebenserwartung in der Schweiz bringt deshalb sowohl Sicherheit als auch planerische Anforderungen mit sich. Sie beeinflusst den Zeitpunkt der Pensionierung, die Dauer der Zahlungen aus der beruflichen Vorsorge und die Kosten der Gesundheitsversorgung. Für Politik und Haushalte verlangen längere Leben Vorsorgelösungen, die weit über das traditionelle Rentenalter hinaus verlässlich bleiben.

Tiefe Renditen zeigen die Grenzen des reinen Sparens auf

Die Schweiz belegte bei den Finanzen im Ruhestand den dritten Platz, doch tiefe Renditen auf Ersparnisse drückten die Bewertung. Das Ergebnis unterstreicht eine vertraute Sorge schweizerischer Sparerinnen und Sparer: Ein gut entwickeltes Finanzsystem garantiert nicht, dass Bargeld und konservative Anlagen über einen Ruhestand, der Jahrzehnte dauern kann, genügend Ertrag abwerfen.

Die Vorsorgestruktur des Landes verteilt die Verantwortung auf mehrere Säulen. Die staatliche Altersvorsorge bildet eine Grundsicherung, die berufliche Vorsorge verknüpft das Renteneinkommen mit Erwerbstätigkeit und Lohn, und private Ersparnisse schliessen einen Teil der Lücke. Das System gilt grundsätzlich auch für Schweizer Bürgerinnen und Bürger im Ausland, wobei Ausnahmen und administrative Anforderungen Beiträge und Zahlungen beeinflussen können.

Tiefe Zinsen auf Ersparnisse können die Kaufkraft von Geld schwächen, das ausserhalb der Anlagemärkte gehalten wird. Die Inflation erhöht den Druck zusätzlich, indem sie die Kosten für Wohnen, Nahrung, Energie und Gesundheitsversorgung steigen lässt. Der Index deutet nicht darauf hin, dass Schweizer Rentnerinnen und Rentner einheitlich mit Not konfrontiert sind, zeigt aber, weshalb die Vorbereitung auf den Ruhestand nicht auf eine einzige Einkommensquelle setzen kann.

Natixis weist ausserdem auf die Bedeutung einer Politik hin, die den Zugang zu Vorsorgelösungen erweitert und langfristiges Sparen fördert. Einzelpersonen tragen weiterhin Verantwortung dafür, ihre Vorsorgeausweise zu prüfen, die Leistungen der beruflichen Vorsorge zu verstehen und Reserven aufzubauen, die auf ihre erwartete Ruhestandsphase zugeschnitten sind. Diese Entscheide sind besonders für Menschen mit unterbrochenen Erwerbslaufbahnen, Teilzeitarbeit oder Aufenthalten im Ausland wichtig.

Lebensqualität zieht Rentnerinnen und Rentner weiterhin an

Die Schweiz belegte bei der Lebensqualität den achten Platz, ein beachtliches Ergebnis, das die Landschaft, die öffentlichen Dienstleistungen und das Gesundheitswesen des Landes widerspiegelt. Tiefe Steuern, attraktive Landschaften und Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung gehören laut der Hintergrundberichterstattung von Swissinfo weiterhin zu den Gründen, weshalb Menschen die Schweiz für den Ruhestand wählen.

Das Ergebnis zeigt zudem, dass Lebensqualität nur ein Teil der Rechnung für den Ruhestand ist. Eine Person kann von sicheren Wohngemeinden, verlässlichen Verkehrsverbindungen und der Nähe zur Natur profitieren und dennoch mit hohen Lebenshaltungskosten oder unsicherem Einkommen konfrontiert sein. Die Bedingungen können zwischen städtischen Zentren, kleineren Städten und Bergregionen stark variieren, auch wenn der Index ein nationales Ergebnis ausweist.

Für Rentnerinnen und Rentner, die von festen oder vorhersehbaren Einkommen abhängen, ist das Wohnen besonders wichtig. Krankenkassenprämien und alltägliche Ausgaben bestimmen ebenfalls, wie weit die Rentenzahlungen reichen. Die Studie liefert keine Aufschlüsselung nach Kantonen, weshalb sie nicht feststellen kann, welche Schweizer Regionen die besten Bedingungen für den Ruhestand bieten. Sie stellt die Vorteile des Lebensstils jedoch neben finanzielle und materielle Kriterien.

Für Menschen, die einen Umzug innerhalb der Schweiz erwägen, umfasst die praktische Rechnung mehr als die Landschaft. Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, öffentlichem Verkehr, geeignetem Wohnraum und Gemeinschaftsnetzwerken kann darüber entscheiden, ob eine hohe nationale Lebensqualität in einen gut bewältigbaren Alltag übersetzt werden kann.

Wirtschaftlicher Druck stellt das Ruhestandsmodell auf die Probe

Das materielle Wohlergehen fiel auf den 15. Platz, die schwächste der vier gemeldeten Kategoriepositionen der Schweiz. Natixis führte den Rückgang auf einen sich verschlechternden Arbeitsmarkt, US-Zölle, den starken Schweizer Franken und die Fusion von UBS und Credit Suisse zurück. Diese Faktoren betreffen das wirtschaftliche Umfeld, das Beschäftigung, Ersparnisse und das Vertrauen in die Altersvorsorge stützt.

Das materielle Ergebnis hilft zu erklären, weshalb die Schweiz insgesamt trotz führender Leistungen bei der Langlebigkeit auf den vierten Platz zurückfiel. Die Sicherheit im Ruhestand hängt von mehr ab als der Anzahl Lebensjahre oder der Qualität der Spitäler. Sie hängt auch davon ab, ob Einkommen, Ersparnisse und öffentliche Finanzen wirtschaftlichen Schocks standhalten können.

Die Autorinnen und Autoren der Studie warnen, dass die finanzielle Sicherheit im Ruhestand weltweit zunehmend unter Druck gerät. Die rasche Alterung der Bevölkerung erhöht die Zahl der Rentnerinnen und Rentner im Verhältnis zu den Erwerbstätigen. Rekordhohe öffentliche Schulden begrenzen den Spielraum der Regierungen zu reagieren, während hartnäckige Inflation den realen Wert fester Einkommen und Ersparnisse mindert.

Die Schweiz tritt in diese Debatte aus einer starken Position ein, doch das Ranking bietet keine Garantie. Ihr vierter Platz spiegelt ein Gleichgewicht von Vorteilen und Schwächen wider. Politische Entscheidungsträger müssen die Kosten der Langlebigkeit im Auge behalten und das Vertrauen in das Vorsorgesystem aufrechterhalten. Haushalte brauchen klare Informationen über ihre künftigen Leistungen und die Ersparnisse, die nötig sind, um einen Ruhestand zu tragen, der viele Jahre dauern kann.