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Swiss Observer

Lange Rehabilitation für Überlebende des Brandes in Crans-Montana

Acht Monate nach dem Brand in Crans-Montana sagen Schweizer Rehabilitationsspezialisten, dass Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen eine kontinuierliche, interdisziplinäre Betreuung benötigen. Zehn der seit Januar aufgenommenen 42 Patientinnen und Patienten befinden sich weiterhin in Behandlung im Wallis und im Aargau.

Lange Rehabilitation für Überlebende des Brandes in Crans-Montana
AISWI swissinfo.ch

Acht Monate nach dem Brand befinden sich noch zehn Patientinnen und Patienten in Behandlung. Ihre weitere Betreuung in Sion im Kanton Wallis und in Bellikon im Kanton Aargau zeigt, wie lange schwere Verbrennungen das Leben von Überlebenden prägen können, nachdem der Rettungseinsatz beendet ist.

Seit dem 1. Januar wurden insgesamt 42 Patientinnen und Patienten in die Rehabilitationszentren aufgenommen. Die Zahlen wurden bekannt, als Fachleute und Vertreterinnen und Vertreter der Suva, der Unfallversicherung der Schweiz, am Mittwoch an einem runden Tisch in Sion die geleistete Arbeit besprachen.

Der Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana am Neujahrstag forderte 41 Todesopfer und 115 Verletzte. Für die Patientinnen und Patienten, die mit schweren Verbrennungen überlebt haben, bedeutet die Genesung mehr als die Heilung von Wunden. Ärztinnen und Ärzte beschrieben einen fortlaufenden, interdisziplinären Prozess, der Mobilität, Selbstständigkeit und die Teilhabe am Familienleben, an Bildung und am Berufsleben wiederherstellen soll.

Die Kliniken mussten sich neu organisieren, um die Fälle zu bewältigen. Normalerweise betreuen sie jährlich 20 bis 30 Patientinnen und Patienten. Dass so viele Menschen bei einem einzigen Ereignis verletzt wurden, stellte sie deshalb vor eine grosse betriebliche Herausforderung. Die Reaktion erforderte die Koordination von medizinischen Teams, Rehabilitationsfachleuten und Versicherungen, während die Patientinnen und Patienten die verschiedenen Phasen der Genesung durchliefen.

Kliniken schaffen einen durchgehenden Behandlungspfad

Fachleute sagen, dass die Rehabilitation bereits in der ersten Phase der Betreuung beginnen muss. Gianni Roberto Rossi, CEO der Kliniken in Sion und Bellikon, sagte den Medienschaffenden, der Behandlungspfad könne nicht in eine akute Phase und eine davon getrennte Genesungsphase unterteilt werden.

«Der Behandlungspfad muss kontinuierlich sein», sagte Rossi. «Die Rehabilitation beginnt nicht am Tag der Aufnahme in die Klinik. Sie muss von Anfang an berücksichtigt werden.»

Schwere Verbrennungen erfordern oft eine koordinierte Betreuung durch verschiedene Fachbereiche. Im Ausgangsbericht werden die einzelnen beteiligten medizinischen Fachgebiete nicht aufgeführt. Die Ärztinnen und Ärzte am Gespräch in Sion betonten jedoch wiederholt die Bedeutung interdisziplinärer Arbeit und der Solidarität entlang des Behandlungspfads. So können die Behandlungsteams die körperlichen Folgen der Verbrennungen angehen und zugleich die Rückkehr der Patientinnen und Patienten in den Alltag planen.

Die Organisation der Betreuung reicht über die Klinik hinaus. Patientinnen und Patienten benötigen möglicherweise Unterstützung, wenn sie wieder Kontakt zu Angehörigen, Schulen, Arbeitgebern und zur Gesellschaft aufnehmen. Rossi sagte, die Kliniken hätten allen in der Schweiz wohnhaften Personen, deren Zustand eine spezialisierte Rehabilitation erforderte, einen Platz anbieten können. Diese Aussage zeigt, welche Kapazitäten als Reaktion auf die Katastrophe mobilisiert wurden, während sich zehn Patientinnen und Patienten weiterhin auf dem Weg der Genesung befinden.

Eine Katastrophe stellt die Rehabilitationskapazität der Schweiz auf die Probe

Nach einer einzigen Katastrophe behandelten die Kliniken so viele Verbrennungsopfer wie normalerweise in einem ganzen Jahr. Laut Bericht betreuen Sion und Bellikon normalerweise jährlich 20 bis 30 Patientinnen und Patienten. Seit dem Brand haben sie 42 Patientinnen und Patienten aufgenommen, die von der Tragödie in Crans-Montana betroffen sind.

Dieses Aufkommen zwang die Zentren, ihre Dienste neu zu organisieren. Die Änderungen waren Teil einer umfassenderen Schweizer Reaktion, bei der Rehabilitationsanbieter und die Suva zusammenarbeiteten. Die Suva verwaltet die Unfallversicherung und unterstützt Patientinnen und Patienten während der Behandlung und Genesung. Das Gespräch in Sion bot einen öffentlichen Rückblick auf die Arbeit während der ersten acht Monate.

Die Zahlen verdeutlichen auch, dass die Genesung unterschiedlich schnell verläuft. Von den 42 aufgenommenen Patientinnen und Patienten haben 32 die beiden Zentren verlassen, während sich 10 weiterhin in Behandlung befinden. Der Austritt aus der stationären Rehabilitation bedeutet nicht unbedingt, dass die medizinische Betreuung oder die Anpassung abgeschlossen ist. Rossi sagte, für viele Betroffene sei der Weg noch lange nicht zu Ende.

Der Brand hat auch weiterhin öffentliche und juristische Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Swissinfo berichtete separat, dass eine weitere Amtsperson auf die Liste der Beschuldigten gesetzt worden sei. Für Überlebende und Angehörige bleiben Rehabilitation und Verantwortlichkeit parallele Aspekte der Folgen des Unglücks.

Die Genesung richtet sich nun auf den Alltag aus

Ziel ist es, Selbstständigkeit und die Rückkehr ins Familienleben sowie, wenn möglich, in den Beruf oder die Ausbildung zu ermöglichen. Rossi sagte, die Rehabilitationszentren wollten den Betroffenen helfen, «ein möglichst selbstständiges Leben» zurückzugewinnen und ihren Platz in der Familie und in der Gesellschaft wieder einzunehmen.

Dieses Ziel setzt einen langen Zeithorizont für die Genesung voraus. Die zehn Patientinnen und Patienten, die sich noch in Behandlung befinden, bilden den sichtbaren Bestand an stationären Fällen. Andere, die Sion oder Bellikon verlassen haben, könnten ausserhalb der Zentren weiterhin Rehabilitationsbedarf haben. Der Ausgangsbericht nennt keinen Zeitplan für die Genesung einzelner Personen. Die Ärztinnen und Ärzte betonten, dass der Behandlungspfad für jede Patientin und jeden Patienten anders ist.

Die Reaktion hat den Schweizer Kliniken Erfahrung im Umgang mit einem geballten Zustrom schwerer Verbrennungsfälle verschafft. Zudem hat sie gezeigt, wie wichtig es ist, die Rehabilitation von dem Moment an zu planen, in dem eine Patientin oder ein Patient in die Betreuung eintritt, statt sie als spätere Phase zu behandeln.

Acht Monate nach dem Neujahrsbrand ist die Arbeit über den ersten Notfalleinsatz hinausgegangen, aber noch nicht abgeschlossen. Im Wallis und im Aargau messen die medizinischen Teams die Fortschritte weiterhin an konkreten Zielen: mehr Selbstständigkeit, erneuter Kontakt zur Familie und die Möglichkeit, in die Schule oder an den Arbeitsplatz zurückzukehren.