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Swiss Observer

Mysteriöse Krankheit bei Schweizer Milchkühen gibt Anlass zur Sorge

Eine mysteriöse Krankheit, die sich durch Fieber, Durchfall und einen deutlichen Rückgang der Milchproduktion äussert, breitet sich unter Schweizer Milchkühen aus. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) untersucht die bislang nicht identifizierte Krankheit. Die Schweizer Milchproduzenten haben die Lage als «kritisch» bezeichnet.

Mysteriöse Krankheit bei Schweizer Milchkühen gibt Anlass zur Sorge
AISWI swissinfo.ch

Eine mysteriöse und aggressive Krankheit breitet sich in Schweizer Milchviehbeständen aus und versetzt Landwirte und Bundesbehörden in höchste Alarmbereitschaft. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bestätigte am Freitag, dass eine Welle von Fieber und Durchfall Rinder im ganzen Land befällt und mit einem plötzlichen, drastischen Einbruch der Milchleistung einhergeht. Es handelt sich nicht um einen lokal begrenzten Vorfall: Die Ansteckung hat sich bereits in mehreren Regionen ausgebreitet und umgehende Untersuchungen durch die führenden Veterinärexperten des Landes ausgelöst. Das BLV warnt, dass die unspezifischen, aber schweren Symptome auf eine hochansteckende Tierkrankheit hindeuten könnten. Der konkrete Erreger ist jedoch noch unbekannt. Während der Bund die Lage mit zunehmender Dringlichkeit beobachtet, bereitet sich die Landwirtschaft auf eine mögliche Epidemie vor, die das Herzstück der Schweizer Tradition bedroht. Die rasche Ausbreitung hat viele auf dem falschen Fuss erwischt und friedliche Weiden in Gebiete intensiver medizinischer Abklärungen verwandelt. Jede Stunde ohne Diagnose verstärkt die Besorgnis in einem Land, das stolz auf seine erstklassigen Milchstandards ist.

Produktion bricht ein, Betriebe geraten an ihre Grenzen

Die am stärksten betroffenen Betriebe melden einen drastischen Rückgang der Milchproduktion um 10 Prozent. Dieser bedeutet einen schweren Schlag für eine ohnehin bereits stark belastete Branche. Während einige Regionen vergleichsweise glimpflich davonkommen, führt die geografische Ungleichverteilung zu einer zersplitterten Lage in der Landwirtschaft. Die Schweizer Milchproduzenten haben die Situation offiziell als «kritisch» bezeichnet und darauf hingewiesen, dass die mysteriöse Krankheit für viele Betriebe den letzten Tropfen darstellt. Die Bauern kämpfen derzeit mit einem «perfekten Sturm» an Widrigkeiten: Zu den tiefen Marktpreisen, der anhaltenden Trockenheit und der extremen Hitzebelastung kommt nun eine Krankheit hinzu, die ihren Nutztieren die Kräfte raubt. Diese Kombination bringt zahlreiche Familienbetriebe an ihre äussersten Grenzen. Eine dauerhafte Schliessung ist zu einem realistischen und beängstigenden Risiko geworden. Das wirtschaftliche Überleben dieser Betriebe ist nicht länger gesichert. Zwar ist die unmittelbare Milchversorgung der Schweizer Supermärkte noch nicht beeinträchtigt, doch die Aussichten für die landesweite Produktion mittel- bis langfristig stehen unter beispiellosem Druck. Hält der Trend an, könnte die ikonische Milchmarke «Swiss Made» vor ihrer grössten Herausforderung für die Lieferkette seit Jahrzehnten stehen.

Wissenschaft sucht fieberhaft nach dem Erreger

Bundesexperten prüfen in einem Wettlauf gegen die Zeit alle möglichen Ursachen, von Stoffwechselstörungen bis hin zu infektiösen Erregern. Ziel ist es, den Auslöser des Ausbruchs zu finden. An den umfangreichen, behördenübergreifenden Untersuchungen sind Rindergesundheit Schweiz, veterinärmedizinische Hochschulen, spezialisierte Labors und kantonale Veterinärbehörden beteiligt. Trotz dieser gebündelten Fachkompetenz konnte kein spezifischer Erreger isoliert werden. Das BLV bringt es klar auf den Punkt: Fieber und Durchfall sind typische Anzeichen hochansteckender Krankheiten, die Nutztierbestände verwüsten können, wenn sie nicht eingedämmt werden. Erschwerend kommt die anhaltende Hitzewelle hinzu. Zwar ist ein direkter wissenschaftlicher Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und der mysteriösen Krankheit noch nicht belegt, doch räumen Experten ein, dass Hitzestress das Immunsystem leistungsstarker Kühe erheblich schwächt. Dadurch werden sie anfälliger für neu auftretende Krankheiten. Tierärzte fordern die Landwirte auf, jede Auffälligkeit umgehend zu melden. Ohne gezielten Impfstoff oder eine spezifische Behandlung ist die Früherkennung derzeit das einzige verfügbare Mittel. Die Wissenschaft ist mit Hochdruck auf Spurensuche und untersucht Proben auf Hinweise, die eine grössere Katastrophe verhindern könnten.

Wirtschaftliches Überleben auf der Kippe

Die Schweiz steht an einem entscheidenden Wendepunkt für ihr landwirtschaftliches Erbe: Die mysteriöse Krankheit droht, die Milchlandschaft für immer zu verändern. Das BLV hält fest, dass für Konsumentinnen und Konsumenten kein Risiko besteht, und bestätigt, dass Milch und Fleisch weiterhin unbedenklich verzehrt werden können. Die psychische und finanzielle Belastung der Landwirtschaft ist dennoch enorm. Die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Milchwirtschaft wird durch eine Krise auf die Probe gestellt, die über die reine Tiergesundheit hinausgeht. Es geht um die nationale Ernährungssicherheit und die wirtschaftliche Belastbarkeit. Während die Untersuchungen weitergehen, rückt die Frage in den Vordergrund, wie der Bund jene Betriebe unterstützen wird, die derzeit «an ihren Grenzen» sind. Vorausschauende Einschätzungen von Branchenführern deuten darauf hin, dass sich die Struktur der Schweizer Landwirtschaft hin zu grösseren, stärker industrialisierten Betrieben verschieben könnte, falls nicht bald eine Lösung gefunden wird. Damit könnte die traditionelle kleinbäuerliche Alpwirtschaft, die die Identität des Landes prägt, verloren gehen. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Wird es der Schweizer Wissenschaft gelingen, die Gefahr zu erkennen, oder wird die «kritische» Lage eine Welle von Betriebsschliessungen auslösen, die das Kuhglockengeläut in den Tälern verstummen lässt? Die ganze Nation blickt auf das BLV und wartet auf den Durchbruch, der die Zukunft der Schweizer Milchwirtschaft sichern soll.