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Swiss Observer

Parlamentarier verlangen Antworten zum problematischen F-35-Kauf der Schweiz

Das Parlament hat Verteidigungsminister Martin Pfister zu gravierenden Mängeln bei der Beschaffung von F-35-Kampfjets für die Schweiz befragt, darunter zum Fehlen eines Festpreises trotz früherer Zusicherungen. Der Bundesrat dürfte im Dezember auf die Feststellungen der Prüfer reagieren.

Parlamentarier verlangen Antworten zum problematischen F-35-Kauf der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Neunzehn Fragen landeten auf Martin Pfisters Schreibtisch, als das Parlament Klarheit über den problematischen F-35-Kauf der Schweiz verlangte. Zwei Wochen nachdem Prüfer gravierende Schwächen bei den Verhandlungen über die in den USA hergestellten Kampfjets offengelegt hatten, musste sich der Verteidigungsminister den Fragen der Parlamentarierinnen und Parlamentarier stellen.

Der am 8. September veröffentlichte Bericht kam zum Schluss, dass die Schweiz keine Festpreisvereinbarung hatte, obwohl der frühere Verteidigungsministerin Viola Amherd und der Beschaffungsbehörde armasuisse zuvor entsprechende Zusicherungen gemacht hatten. Diese Feststellung setzt die Regierung wegen ihres Umgangs mit dem Geschäft anhaltend unter politischen Druck und wirft erneut die Frage auf, wer die Verhandlungsstrategie genehmigt hat.

Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier fragten auch, ob die Beschaffung strafrechtliche Folgen haben könnte. Pfister lehnte es wiederholt ab, eine inhaltliche Schlussfolgerung zu ziehen, und sagte, der Bundesrat werde seine Position im Dezember darlegen. Damit muss das Parlament auf die formelle Antwort der Regierung warten, während finanzielle und rechtliche Fragen offenbleiben.

Der Streit betrifft ein mehrere Milliarden Franken schweres Programm und einen zentralen Bestandteil der Schweizer Luftverteidigungspolitik. Nachdem die USA höhere Preise verlangt hatten, reduzierte die Regierung die geplante Flotte bereits von 36 auf 30 Flugzeuge. Zudem beantragte sie zusätzliche Mittel, um die Mehrkosten zu decken.

Der Streit um den Festpreis

Der fehlende Festpreis steht im Zentrum der Kontroverse. Frühere öffentliche Aussagen der Schweiz erweckten den Eindruck, das Land habe sich bei den F-35-Verhandlungen mit Washington gegen unerwartete Kostensteigerungen abgesichert. Die Feststellungen der Prüfer stellen diese Darstellung infrage.

Der Bericht stellte gravierende Mängel im Verhandlungsprozess fest und äusserte Bedenken dazu, wie die Verantwortlichen die Beratung durch die externe Kanzlei Homburger gehandhabt hatten. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier konzentrieren sich auf einen möglichen Interessenkonflikt im Zusammenhang mit der Rolle der Kanzlei bei Entscheidungen rund um die Festpreisfrage.

Pfister verteidigte den Beizug externer Berater und bezeichnete ihn als gängige Praxis. Er sagte zudem, der Bericht habe weder rechtswidriges Verhalten noch einen finanziellen Schaden nach Haftpflichtrecht festgestellt. Damit ist der politische Streit jedoch nicht beigelegt. Das Parlament will weiterhin klären, wer wusste, dass kein Festpreis vereinbart worden war, wann diese Person davon wusste und wie die Information öffentlich dargestellt wurde.

Diese Unterscheidung ist für die Rechenschaftspflicht wichtig. Ein Beschaffungsverfahren kann den gesetzlichen Vorschriften entsprechen und dennoch den gewählten Vertreterinnen und Vertretern sowie der Öffentlichkeit kein klares Bild der finanziellen Risiken vermitteln. Die Antwort des Bundesrates im Dezember soll sowohl auf die Feststellungen der Prüfer als auch auf die Verantwortlichkeiten eingehen.

Sechs Jets weniger, höhere Kosten

Die Schweiz hat die geplante Flotte um sechs Flugzeuge von 36 auf 30 reduziert. Die Kürzung erfolgte, nachdem die USA höhere Preise verlangt hatten, und verändert den Umfang des teuersten militärischen Beschaffungsprogramms des Landes.

Die Regierung hat beim Parlament 394 Millionen Franken beantragt, um zusätzliche Kosten zu decken. Bis Ende Juni hatte die Schweiz bereits fast 2 Milliarden US-Dollar für die Jets bezahlt. Das für das Programm vorgesehene Gesamtbudget beläuft sich auf 6,4 Milliarden Franken.

Diese Zahlen erklären, weshalb die Beschaffung für das Parlament zu einer Priorität geworden ist. Jede Änderung der Anzahl Flugzeuge wirkt sich auf die künftigen Fähigkeiten der Schweizer Luftwaffe, den Ausbildungsbedarf, die Wartungsregelungen und die langfristigen Betriebskosten aus. Eine kleinere Flotte kann die unmittelbare Kaufbelastung verringern, zugleich aber den Spielraum für Einsätze und Wartung einschränken.

Pfister sagte den Parlamentarierinnen und Parlamentariern, die Betriebskosten lägen weiterhin im Rahmen des Budgets. Damit wird ein Teil der Programmfinanzen angesprochen. Die weiter gefasste Sorge des Parlaments betrifft die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Verständnis des Kaufs und dem im Bericht der Prüfer offengelegten Kostenrisiko. Diese Diskrepanz muss der Bundesrat nun formell erklären.

Die Antwort im Dezember prägt die nächsten Schritte

Die Beschaffung befindet sich nun in einer Wartephase, die im Dezember endet. Der Bundesrat soll dann seine offizielle Position zum Bericht der Prüfer veröffentlichen. Damit bleiben der Regierung mehrere Monate, um die Fragen des Parlaments zu beantworten und die Vorgänge bei der Beschaffung zu klären.

Mit Spannung wird erwartet, ob die Erklärung im Dezember konkrete Antworten zu den Festpreisverhandlungen, zur Rolle von armasuisse, zur Beratung durch Homburger und zum Entscheid, die Flotte auf 30 Flugzeuge zu reduzieren, enthält. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollen zudem wissen, ob jemand disziplinarische oder strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten hat. Pfisters wiederholter Verweis auf die künftige Position der Regierung liess diese Fragen während der aktuellen parlamentarischen Debatte ungeklärt.

Das Verfahren wird zeigen, wie die Schweiz grosse Rüstungsbeschaffungen mit ausländischen Lieferanten, externen Beratungsfirmen und langfristigen Betriebskosten handhabt. Das F-35-Programm wurde im Rahmen der Erneuerung der Schweizer Kampfflugzeugflotte genehmigt. Die Umsetzung hängt nun davon ab, ob die Öffentlichkeit darauf vertraut, dass die Regierung Risiken korrekt offenlegt und die Ausgaben kontrolliert.

Für die Schweizer Steuerzahlenden stehen zunächst die beantragten 394 Millionen Franken im Vordergrund. Für die Armee legt der Entscheid Grösse und Kosten der künftigen Luftflotte fest. Die Antwort der Regierung im Dezember wird die nächste Phase der Debatte bestimmen.