Gesundheit
Verspätete Grippeimpfstoff-Lieferungen rücken die Winterversorgung der Schweiz in den Fokus
Bei fast der Hälfte der in der Schweiz für die Saison 2026/27 bestellten Grippeimpfstoffe kommt es zu Lieferverzögerungen. Damit ist ungewiss, ob die Lieferungen eintreffen, bevor die Nachfrage im Winter ihren Höhepunkt erreicht.

Bei rund 40% der in der Schweiz bestellten Grippeimpfstoffdosen kommt es vor der Saison 2026/2027 zu Lieferverzögerungen. Dadurch wird der Zeitpunkt des Impfschutzes für den Winter stärker in den Fokus gerückt. Das Bundesamt für Gesundheit bestätigte, dass bestimmte Chargen verspätet eintreffen werden. Zugleich erklärte es, dass in der Schweiz kein allgemeiner Impfstoffmangel drohe.
Die Versorgungslage bleibt geteilt. Das BAG erwartet, dass 60% der bestellten Dosen pünktlich eintreffen. Die Hersteller haben zudem angegeben, dass genügend Impfstoff für Menschen mit dem grössten Influenza-Risiko verfügbar sein sollte, darunter ältere Erwachsene, die eine Hochdosisformulierung benötigen.
Bei der Unsicherheit geht es ebenso sehr um den Zeitpunkt wie um die Menge. Die Schweizer Gesundheitsbehörden empfehlen die Impfung im November, da der Impfschutz etwa zwei Wochen braucht, um sich aufzubauen. Die Influenza-Aktivität erreicht üblicherweise zwischen Dezember und Februar ihren Höhepunkt. Damit bleibt den Menschen nur ein begrenztes Zeitfenster, um vor der Zunahme der Infektionen einen Termin zu vereinbaren.
Apotheken, Arztpraxen und Impfzentren müssen ihre Termine daher auf die eintreffenden Lieferungen abstimmen. Das BAG hat nicht gesagt, dass Menschen keinen Zugang zur Impfung haben werden. Es räumte ein, dass einige verspätete Chargen möglicherweise so spät eintreffen, dass ihr Schutz nicht mit dem Höhepunkt der Nachfrage zusammenfällt.
Priorisierte Gruppen haben die verlässlichste Versorgung
Fast zwei der vier für die Schweiz bestellten Grippeimpfstoffe sind von Lieferverzögerungen betroffen, wie das BAG bestätigte. Die Zahl bezieht sich auf Impfstoffprodukte. Das Bundesamt schätzt jedoch, dass die verspäteten Chargen rund 40% der insgesamt bestellten Dosen ausmachen.
Diese Unterscheidung ist für Patientinnen und Patienten sowie für Gesundheitsfachpersonen wichtig. Ein verspätetes Produkt bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle Impftermine abgesagt werden. Die übrigen Produkte werden weiterhin termingerecht in der Schweiz eintreffen, und die Hersteller erwarten, dass die Lieferungen für die von den Gesundheitsbehörden priorisierten Gruppen ausreichen.
Besonders verlässlich dürfte die Verfügbarkeit des Hochdosisimpfstoffs für Menschen im Alter von 75 Jahren und älter sein. Das BAG rechnet auch mit ausreichenden Lieferungen für Risikopersonen im Alter von 65 Jahren und älter. Diese Gruppen haben ein höheres Risiko für schwere Influenza-Komplikationen, weshalb ein frühzeitiger Zugang bei der Planung besonders wichtig ist.
Auch für die übrige Bevölkerung wird mit einer Verfügbarkeit gerechnet. Das BAG hat jedoch noch nicht bestätigt, ob alle verspäteten Chargen früh genug eintreffen, um während des günstigsten Zeitraums der Saison Schutz zu bieten. Wer sich impfen lassen möchte, sollte sich vor der Buchung bei der Ärztin oder dem Arzt, in der Apotheke oder beim örtlichen Impfzentrum erkundigen, insbesondere wenn eine bestimmte Formulierung benötigt wird.
Späte Entscheidungen zu Virusstämmen wirken sich auf die Produktion aus
Die späte Festlegung der Zusammensetzung des saisonalen Impfstoffs durch die Weltgesundheitsorganisation trug dazu bei, dass sich die Produktionspläne verzögerten, sagt Enea Martinelli, Vizepräsident des Dachverbands PharmaSuisse. Die Hersteller müssen den Impfstoff jedes Jahr neu zusammensetzen, damit er den Influenzaviren entspricht, die voraussichtlich im kommenden Winter zirkulieren werden.
Der Prozess stützt sich auf die Überwachung in Regionen, in denen die Grippesaison früher beginnt, darunter Länder der südlichen Hemisphäre und Teile Asiens. Fachleute analysieren die zirkulierenden Virusstämme und bestimmen anhand dieser Informationen, welche Bestandteile in den nächsten Impfstoff aufgenommen werden sollen. Die Produktion kann erst weitergehen, wenn diese Entscheidungen getroffen sind.
Martinelli sagte, die Weltgesundheitsorganisation habe die Zusammensetzung «relativ spät im Jahr» festgelegt. Dies habe zu den Verzögerungen beigetragen, von denen die Lieferungen in die Schweiz nun betroffen sind. Derselbe Produktionsdruck ist auch in anderen europäischen Ländern spürbar. Die Schweizer Vertriebsunternehmen sind somit Teil einer grösseren regionalen Lieferkette und nicht mit einem isolierten inländischen Problem konfrontiert.
Der jährliche Herstellungszyklus lässt wenig Spielraum für Störungen. Sobald die Zusammensetzung des Impfstoffs feststeht, müssen die Hersteller die Chargen produzieren, prüfen und verteilen, bevor Apotheken und Arztpraxen mit breit angelegten saisonalen Impfkampagnen beginnen können. Eine späte Entscheidung zu Beginn dieser Kette kann sich noch Monate später auf Impftermine auswirken.
Impftermine im November stehen in Konkurrenz zum Saisonbeginn
Der November bleibt in der Schweiz der empfohlene Impfmonat, da der Körper nach der Impfung im Allgemeinen ungefähr zwei Wochen benötigt, um eine Immunität aufzubauen. Der Zeitpunkt soll sicherstellen, dass der Impfschutz besteht, bevor die Influenza-Aktivität üblicherweise zwischen Dezember und Februar ihren Höhepunkt erreicht.
Dieser Zeitplan hängt sowohl von der Versorgung als auch vom Verlauf der Viren ab. Die Grippesaison kann früher beginnen, wie die Schweiz 2025 erlebt hat, als sich Infektionen früher als im üblichen Winterverlauf ausbreiteten. Eine frühe Zirkulation würde das Zeitfenster für Menschen verkleinern, die auf eine verspätete Charge warten.
Das BAG geht davon aus, dass Impfstoff für die allgemeine Bevölkerung verfügbar sein wird. Es hat jedoch nicht geklärt, ob alle verspäteten Dosen innerhalb des Zeitraums eintreffen, der den saisonalen Schutz am besten gewährleistet. Menschen mit hohem Risiko sollten den Rat ihrer Gesundheitsfachperson befolgen und sich erkundigen, wann der passende Impfstoff verfügbar ist.
Für alle anderen gilt es, die lokale Versorgung im Auge zu behalten, statt davon auszugehen, dass jede Apotheke oder Arztpraxis jedes Produkt gleichzeitig erhält. Die Leistungserbringer verfügen über die aktuellsten Informationen zu Lagerbeständen, Terminen und Alternativen, die für die jeweilige Alters- oder Risikogruppe zugelassen sind.
Anbieter bereiten sich auf eine genauere Beobachtung der Lieferungen vor
Das BAG erwartet genügend Dosen für Menschen mit dem höchsten Risiko. Damit verfügt die Schweiz über eine klare Priorisierung, während die Vertriebsunternehmen auf verspätete Lieferungen warten. Der Hochdosisimpfstoff für Menschen ab 75 Jahren dürfte rechtzeitig verfügbar sein, ebenso wie Impfstoff für Risikopersonen ab 65 Jahren.
Laut dem Bundesamt für Gesundheit sollte auch die übrige Bevölkerung Zugang zu einer Impfung haben. Ungeklärt ist, ob einige Chargen früh genug eintreffen, um vor den intensivsten Wochen der Saison einen maximalen Schutz zu bieten. Apotheken, Arztpraxen und kantonale Gesundheitsdienste werden diese Unsicherheit bei der Organisation ihrer Impfkampagnen beobachten.
In den vorliegenden Informationen wurden weder kantonsspezifische Engpässe noch Zahlen zur regionalen Verteilung genannt. Die verfügbaren Hinweise deuten auf ein nationales Problem mit dem Lieferzeitplan infolge des Zeitpunkts der Produktion hin, nicht auf einen bestätigten landesweiten Mangel an Impfstoff.
Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz können den Druck in letzter Minute verringern, indem sie sich im November an ihre übliche Anlaufstelle wenden und abklären, welche Formulierung vorrätig ist. Ältere Menschen und Personen mit gesundheitlichen Problemen sollten sich frühzeitig beraten lassen, insbesondere wenn ihre Anlaufstelle mit einer verspäteten Lieferung rechnet. Der nächste wichtige Hinweis wird sein, ob die Hersteller den angepassten Lieferzeitplan einhalten, bevor die Influenza-Aktivität ihren üblichen Anstieg im Winter beginnt.