Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Schweizer Handelsbeamtin: Geschenke an Trump waren für das amerikanische Volk bestimmt

Die oberste Schweizer Handelsbeamtin sagt, Luxusgeschenke, die Schweizer Wirtschaftsführer Donald Trump während der Zollverhandlungen überreichten, seien für das amerikanische Volk und nicht persönlich für den Präsidenten bestimmt gewesen. Die Rolex-Tischuhr und der gravierte Goldbarren hatten einen Wert von rund CHF 100'000 und wurden im Weissen Haus registriert.

Schweizer Handelsbeamtin: Geschenke an Trump waren für das amerikanische Volk bestimmt
AISWI swissinfo.ch

Ein Geschenkpaket im Wert von CHF 100'000 ist Teil der anhaltenden Debatte in der Schweiz darüber geworden, wie mit Washington umzugehen ist. Schweizer Wirtschaftsführer überreichten US-Präsident Donald Trump bei einem Besuch im November 2025, bei dem es um Zölle ging, eine Rolex-Tischuhr und einen gravierten Goldbarren. Helene Budliger Artieda, Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), sagte, die Gegenstände seien für das amerikanische Volk und nicht persönlich für Trump bestimmt gewesen.

Am Rande eines Wirtschaftsforums in Neu-Delhi sagte die scheidende Staatssekretärin gegenüber Bloomberg TV, die Reise sei eine Initiative des Privatsektors gewesen. Die Geschenke seien im Weissen Haus registriert worden und könnten später in einer Präsidentenbibliothek ausgestellt werden.

Der Vorfall zieht weiterhin Aufmerksamkeit auf sich, weil dabei ein hoher Wert, direkter Zugang zum US-Präsidenten und Verhandlungen über Schweizer Exporte zusammenkamen. Zur Delegation gehörten Partners-Group-Mitgründer Alfred Gantner, Rolex-CEO Jean-Frédéric Dufour und Richemont-Präsident Johann Rupert. Ihr Treffen fand in einer Zeit grosser Unsicherheit für Schweizer Unternehmen statt, die auf dem US-Markt verkaufen.

Budliger Artieda sagte, die Teilnehmenden seien seriöse Geschäftsleute, die vor der Reise die Rechtslage geprüft hätten. Ihre Äusserungen kommen zu einem Zeitpunkt, da die Schweizer Behörden mit einer parlamentarischen Überprüfung des Umgangs mit dem Zollstreit konfrontiert sind.

Die rechtlichen Abklärungen verfolgen

Die Registrierung im Weissen Haus steht im Zentrum der Schweizer Erklärung. Budliger Artieda sagte, die Geschenke seien «ordnungsgemäss registriert» und würden, wenn das Verfahren wie erwartet verlaufe, in einer Präsidentenbibliothek landen. Damit würden die Gegenstände Teil einer institutionellen Sammlung und nicht persönlicher Besitz Trumps.

Die Aussage geht auf eines der unmittelbaren Bedenken in der Schweiz ein: Könnte ein teures Geschenk an einen ausländischen Amtsträger rechtliche oder ethische Probleme verursachen? Budliger Artieda sagte, sie sei überzeugt, dass die Übergabe mit dem Gesetz vereinbar gewesen sei. Eine separate Untersuchung des Bundes kündigte sie nicht an und machte keine Angaben zu den rechtlichen Abklärungen der Wirtschaftsdelegation.

Das Schweizer Strafgesetzbuch und die Vorschriften über Geschenke an Amtsträger haben bereits öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Swissinfo untersuchte im Dezember 2025 die Frage der Bestechung, nachdem der Besuch im Weissen Haus bekannt geworden war. Das Thema bleibt politisch heikel, weil die Geschenke überreicht wurden, während Wirtschaftsführer eine Entlastung von den US-Zöllen anstrebten.

Laut SECO kam die Delegation aus dem Privatsektor. Die Rolle der Bundesverwaltung und ihr Umgang mit der umfassenderen Zollmission werden nun von der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats überprüft. Ein Bericht wird bis Ende 2026 erwartet.

Die Entlastung durch tiefere Zölle beziffern

Der Zollsatz auf Schweizer Exporte sank nach der Vereinbarung vom November 2025 von 39% auf 15%. Diese Senkung hat Bern und der Schweizer Industrie eine stabilere Grundlage für den Handel mit den Vereinigten Staaten verschafft, auch wenn die beiden Regierungen noch kein rechtsverbindliches Abkommen abgeschlossen haben.

Budliger Artieda sagte, die Vereinigten Staaten hätten sich seit Bekanntgabe der Senkung an die Vereinbarung gehalten. Für Unternehmen in Branchen wie Pharma, Maschinenbau, Uhren und Luxusgüter senkt der tiefere Satz die unmittelbaren Kosten für den Zugang zum US-Markt. Die Quelle führt die Zolländerung weder auf die Geschenke noch auf ein bestimmtes Treffen zurück.

Die Verhandlungen folgten auf Trumps Ankündigung der sogenannten «Liberation Day»-Zölle im April 2025. Dieser Schritt löste in den Schweizer Exportbranchen Unsicherheit aus und veranlasste Wirtschaftsführer, direkte Gespräche in Washington zu suchen. Die Präsenz der Delegation im Weissen Haus spiegelte die grosse Besorgnis von Unternehmen wider, deren Wettbewerbsfähigkeit von einem verlässlichen Zugang zum amerikanischen Markt abhängt.

Budliger Artieda sagte, die Schweiz strebe nun Gewissheit und «ruhigere Gewässer» in ihren Handelsbeziehungen mit Washington an. Sie warnte, die anhaltende Volatilität erschwere die Bedingungen für Schweizer Exporteure. Der tiefere Zollsatz bringt Entlastung, während das Fehlen eines endgültigen, verbindlichen Abkommens weiteren Verhandlungen Raum lässt.

Die Wirtschaftsdelegation im Blick behalten

Drei prominente Wirtschaftsvertreter verliehen dem Besuch im Weissen Haus ein klar schweizerisches Unternehmensprofil. Alfred Gantner, Mitgründer der Private-Markets-Investmentfirma Partners Group, begleitete Rolex-CEO Jean-Frédéric Dufour und Richemont-Präsident Johann Rupert in der Delegation. Ihre Teilnahme unterstrich die direkte Beteiligung grosser Unternehmen an den Bemühungen, US-Handelshemmnisse abzubauen.

Für die Schweiz hat die Wirtschaftsdiplomatie oft besonderes Gewicht. Das Land ist stark auf internationale Märkte angewiesen, während seine grössten Unternehmen über globale Lieferketten tätig sind und von grenzüberschreitend einheitlichen Regeln abhängen. Eine Zollverhandlung kann sich deshalb auf Investitionsentscheide, Produktionsplanung und den Preis Schweizer Waren in den Vereinigten Staaten auswirken.

Die Geschenke haben die öffentliche Debatte verkompliziert, weil sie in einer Wirtschaftsmission eine Protokollfrage aufwarfen. Budliger Artieda betonte, die Initiative sei vom Privatsektor ausgegangen und die Teilnehmenden hätten sich rechtlich beraten lassen. Ihre Äusserungen verteidigen das Vorgehen der Delegation, lassen aber die politische Debatte über Zugang, Einfluss und Transparenz offen.

Die Untersuchung durch die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats wird die nächste formelle Prüfung des Umgangs der Regierung mit dem Vorfall sein. Ihre Ergebnisse dürften klären, wie Bundesbeamte mit der Wirtschaftsdelegation zusammenarbeiteten und wie die Zollverhandlungen geführt wurden.

Das nächste Handelsabkommen sichern

Die Handelsbeziehungen der Schweiz mit den Vereinigten Staaten sind trotz der Senkung des Zollsatzes um 24 Prozentpunkte weiterhin ungeklärt. Budliger Artieda, die ihren Rücktritt eingereicht hat und ihr Amt Ende März 2027 abgeben soll, sagte, die Gespräche über ein rechtsverbindliches Abkommen liefen weiter.

Ihre Einschätzung ist vorsichtig. Die derzeitige Vereinbarung hat zu tieferen Zöllen geführt, und laut SECO halten sich die USA seit November 2025 daran. Schweizer Exporteure wollen weiterhin Regeln, die politischen Veränderungen in Washington standhalten und einen verlässlichen Rahmen für langfristige Verträge bieten. Diese Sorge geht über die im Weissen Haus vertretenen Unternehmen hinaus. Sie betrifft Beschäftigte, Zulieferer und kleinere Unternehmen, die mit Exportbranchen im ganzen Land verbunden sind.

Die Kontroverse um die Geschenke wird neben diesen Verhandlungen weitergehen. Die Registrierung im Weissen Haus und eine mögliche spätere Ausstellung in einer Präsidentenbibliothek stützen die Schweizer Darstellung, dass es sich um Geschenke für die Öffentlichkeit handelte. Die Geschäftsprüfungskommission wird das Vorgehen der Bundesbehörden prüfen, während die rechtliche Debatte über wertvolle Geschenke an ausländische Amtsträger Teil der breiteren öffentlichen Auseinandersetzung bleibt.

Für Bern hat Stabilität oberste Priorität. Die tieferen Zölle haben den Druck gemildert, aber erst ein abgeschlossenes Abkommen kann Schweizer Exporteuren die Gewissheit geben, die laut der scheidenden SECO-Chefin nötig ist.