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Swiss Observer

Genf bewilligt Schweizer Gelder für grenzüberschreitende Verkehrsprojekte

Die Genfer Stimmberechtigten haben 39,5 Millionen CHF für grenzüberschreitende Verkehrsprojekte im benachbarten Frankreich bewilligt, darunter Park-and-ride-Anlagen und Busspuren mit Vortritt.

Genf bewilligt Schweizer Gelder für grenzüberschreitende Verkehrsprojekte
AISWI swissinfo.ch

56,8 % der Stimmberechtigten haben Genf dazu ermächtigt, 39,5 Millionen CHF für ein Problem auszugeben, das nicht an der Kantonsgrenze Halt macht: den täglichen Verkehrsschub aus dem benachbarten Frankreich. Der am Sonntag, 27. September 2026, gefällte Entscheid verschafft Genf ein direktes finanzielles Interesse an der Verkehrsinfrastruktur in Haute-Savoie und im Département Ain.

Der grösste Anteil von 34,5 Millionen CHF wird zur Mitfinanzierung von 12 umsetzungsreifen Projekten eingesetzt. Dazu gehören Park-and-ride-Anlagen, Busspuren mit Vortritt und eine Verlängerung der Tramlinie nach Ferney-Voltaire. Genf wird 22 % der gesamten Projektfinanzierung beisteuern. Frankreich übernimmt mehr als die Hälfte, der Bund deckt den Rest.

Das Paket trägt einem grenzüberschreitenden Pendlerverhalten Rechnung, das im Alltag rund um den Kanton fest verankert ist. An den Zollstellen und auf den Strassen nach Genf stauen sich Autos, während Busse und Trams im selben überlasteten Netz um Platz konkurrieren. Die Regierung erwartet, dass die Projekte die Zahl der Fahrzeuge, die täglich über die Grenze einfahren, bis 2030 um 15 000 senken werden. Für Pendlerinnen und Pendler leitet die Abstimmung einen Zeitplan für Alternativen zum Privatauto ein. Für Genf bestätigt sie, dass regionale Mobilität Investitionen ausserhalb der Schweiz erfordert.

Zwölf Projekte sollen täglich 15 000 Autofahrten vermeiden

15 000 Fahrzeuge pro Tag: Dies ist das Ziel, das sich Genf für das grenzüberschreitende Programm gesetzt hat. Gemäss Projektplan entspricht diese Zahl fast der Hälfte der derzeit 33 000 Fahrzeuge, die täglich in den Kanton einfahren. Ob das Ziel erreicht wird, hängt davon ab, ob Pendlerinnen und Pendler auf zuverlässige und bequeme Verbindungen umsteigen können, bevor sie die Grenze erreichen.

Park-and-ride-Anlagen sollen Autofahrerinnen und Autofahrer in Frankreich abfangen, wo sie ihre Fahrzeuge abstellen und mit dem öffentlichen Verkehr weiterfahren können. Busspuren mit Vortritt sollen den Betrieb vor denselben Verkehrsbehinderungen schützen, von denen auch Autos betroffen sind. Die geplante Tramverlängerung nach Ferney-Voltaire würde eine leistungsfähigere Verbindung in den Grossraum Genf schaffen und einen der am stärksten genutzten grenzüberschreitenden Korridore ans regionale Netz anschliessen.

Die Massnahmen werden nicht alle Engpässe beseitigen. Es braucht eine koordinierte Bauplanung, klare Informationen für Pendlerinnen und Pendler sowie genügend häufige Verbindungen, damit diese mit der Flexibilität des Autofahrens konkurrieren können. Der Bund hat eine maximale Umsetzungsfrist von drei Jahren festgelegt, und Genf wird seine Finanzierung aussetzen, falls ein Projekt geändert oder aufgegeben wird. Diese Bedingung verschafft dem Kanton nach der Abstimmung Einfluss und knüpft den Einsatz öffentlicher Gelder an die Umsetzung.

Das Finanzierungspaket geht über den Verkehr hinaus

7 Millionen CHF pro Jahr beträgt der geschätzte Nutzen für Genf aus den 12 Verkehrsprojekten. In die Berechnung der Regierung fliessen die Kosten der Verkehrsüberlastung ein, darunter Verzögerungen an den Zollstellen, die Belastung der Strassen sowie die weiter reichenden Auswirkungen von Lärm und Luftverschmutzung. Die Argumente für den Ausbau des Verkehrsangebots überschneiden sich auch mit der Gesundheits- und Umweltpolitik, denn sauberere und verlässlichere Fahrten würden die Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze betreffen.

Mit seinem Entscheid bindet Genf einen Schweizer Kanton in eine gemeinsam mit Frankreich und dem Bund geführte Finanzierungsstruktur ein. Diese Vereinbarung trägt der geografischen Ausdehnung des Arbeitsmarkts Rechnung. Viele Menschen wohnen in Frankreich und arbeiten in Genf. Die von ihnen genutzten Strassen und öffentlichen Verkehrsrouten überschreiten mehrere Zuständigkeitsgebiete, bevor sie ihren Arbeitsort erreichen.

Das Paket umfasst 5 Millionen CHF für Projekte, die Genf direkt zugutekommen. Dazu gehören Massnahmen zur Hochwasserprävention entlang der Arve, ein grenzüberschreitendes Dürremanagement und die Ausbildung von Gesundheitsfachpersonal für die Bedürfnisse einer alternden Bevölkerung. Mit diesen Projekten erhalten die Stimmberechtigten einen sichtbaren Nutzen innerhalb des Kantons, während die Verkehrsausgaben die Belastung durch das regionale Pendeln verringern sollen. Zusammen verstehen die Projekte Mobilität als Teil einer umfassenderen politischen Agenda zwischen Genf und Frankreich.

Die Abstimmung offenbart eine lokale politische Bruchlinie

Fünf Grenzgemeinden stimmten gegen das Paket, darunter Thônex und Meyrin, obwohl der Kanton als Ganzes zustimmte. Das Ergebnis legte eine politische Spaltung innerhalb Genfs offen: Gemeinden, die am stärksten vom Verkehrsdruck betroffen sind, stehen Ausgaben für Anlagen ausserhalb der Schweiz weiterhin skeptisch gegenüber. Die Mehrheit der Stimmberechtigten hingegen akzeptierte das Argument, dass sich die Verkehrsüberlastung nur grenzüberschreitend bekämpfen lässt.

Die Genfer Bürgerbewegung war unter den grossen politischen Kräften die einzige, die sich gegen den Vorschlag stellte. Sie argumentierte, der Kanton solle keine Steuergelder für französische Infrastruktur ausgeben, und wertete das Ergebnis als Beleg für die Ablehnung der Regierungspolitik durch die Bevölkerung. Die Partei hatte mit der Lancierung eines Referendums gedroht, falls das Kantonsparlament keines anordnen würde. Das Parlament entschied sich für ein obligatorisches Referendum und unterbreitete die Finanzierung damit direkt den Stimmberechtigten.

Der Streit erinnert an 2014, als Genf die Finanzierung von Park-and-ride-Anlagen in Haute-Savoie ablehnte. Der Genfer Staatsrat und Mobilitätsdirektor Pierre Maudet sagte, das jüngste Ergebnis zeuge von einem «kollektiven und pragmatischen Ansatz». Er verwies auf die von den Behörden, Wirtschaftsverbänden und Mobilitätsorganisationen gebildete Koalition. Angesichts des knappen Ergebnisses muss die Regierung nun zeigen, dass die grenzüberschreitenden Ausgaben den Einwohnerinnen und Einwohnern, den Pendlerinnen und Pendlern sowie jenen Gemeinden praktische Verbesserungen bringen, die einen Grossteil der Verkehrslast tragen.

Nun muss Genf die Abstimmung in schnellere Fahrten umsetzen

2030 ist der Stichtag für das übergeordnete Verkehrsziel, doch die unmittelbare Bewährungsprobe steht früher an. Genf muss Bauarbeiten, Finanzierung und Fahrgastzahlen bei 12 Projekten überwachen, während Frankreich und die Schweiz Bewilligungen und Umsetzung koordinieren. Der Kanton hat seinen Beitrag an Fortschritte geknüpft: Die Finanzierung kann ausgesetzt werden, wenn ein Projekt geändert oder aufgegeben wird.

Für grenzüberschreitende Pendlerinnen und Pendler ändert sich durch die Abstimmung an der Fahrt am nächsten Morgen nichts. Die Autos werden sich weiterhin stauen, und die neue Tramverlängerung, die Busspuren und die Park-and-ride-Anlagen müssen erst geplant und gebaut werden. Der Entscheid schafft jedoch eine finanzierte Grundlage für mehr Möglichkeiten für Menschen, die zwischen französischen Städten und Arbeitsplätzen in Genf unterwegs sind.

Das Ergebnis stärkt zudem den Grundsatz, dass Genf ausserhalb der Schweiz in Infrastruktur investieren kann, wenn diese einem gemeinsamen regionalen Verkehrssystem dient. Das Finanzierungsmodell begrenzt den Anteil des Kantons, verteilt die Kosten auf Frankreich und Bern und umfasst Projekte innerhalb Genfs aus Umwelt- und Gesundheitsgründen. Der Erfolg wird sich an fertiggestellten Anlagen, zuverlässigen Verbindungen und weniger Fahrzeugen an der Grenze messen lassen, nicht allein am Abstimmungsergebnis. Die regionale Zusammenarbeit verfügt nun über ein Budget, eine Frist und ein klares Verkehrsziel.