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Swiss Observer

Roche sichert sich Rechte an experimenteller südkoreanischer Behandlung gegen Fettleibigkeit

Roche-Tochtergesellschaft Genentech hat sich die weltweiten Rechte ausserhalb Südkoreas gesichert, um Hanmi Pharmaceuticals experimentelle Behandlung gegen Fettleibigkeit HM17321 zu entwickeln und zu vermarkten. Die Vereinbarung könnte bis zu 2,3 Milliarden Dollar wert sein, obwohl sich das Medikament noch in frühen klinischen Studien befindet.

Roche sichert sich Rechte an experimenteller südkoreanischer Behandlung gegen Fettleibigkeit
AISWI swissinfo.ch

Roche hat sich verpflichtet, bis zu 2,3 Milliarden Dollar in ein Medikament gegen Fettleibigkeit zu investieren, das sich noch in seinen ersten Studien am Menschen befindet. Über ihre in Kalifornien ansässige Tochtergesellschaft Genentech hat sich der Basler Pharmakonzern die weltweiten Rechte an Hanmi Pharmaceuticals experimenteller Behandlung HM17321 gesichert, ausgenommen Südkorea.

Die Vereinbarung überträgt Genentech die Verantwortung für Entwicklung, Herstellung und Vermarktung ausserhalb des südkoreanischen Marktes. Hanmi erhält zunächst 190 Millionen Dollar. Der restliche Wert hängt von klinischen Ergebnissen, behördlichen Zulassungen und dem späteren kommerziellen Erfolg ab.

Das am 24. August 2026 angekündigte Geschäft verschafft Roche einen Einstieg in eines der wettbewerbsintensivsten Gebiete der Pharmaindustrie. Die Nachfrage nach wirksamen Medikamenten gegen Fettleibigkeit hat umfangreiche Investitionen in Behandlungen ausgelöst, die eine anhaltende Gewichtsabnahme bewirken und die mit Fettleibigkeit verbundenen gesundheitlichen Komplikationen angehen können.

Die Vereinbarung zeigt auch, wie Roche Partnerschaften nutzt, um die eigene Pipeline auszubauen. HM17321 wurde von Hanmi entwickelt, einem südkoreanischen Arzneimittelhersteller. Genentech bringt die Ressourcen und die internationale Infrastruktur mit, die für spätere Studien und eine mögliche weltweite Vermarktung benötigt werden. Südkorea ist von Roches Rechten gemäss der Vereinbarung ausgenommen.

HM17321 muss sich noch in klinischen Studien bewähren

HM17321 hat noch nicht den Entwicklungsstand erreicht, in dem seine Wirksamkeit beurteilt werden kann. Hanmi führt derzeit eine Phase-I-Studie durch. In dieser frühen Entwicklungsphase werden die Sicherheit und das Verhalten der Behandlung im menschlichen Körper untersucht. Hanmi muss diese Studie abschliessen, bevor Genentech die Verantwortung für Phase II und die anschliessenden Studien übernimmt.

Bis dahin stehen noch mehrere wissenschaftliche und kommerzielle Hürden an. In Phase II muss untersucht werden, ob HM17321 eine deutliche Gewichtsabnahme bewirkt und welche Dosis geeignet ist. Spätere Studien müssen die Behandlung an grösseren Patientengruppen testen und die von den Zulassungsbehörden verlangten Nachweise erbringen.

Der behauptete Unterschied des Wirkstoffkandidaten liegt in seinem Wirkmechanismus. Hanmi zufolge unterscheidet er sich von GLP-1-Präparaten, jener Wirkstoffklasse, die den Markt für Medikamente gegen Fettleibigkeit grundlegend verändert hat. Die Behandlung soll die Gewichtsabnahme fördern und gleichzeitig die Muskelmasse erhalten. Das vorliegende Quellenmaterial enthält jedoch keine klinischen Ergebnisse, die diese Wirkung bestätigen.

Für Roche ist die Vereinbarung somit eine Entwicklungswette und kein unmittelbar bevorstehender Produkteintritt. Das Unternehmen muss entscheiden, wie stark es investiert, wenn Ergebnisse aus Hanmis Studie und künftigen Untersuchungen vorliegen.

Der globale Wettbewerb treibt neue Medikamentenkonzepte voran

Die Vereinbarung bringt Roche in eine Reihe mit Unternehmen, die um die nächste Generation von Behandlungen gegen Fettleibigkeit konkurrieren. GLP-1-Medikamente haben ein starkes Marktmodell etabliert. Arzneimittelhersteller suchen jedoch nach Alternativen, die Verträglichkeit, Dosierung, Wirkungsdauer oder die Qualität der Gewichtsabnahme verbessern könnten.

Die von Hanmi angeführte Erhaltung der Muskelmasse betrifft eine der zentralen Fragen bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Fettleibigkeit. Eine Gewichtsabnahme kann die Körperzusammensetzung verändern. Pharmaunternehmen untersuchen deshalb Möglichkeiten, den Fettabbau gezielt zu fördern und gleichzeitig die fettfreie Körpermasse zu erhalten. Die verfügbaren Informationen nennen weder Studienergebnisse noch die Zahl der Teilnehmenden oder das Ausmass einer bei HM17321 beobachteten Wirkung.

Diese Wissenslücken sind relevant, weil mögliche Zahlungen an Roche vom Nachweis der Wirksamkeit abhängen. Vom ausgewiesenen Gesamtwert der Vereinbarung von 2,3 Milliarden Dollar sind lediglich 190 Millionen Dollar als Vorauszahlung angegeben. Der Rest hängt von noch nicht erreichten Meilensteinen ab.

Das Geschäft spiegelt auch den zunehmend internationalen Charakter der pharmazeutischen Forschung wider. Ein südkoreanisches Unternehmen hat den Wirkstoffkandidaten entwickelt, ein Schweizer Konzern hat sich die weltweiten Rechte ausserhalb Südkoreas gesichert, und dessen US-Tochtergesellschaft wird die späteren Entwicklungsarbeiten leiten. Der kommerzielle Erfolg hängt von den Daten, den Zulassungsbehörden und der Fähigkeit ab, sich in einem dicht besetzten globalen Markt zu behaupten.

Die Schweiz wartet auf die Ergebnisse

Für die Schweiz ergänzt die Vereinbarung Roches langfristige Innovationsstrategie um einen weiteren extern entwickelten Wirkstoffkandidaten. Über Genentech erhält das Unternehmen Zugang zu HM17321. Damit verbindet sich Roches Hauptsitz in Basel mit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den USA sowie Hanmis Plattform in Südkorea.

Die unmittelbaren Auswirkungen für die Schweiz sind finanzieller und strategischer, nicht klinischer Natur. HM17321 ist kein zugelassenes Medikament, und die Quelle nennt weder einen Zeitplan für die Markteinführung noch geplante Preise oder Angaben zu den Produktionsstandorten. Patientinnen und Patienten in der Schweiz würden nur dann davon profitieren, wenn der Wirkstoffkandidat die Studien erfolgreich durchläuft, eine Zulassung erhält und auf den Markt kommt.

Die nächsten öffentlich bekannt gegebenen Meilensteine dürften aus Hanmis Phase-I-Programm hervorgehen. Dessen Abschluss wird bestimmen, wann Genentech mit den Arbeiten zu Phase II beginnen kann. Die Ergebnisse dieser Studien werden zeigen, ob sich das behauptete Profil zur Erhaltung der Muskelmasse in einen messbaren Nutzen für Patientinnen und Patienten übersetzen lässt.

Roche hat sich eine Option auf ein vielversprechendes Konzept gesichert, wobei die grössten Zahlungen weiterhin an Bedingungen geknüpft sind. Die Vereinbarung gibt dem Schweizer Unternehmen Zeit, die wissenschaftlichen Grundlagen zu beurteilen, und stimmt die Entwicklungsverantwortung auf den jeweiligen Stand der Datenlage ab.