Schweizer Franken
Schweizer Franken wird als Carry-Trade-Währung attraktiver
Der Schweizer Franken zieht als Finanzierungswährung für Carry Trades zunehmend Aufmerksamkeit auf sich, weil der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank bei null liegt, während die Zinssätze anderswo höher sind. Die Strategie kann Anlegern Erträge bringen, setzt sie jedoch Verlusten aus, falls der Franken an Wert gewinnt.

Der Leitzins von 0 % macht den Franken für ein Geschäft interessant, das lange mit Japan verbunden war. Anleger prüfen die Schweizer Währung als günstigere Finanzierungsquelle, während die Zinssätze in anderen Märkten höher bleiben, wie Keystone-SDA in einem am 21. September 2026 veröffentlichten Bericht schreibt.
Der Carry Trade beruht auf einer einfachen Rechnung. Ein Anleger nimmt einen Kredit in einer Währung mit niedrigen Finanzierungskosten auf, tauscht das Geld um und kauft Vermögenswerte oder Währungen, die eine höhere Rendite bieten. Die Differenz zwischen den Kreditkosten und dem Ertrag der Anlage ergibt den Carry.
Die Position der Schweiz hat die Diskussion am Markt verändert. Der SNB-Leitzins liegt weiterhin bei 0 %, während höhere Zinsen anderswo einen Renditeanreiz bieten. Zudem verfügt der Franken über einen grossen internationalen Swapmarkt, über den Finanzinstitute die für solche Strategien nötigen Kreditpositionen arrangieren und absichern können.
Die Gelegenheit birgt ein klares Währungsrisiko. Anleger, die Franken aufnehmen, müssen die Währung später zurückkaufen, um ihre Kredite zurückzuzahlen. Wertet der Franken während des Geschäfts auf, wird die Rückzahlung teurer. Die im Ausland erzielten Zinsen reichen dann möglicherweise nicht aus, um den Wechselkursverlust auszugleichen, insbesondere bei stark gehebelten Positionen.
Yen-Volatilität öffnet die Tür
Die lange Vorherrschaft des Yen als bevorzugte Finanzierungswährung gerät unter Druck. Japan verfolgte jahrelang eine stark expansive Geldpolitik, wodurch der Yen zu einem zentralen Instrument globaler Carry Trades wurde. Die jüngsten Zinserhöhungen der Bank of Japan haben diesen Vorteil verringert.
Der Bericht verweist zudem auf eine seltene gemeinsame Intervention Japans und der USA zur Stützung des Yen. Ein stärkerer Yen erhöht die Kosten für die Rückzahlung von Yen-Krediten. Das kann Anleger dazu zwingen, ausländische Vermögenswerte zu verkaufen und Positionen rasch zu schliessen. Solche Verkäufe können die Währungsbewegungen an den Märkten verstärken.
Der Franken bietet eine Alternative mit einem anderen Profil. Die Schweiz hat den SNB-Leitzins bei 0 % belassen, und ihre Währung ist tief in die globalen Derivatemärkte integriert. Sollten die japanischen Zinsen weiter steigen, könnten einige Anleger ihre Finanzierungsaktivitäten vom Yen auf den Franken verlagern.
Eine solche Verschiebung würde die Strategie auf eine weitere wichtige Währung ausdehnen, ihre Risiken aber nicht beseitigen. Die Märkte hängen weiterhin von Annahmen zu Wechselkursen, Zinsverläufen und dem Vertrauen der Anleger ab. Ein Geschäft, das bei allmählichen Währungsbewegungen stabil erscheint, lässt sich nur schwer auflösen, wenn sich die Finanzierungskosten ändern oder die Wechselkurse stark bewegen.
Risiko des sicheren Hafens
Der Status des Frankens als sicherer Hafen kann eine Finanzierungsstrategie in einen Wettlauf um die Rückzahlung verwandeln. Anleger, die den Franken als Kreditwährung einsetzen, wetten im Grunde darauf, dass er gegenüber den von ihnen gekauften Vermögenswerten stabil bleibt oder an Wert verliert. Diese Annahme kann sich in geopolitischen Krisen, bei Marktstress oder einer erneuten Nachfrage nach sicheren Währungen als falsch erweisen.
Der Franken zieht traditionell Kapital an, wenn Anleger Sicherheit suchen. In einer Krise könnten Besitzer ausländischer Vermögenswerte, die mit Franken finanziert wurden, ihre Positionen schliessen und Franken kaufen, um ihre Kredite zurückzuzahlen. Diese Käufe können den Franken aufwerten, die Verluste der verbleibenden Carry-Trader vergrössern und weitere erzwungene Ausstiege auslösen.
Diese Rückkopplung wirkt sich auch über einzelne Handelsbücher hinaus aus. Grosse gehebelte Positionen können beim Ausstieg eine geballte Nachfrage nach der Finanzierungswährung erzeugen. Die Erfahrungen mit dem Yen zeigen, wie schnell ein beliebter Carry Trade unter Druck geraten kann, wenn viele Marktteilnehmer gleichzeitig versuchen, ihr Engagement zu reduzieren.
Die Schweizer Währung hat somit zwei Rollen am Markt. Sie kann als kostengünstiges Finanzierungsinstrument dienen, weil der SNB-Leitzins bei 0 % liegt. Gleichzeitig kann sie in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen fungieren, genau dann also, wenn man sich am wenigsten auf eine schwache Finanzierungswährung verlassen kann.
Schweizer Marktinfrastruktur
Das Schweizer Finanzsystem verleiht dem Franken die Reichweite, die er als globale Finanzierungswährung braucht. Der Bericht hebt den international bedeutenden Swapmarkt der Währung hervor, auf dem Institute mithilfe von Derivatkontrakten Zins- und Währungsrisiken austauschen.
Diese Infrastruktur ermöglicht Transaktionen weit über die Schweizer Grenzen hinaus. Vermögensverwalter, Banken und andere Marktteilnehmer können Franken aufnehmen, den Erlös umtauschen und anderswo höhere Renditen anstreben. Die Strategie kann funktionieren, solange der Zinsunterschied günstig bleibt und der Franken nicht deutlich aufwertet.
Eine stärkere Nutzung des Frankens für Carry Trades würde der internationalen Rolle der Währung eine weitere Dimension hinzufügen. Dieselbe Währung trägt das Schweizer Finanzzentrum, dient als sicherer Hafen und zieht nun als kostengünstige Finanzierungsquelle Aufmerksamkeit auf sich. Wenn die Märkte unruhig werden, kann jede dieser Rollen die anderen beeinflussen.
Der unmittelbare Auslöser für eine breitere Nutzung wäre wahrscheinlich eine Kombination aus Zinssätzen und Erwartungen. Weitere Erhöhungen der japanischen Zinsen könnten die Attraktivität des Yen mindern, während die SNB ihren Leitzins bei 0 % belässt. Anleger müssten dennoch das Risiko einpreisen, dass der Ruf des Frankens als defensive Währung zu einer plötzlichen Aufwertung führt.