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Swiss Observer

Vier von fünf Menschen in der Schweiz nutzen inzwischen KI

Eine neue Schweizer Umfrage zeigt, dass mittlerweile vier von fünf Personen künstliche Intelligenz nutzen. Das ist doppelt so viel wie vor zwei Jahren. KI wird zunehmend für die Suche, Kaufberatung und E-Learning eingesetzt, nicht nur zum Schreiben und Übersetzen. Das wirft Fragen dazu auf, wie schnell sich die digitalen Gewohnheiten über die Generationen hinweg verändern.

Vier von fünf Menschen in der Schweiz nutzen inzwischen KI
AISWI swissinfo.ch

Vier von fünf Schweizer Internetnutzerinnen und -nutzern verwenden inzwischen künstliche Intelligenz. Die im Digimonitor 2026 ausgewiesene Zahl steht für einen raschen Wandel im digitalen Alltag. Die KI-Nutzung hat 80% der erfassten Bevölkerung erreicht und sich damit gegenüber dem Stand vor zwei Jahren verdoppelt.

Die Umfrage erfasst Internetnutzerinnen und -nutzer im Alter von 15 bis 75 Jahren, nicht die gesamte Wohnbevölkerung. Sie wurde im Auftrag der Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und der WEMF AG für Werbemedienforschung durchgeführt. Die Organisationen verfolgen die Nutzung elektronischer Medien und Geräte in der Schweiz seit 2014 jährlich.

Die neusten Ergebnisse zeigen, wie sich KI rasch von einer Spezialtechnologie zu einem alltäglichen digitalen Werkzeug entwickelt. Sie wird beruflich und privat genutzt, etwa um Informationen zu finden, Produkte zu vergleichen und das Online-Lernen zu unterstützen. Jüngere Erwachsene sind Vorreiterinnen und Vorreiter: Besonders verbreitet ist die Nutzung bei den 15- bis 34-Jährigen.

Dieses Tempo ist für Schweizer Schulen, Arbeitgeber, Medienunternehmen und öffentliche Dienste relevant. Ein Werkzeug, das die meisten Internetnutzerinnen und -nutzer erreicht, kann beeinflussen, wie Menschen Informationen beschaffen, Einkäufe tätigen und Routineaufgaben erledigen. Die Umfrage zeigt den Stand dieses Wandels im Jahr 2026 und macht zugleich deutlich, wie rasch sich die Voraussetzungen für die digitale Teilhabe verändern.

Wie KI die Suche verändert

Die Suche ist in der Schweiz zum wichtigsten Zugang zur KI-Nutzung geworden. Gemäss Digimonitor verwenden 77% der Befragten einen KI-Modus, der in eine herkömmliche Suchmaschine integriert ist. Weitere 57% nutzen spezielle KI-Plattformen gezielt für die Suche.

Damit liegt die KI-Suche vor mehreren etablierten digitalen Angeboten. 34% der Befragten gaben an, YouTube für Suchanfragen zu nutzen, bei sozialen Medien waren es 28%. Der Vergleich legt nahe, dass KI zu einem der ersten Schritte wird, wenn Menschen online eine Antwort, Empfehlung oder Erklärung suchen.

Auch der Unterschied zwischen integrierten und eigenständigen Werkzeugen ist wichtig. Viele Nutzerinnen und Nutzer begegnen KI möglicherweise über eine vertraute Suchmaschine, ohne sich bewusst bei einer separaten Plattform anzumelden. Andere entscheiden sich für Dienste, die auf dialogische oder generative Antworten ausgelegt sind. Zusammengenommen zeigen die beiden Kategorien, wie tief KI in die Suchlandschaft vorgedrungen ist.

Für Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz kann sich dadurch verändern, wie sie Nachrichten entdecken, öffentliche Informationen einordnen und Quellen vergleichen. Die Umfrage untersucht weder, ob die Antworten korrekt sind, noch wie häufig sie überprüft werden. Sie zeigt aber, dass KI-Systeme inzwischen direkt mit Plattformen konkurrieren, die den Umgang mit Online-Informationen jahrelang geprägt haben.

KI im Alltag und bei Entscheidungen

Die Menschen in der Schweiz nutzen KI für weit mehr als zum Verfassen von Texten oder Übersetzen. Der Digimonitor nennt die Suche, Kaufberatung und E-Learning als Anwendungsbereiche, in denen sich die Technologie zunehmend verbreitet. Damit wird KI Teil alltäglicher Entscheidungen, die Menschen im Laufe des Tages immer wieder treffen.

Eine Person könnte ein KI-System bitten, Produkte zu vergleichen oder technische Angaben zu erklären. Lernende könnten damit einen schwierigen Begriff klären oder Lernmaterial ordnen. Wer nach Informationen sucht, erhält möglicherweise eine generierte Antwort, bevor er eine herkömmliche Website aufruft. Die Quelle schlüsselt den Wert von 80% nicht nach einzelnen Tätigkeiten auf. Deshalb lässt sich daraus nicht ableiten, wie häufig die verschiedenen Anwendungen genutzt werden.

Die Vielfalt der Anwendungen deutet dennoch auf veränderte digitale Gewohnheiten hin. KI wird zu einer Ebene, die sich über bestehende Online-Dienste wie Suchmaschinen und Lernangebote legt. Ihre Nutzung setzt nicht allein voraus, dass Menschen einen eigenständigen Chatbot öffnen.

Die zunehmende Verbreitung bringt auch praktische Fragen für Schweizer Institutionen und Haushalte mit sich. Schulen und Arbeitgeber müssen KI-gestütztes Arbeiten und Lernen berücksichtigen. Konsumentinnen und Konsumenten müssen Empfehlungen von verifizierten Informationen unterscheiden können, insbesondere wenn es um Gesundheit, Geld oder rechtliche Angelegenheiten geht. Die Umfrage erfasst die Verbreitung, die Folgen hängen davon ab, wie Menschen die Ergebnisse nutzen und überprüfen.

Die Generationenlücke schliessen

Der Altersunterschied ist weiterhin erkennbar, auch wenn KI zum Mainstream wird. Gemäss den Ergebnissen des Digimonitors nutzen die 15- bis 34-Jährigen KI am aktivsten. Die Quelle nennt weder genaue Prozentwerte für andere Altersgruppen noch eine Aufschlüsselung nach Kanton, Sprachregion oder Beruf.

Aufgrund dieser Einschränkung eignet sich die nationale Zahl eher als Hinweis auf die Entwicklung denn als vollständiges Abbild der Schweizer Gesellschaft. Acht von zehn Internetnutzerinnen und -nutzern geben an, KI zu verwenden. Wie intensiv und zu welchem Zweck sie dies tun und wie sicher sie sich dabei fühlen, kann sich jedoch deutlich unterscheiden, etwa zwischen Studierenden, Büroangestellten, Pensionierten und Inhaberinnen und Inhabern kleiner Unternehmen.

Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem KI-Erfahrung im Berufsleben zunehmend an Bedeutung gewinnt. Schweizer Arbeitgeber prüfen bereits, wie Bewerberinnen, Bewerber und Mitarbeitende diese Werkzeuge einsetzen. Gleichzeitig passen Schulen und Ausbildungsanbieter den Unterricht an KI-gestütztes Lernen an. In der Debatte geht es um praktische Kompetenzen: zu wissen, wann KI sinnvoll ist, wie man eine hilfreiche Anfrage formuliert und wie sich eine Antwort überprüfen lässt.

Die jährlichen Erhebungen des Digimonitors ermöglichen es Forschenden, zu verfolgen, ob sich die Nutzung in weiteren Altersgruppen verbreitet. Die nächsten Ergebnisse werden zeigen, ob der derzeit grosse Vorsprung der jüngeren Nutzerinnen und Nutzer kleiner wird, wenn KI-Werkzeuge in mehr Dienste und Geräte integriert werden.

Auf die nächste Phase der KI vorbereiten

Die Schweiz hat einen Punkt erreicht, an dem die KI-Nutzung zum digitalen Alltag gehört. Die von Digimonitor ausgewiesene Nutzungsrate von 80% bedeutet nicht, dass alle Nutzerinnen und Nutzer gleich auf KI zurückgreifen. Sie bestätigt aber, dass die Technologie längst über die Gruppe der frühen Anwenderinnen und Anwender sowie spezialisierte Arbeitsplätze hinausreicht.

Am deutlichsten zeigt sich dieser Wandel bei der Suche. 77% der Befragten nutzen KI-Modi in herkömmlichen Suchmaschinen, 57% spezielle KI-Plattformen. Dass diese für die Suche häufiger genutzt werden als YouTube oder soziale Medien, deutet auf einen Wandel im Umgang der Schweizer Internetnutzerinnen und -nutzer mit Online-Informationen hin.

Die Umfrage liefert zudem eine klare Ausgangsbasis für künftige Messungen. Da Digimonitor die Nutzung elektronischer Medien seit 2014 erfasst, können die jährlichen Ergebnisse die KI-Verbreitung in die längere digitale Geschichte der Schweiz einordnen. Der jüngste Anstieg, eine Verdoppelung innert zwei Jahren, zeigt, dass sich Gewohnheiten schneller verändern können als Institutionen und das öffentliche Verständnis.

Für Politik, Bildung, Arbeitgeber und Konsumentinnen und Konsumenten besteht die unmittelbare Aufgabe darin, die Qualität und den Zweck dieser Nutzung zu verstehen. Der Bericht zeigt, wie weit sich KI verbreitet hat. Weitere Untersuchungen müssen aufzeigen, wie Menschen generierte Informationen überprüfen, wie Arbeitsplätze Grenzen setzen und ob ältere Nutzerinnen und Nutzer gegenüber jüngeren aufholen.