Landwirtschaft
Schweizer Milchproduzenten fordern Preiserhöhung auf einen Franken pro Liter
Schweizer Milchbauern fordern einen Mindestpreis von einem Franken pro Liter Milch. Damit machen sie auf den wirtschaftlichen Druck in der Landwirtschaft angesichts steigender Produktionskosten aufmerksam.

Die Schweizer Milchwirtschaft steht am Abgrund, und die Produzenten haben nun endlich eine klare Grenze gezogen. In einem mutigen Schritt, der den Status quo infrage stellt, haben sich Zürcher Milchproduzenten zusammengeschlossen und fordern einen nicht verhandelbaren Mindestpreis von einem Franken pro Liter. Die aktuelle Lage ist hart und unnachgiebig: Die Bauern erhalten für jeden verkauften Liter gerade einmal 70 Rappen. Dieser Betrag deckt nicht einmal die grundlegenden Produktionskosten.
Es geht nicht bloss um eine Forderung, sondern um einen Kampf ums Überleben. Während Konsumentinnen und Konsumenten an der Supermarktkasse zwischen 1.50 und 2 Franken bezahlen, bleibt denjenigen, die das Produkt herstellen, kaum etwas. Noch stossender wirkt der Unterschied im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen, die fast 3 Franken kosten. Der neu gegründete Verband bezeichnet die aktuelle Auszahlung von 70 Rappen als «inakzeptabel». Hart arbeitende Bauern seien dadurch gezwungen, sich vollständig auf Subventionen zu stützen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Die Botschaft ist klar: Die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Milchproduktion ist aus dem Gleichgewicht geraten. Ohne eine sofortige Preisanpassung auf einen Franken droht das Rückgrat der Schweizer Landwirtschaft unter dem Druck zu brechen.
Eine Branche im freien Fall
Die Zahlen zeichnen ein verheerendes Bild einer Branche, die rapide schrumpft. Zwischen 2008 und 2022 ging die Zahl der Schweizer Milchbetriebe um erschreckende 35 Prozent zurück. Das ist keine langsame Erosion, sondern ein Erdrutsch. Jeder Hof, der schliesst, bedeutet einen Verlust an Tradition, lokaler Produktionskapazität und wirtschaftlicher Stabilität für die ländliche Schweiz.
Die Bauern stecken derzeit in einem aussichtslosen Kampf: Die Produktionskosten liegen bei rund einem Franken pro Liter, während der Markt nur 70 Rappen abwirft. Dieses Defizit von 30 Rappen bedeutet, dass die Bauern mit jedem abgefüllten Liter effektiv Geld verlieren. Sie überleben nur dank der staatlichen Subventionen. Dieses nicht nachhaltige Wirtschaftsmodell zermürbt die Branche. Werden nicht sofort Massnahmen ergriffen, um die Lücke zu schliessen, wird die Abwanderung der Bauern ungebremst weitergehen und die Schweizer Landschaft dauerhaft verändern. Der Rückgang um 35 Prozent ist ein schriller Warnruf: Die aktuelle Finanzstruktur der Milchwirtschaft ist grundsätzlich nicht tragfähig.
Die drohende Importabhängigkeit
Die Schweiz, weltweit bekannt für ihre Milchwirtschaft, steht vor einem undenkbaren Szenario: Sie könnte künftig Milch importieren müssen, um ihre Bevölkerung zu versorgen. Der Präsident der Schweizer Milchproduzenten hat eindringlich gewarnt, dass die heimische Produktion den Bedarf nicht mehr decken wird, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt. Der Wandel ist dramatisch und alarmierend.
Noch vor 15 Jahren verzeichnete die Schweiz einen komfortablen Milchüberschuss von 15 Prozent. Heute ist dieser Sicherheitspuffer verschwunden. Das Land produziert nur noch geringfügig mehr Milch, als es verbraucht, und steht kurz vor einem Defizit. Mit der Schliessung von Höfen und dem Rückgang der Produktion ist der Puffer aufgebraucht. Die Folgen sind weitreichend, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die nationale Ernährungssicherheit und Identität. Auf Milch aus dem Ausland angewiesen zu sein, wäre ein demütigender Rückschlag für ein Land, das stolz auf seine landwirtschaftliche Unabhängigkeit ist. Die Zeit drängt. Ohne einen Anreiz in Form eines fairen Preises ist der Zusammenbruch der heimischen Lieferkette vorprogrammiert.
Die Fairtrade-Lösung
Um diese Krise abzuwenden, fordert der Verband einen grundlegenden Wandel darin, wie Milch vermarktet und verkauft wird. Er ruft den Detailhandel dazu auf, ein «Fairtrade»-Label für Milch einzuführen, nach dem Vorbild erfolgreicher Modelle für Waren wie Bananen. Dieser Vorschlag legt die Macht und die Verantwortung direkt in die Hände der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten.
Ein solches Label würde für Transparenz sorgen und es den Kundinnen und Kunden ermöglichen, sich bewusst für einen höheren Preis zu entscheiden, damit die lokalen Bauern einen existenzsichernden Lohn erhalten. Es fordert die Detailhandelsriesen dazu auf, die Produzenten nicht länger unter Druck zu setzen, sondern eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Wenn Konsumentinnen und Konsumenten bereit sind, für Hafer- und Mandelmilch Premiumpreise zu bezahlen, sollten sie auch die Möglichkeit erhalten, die lokalen Milchbauern mit einem fairen Preis zu unterstützen. Bei dieser Initiative geht es nicht nur um die Wirtschaft, sondern auch um Solidarität. Wird die Schweizer Bevölkerung ihre Milchwirtschaft retten, oder wird die Nachfrage nach billiger Milch dem Familienbetrieb den letzten Nagel zum Sarg einschlagen?