Schweiz
Protestierende prangern Syngenta wegen Pestizidverschmutzung an
Rund 300 Demonstrierende protestierten vor dem Syngenta-Werk in Monthey gegen mutmassliche Gesundheits- und Umweltrisiken im Zusammenhang mit Pestiziden. Im Rahmen eines internationalen Aktionstags fanden ähnliche Demonstrationen in Basel und anderen Ländern statt.

Am Samstag zogen rund 300 Menschen durch Monthey und trugen ihren Protest vom Bahnhof zum Chemiewerk von Syngenta im Wallis. Die Demonstration war Teil eines internationalen Aktionstags unter dem Motto «Stop Pesticides». Die Organisatoren mobilisierten auch Protestierende in Basel und mehreren anderen Ländern.
Die Aktion rückte einen der grössten agrochemischen Produktionsstandorte der Schweiz ins Zentrum eines Streits über öffentliche Gesundheit, Gewässerschutz und die Verantwortung von Unternehmen. Die Aktivistinnen und Aktivisten erklärten, Pestizide könnten akute Vergiftungen, chronische Erkrankungen und Krebs verursachen. Landwirtschaftliche Arbeitskräfte und ländliche Gemeinschaften seien der höchsten Belastung ausgesetzt.
Ein Journalist von Keystone-ATS zählte die Menschenmenge bei der Kundgebung in Monthey. Es wurde von keiner Auseinandersetzung mit der Polizei oder Mitarbeitenden des Werks berichtet. Im Mittelpunkt stand der Druck auf Syngenta und auf die für die Umweltaufsicht im Wallis zuständigen Behörden.
Das Unternehmen beschäftigt in Monthey rund 900 Personen. Damit ist der Standort ein bedeutender Industriebetrieb im Rhonetal. Syngenta produziert dort Pflanzenschutzmittel und bezeichnet die Anlage als Zentrum für die Herstellung und Industrialisierung dieser Produkte. Der Protest richtete Umweltforderungen somit direkt an einen Arbeitsplatz, den das Unternehmen als zentral für seine Zukunft betrachtet.
Aktivisten fordern Offenlegung und Entschädigung
Transparenz stellten die Aktivistinnen und Aktivisten als ihre erste Forderung in den Vordergrund. Sie forderten Syngenta auf, eine vollständige Liste der im Werk Monthey hergestellten Chemikalien und Produkte zu veröffentlichen. Das Anliegen spiegelt eine breitere Sorge darüber wider, welche Informationen Anwohnerinnen und Anwohner, Gemeinden und Aufsichtsbehörden über industrielle Einleitungen und den Umgang mit Chemikalien in der Nähe besiedelter Gebiete erhalten können.
Die Organisatoren verlangten zudem, dass Syngenta die Herstellung von Substanzen einstellt, die in der Schweiz verboten sind, aber weiterhin für den Export produziert werden. Sie argumentierten, Schweizer Unternehmen sollten keine Produkte für ausländische Märkte herstellen, wenn diese Substanzen im Inland verboten seien. Im Ausgangsmaterial werden weder die betroffenen Produkte genannt noch Angaben zu deren Produktionsmenge gemacht.
Eine dritte Forderung betraf die finanzielle Verantwortung. Die Protestierenden verlangten eine Entschädigung für Umweltschäden gemäss dem Verursacherprinzip. Die Kosten für die Sanierung würden damit der für die Verschmutzung verantwortlichen Partei auferlegt und nicht den Steuerzahlenden oder Gemeinden.
Die Aktivistinnen und Aktivisten warfen Syngenta ausserdem vor, mit rechtlichen Anfechtungen und Einschränkungen des Informationszugangs lokale Behörden daran zu hindern, die Trinkwasserversorgung zu schützen. Syngenta wies diese Vorwürfe in der von Keystone-ATS zitierten Stellungnahme des Unternehmens nicht zurück. Im Zentrum des Streits stehen nun die Verfügbarkeit von Unterlagen, die Auslegung umweltrechtlicher Pflichten und die Kosten für die Aufbereitung betroffener Wasservorräte.
Gewässerschutz prägt den Streit im Wallis
Das Trinkwasser wurde bei der Kundgebung in Monthey zu einem zentralen Streitpunkt. Die Organisatoren erklärten, Syngenta habe die Bemühungen der lokalen Behörden zum Schutz der Wasserversorgung durch rechtliche Anfechtungen und Einschränkungen beim Zugang zu Informationen über chemische Einleitungen in Gewässer behindert. Die Vorwürfe betreffen die konkrete Möglichkeit der Gemeinden, Schadstoffe zu erkennen, Risiken zu bewerten und die Aufbereitung zu planen.
Die Protestierenden forderten zudem, dass der Kanton Wallis Gemeinden mit Kosten für die Wasseraufbereitung entschädigt. Damit verlagert sich ein Teil des Streits vom Werkstor in die Büros der Kantonsregierung. Gemeinden tragen möglicherweise die unmittelbaren Kosten für die Überwachung und Aufbereitung des Wassers, während die Einwohnerinnen und Einwohner von Entscheidungen von Unternehmen und Aufsichtsbehörden ausserhalb ihrer eigenen Gemeinden abhängig sind.
Die Aktivistinnen und Aktivisten erklärten, die kantonalen Behörden hätten ihre Aufsichtspflichten verletzt, weil sie Änderungen des Bundesrechts zu Triazol nicht umgesetzt hätten. Sie bezeichneten dieses Versäumnis als möglicherweise unbeabsichtigt, argumentierten jedoch, dass dadurch eine Schutzlücke entstanden sei.
Die verfügbaren Berichte nennen weder die Kosten für die Aufbereitung noch betroffene Gemeinden oder Messwerte zu chemischen Konzentrationen. Diese fehlenden Angaben sind wichtig. Sie werden benötigt, um das Ausmass einer möglichen Verschmutzung festzustellen, die Verantwortlichkeit zu bestimmen und zu beurteilen, ob die rechtlichen und regulatorischen Vorwürfe einer Prüfung standhalten.
Syngenta verteidigt den Betrieb in Monthey
Syngenta verteidigte Monthey als strategischen Industriestandort und wies das Vorgehen der Organisatoren zurück. Das Unternehmen erklärte, es respektiere das Recht von Organisationen, ihre Ansichten zu äussern, bedauere jedoch, dass die Protestleitung nicht das direkte Gespräch mit der Geschäftsleitung gesucht habe.
Syngenta verwies auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Werks. Der Standort beschäftigt rund 900 Personen und produziert Pflanzenschutzmittel. Das Unternehmen erklärte, es investiere weiterhin in Monthey, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, Sicherheits- und Umweltstandards einzuhalten und die langfristige Zukunft des Standorts zu sichern.
Das Unternehmen bezeichnete Monthey als bedeutendes Zentrum für die Herstellung und Industrialisierung von Pflanzenschutzmitteln. Zudem argumentierte es, Pestizide spielten eine wichtige Rolle beim Schutz der weltweiten Lebensmittelversorgung. Damit ordnet Syngenta den Standort in seine umfassendere Verteidigung der Pflanzenschutzchemie als Instrument der landwirtschaftlichen Produktion ein.
Die Stellungnahme des Unternehmens ging nicht auf alle konkreten Forderungen ein, über die die Organisatoren berichtet hatten. Dazu gehörten die Veröffentlichung eines vollständigen Chemikalienverzeichnisses, die Produktion für den Export von in der Schweiz verbotenen Substanzen und eine Entschädigung für Kosten der Wasseraufbereitung. Die Protestorganisatoren legten ihrerseits im Ausgangsmaterial keine direkten Belege vor, die Erkrankungen, Verschmutzung oder finanzielle Schäden beziffern. Wie sich diese Vorwürfe entwickeln, wird von weiteren Gesprächen zwischen dem Unternehmen, den Gemeinden und den Aufsichtsbehörden abhängen.
Die Schweiz steht vor der nächsten regulatorischen Prüfung
Der Protest in Monthey hat einen lokalen Streit zu einer schweizweiten Debatte über die Offenlegung industrieller Informationen und die Pestizidregulierung ausgeweitet. Die Beteiligung Basels und parallele Aktionen im Ausland verschafften der Kampagne eine breitere Plattform. Die Forderungen im Wallis bleiben jedoch konkret: Zugang zu Informationen über Einleitungen, Schutz des Trinkwassers, klarere Verantwortlichkeit und Massnahmen zu den Triazol-Vorschriften.
Für die Schweiz wird die nächste Etappe von Belegen und der Reaktion der Institutionen abhängen. Die Behörden müssten klären, welche Chemikalien im Werk hergestellt werden, welche Stoffe in nahe gelegene Gewässer gelangen, wie die bestehenden Kontrollen funktionieren und ob Gemeinden zusätzliche Kosten für die Wasseraufbereitung tragen mussten. Die für diesen Artikel verfügbaren Berichte beantworten diese Fragen nicht.
Der Streit stellt auch wirtschaftliche Interessen der Umweltaufsicht gegenüber. In Monthey hängen rund 900 Arbeitsplätze vom Werk ab, und Syngenta erklärt, weitere Investitionen seien nötig, um den Standort wettbewerbsfähig und sicher zu halten. Anwohnerinnen und Anwohner sowie Aktivistinnen und Aktivisten verlangen die Zusicherung, dass die industrielle Beschäftigung den öffentlichen Zugang zu Informationen nicht einschränkt und den Schutz der Wasserversorgung nicht mindert.
Der Protest hat deutlich gemacht, was die Aktivistinnen und Aktivisten vom Unternehmen und vom Kanton fordern. Ob diese Forderungen zu neuen Offenlegungen, Verhandlungen oder Gerichtsverfahren führen, hängt davon ab, welche Unterlagen veröffentlicht und welche Entscheide von Syngenta, den Walliser Behörden und den betroffenen Gemeinden getroffen werden.