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Swiss Observer

Fluggesellschaften fordern Massnahmen, da Verzögerungen im Grenzsystem den Schengen-Reiseverkehr beeinträchtigen

Flughäfen und Fluggesellschaften fordern die EU auf, ihr digitales Einreise-/Ausreisesystem grundlegend zu überarbeiten. An den Schengen-Grenzen kommt es weiterhin zu Staus, und einige Passagiere müssen bis zu fünf Stunden warten. Die Verzögerungen betreffen auch Reisende aus der Schweiz, die grosse europäische Flughäfen nutzen.

Fluggesellschaften fordern Massnahmen, da Verzögerungen im Grenzsystem den Schengen-Reiseverkehr beeinträchtigen
AIThe Local Switzerland

Warteschlangen von bis zu fünf Stunden gefährden Flüge und Anschlussverbindungen in ganz Europa. Flughäfen und Fluggesellschaften sagen, dass es an den Schengen-Aussengrenzen fast sechs Monate nach der vollständigen Einführung des Einreise-/Ausreisesystems weiterhin vielerorts zu Staus kommt. Zu Spitzenzeiten kann die Wartezeit fünf Stunden betragen. An den schwierigsten Orten sind Verzögerungen von mehr als zwei Stunden weiterhin an der Tagesordnung.

Die Beeinträchtigungen betreffen Reisende aus der Schweiz unmittelbar. Die Schweiz gehört zum Schengen-Raum, doch Passagiere, die von ausserhalb des Gebiets ankommen, durchlaufen das System weiterhin an Flughäfen und anderen Aussengrenzübergängen in ganz Europa. Wer von Dubai nach Zürich fliegt, muss eine Reihe von Kontrollen durchlaufen. Schweizer Passagiere mit Anschluss in Madrid, Rom oder einem anderen grossen europäischen Drehkreuz können mit weiteren Kontrollen konfrontiert sein, insbesondere wenn ihre biometrischen Daten erstmals erfasst werden.

ACI Europe, der Verband der europäischen Flughäfen, und Airlines for Europe, der Verband der Fluggesellschaften, erklären, dass Passagiere wegen der Warteschlangen Flüge und Anschlussverbindungen verpasst hätten. Zudem seien die Mitarbeitenden der Flughäfen, Fluggesellschaften und Grenzbehörden stark belastet. Die Organisationen haben die Behörden der Europäischen Union aufgefordert, zu handeln, bevor weitere Reisehochsaisons dieselben Schwächen offenlegen. Ihre Forderungen konzentrieren sich auf eine schnellere Abfertigung, zuverlässigere Technologie und einen stärkeren Einsatz automatisierter Kontrollen.

Biometrische Daten verändern die Grenzkontrollen

Wer erstmals einreist, muss im Rahmen des EES Fingerabdrücke und Gesichtsbilder abgeben, bevor die betreffende Person eine Schengen-Aussengrenze überqueren kann. Das System erfasst die Ein- und Ausreisen von Kurzaufenthaltern aus Nicht-EU-Staaten. Es soll Personen identifizieren, die die Aufenthaltsdauer von 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen überschreiten.

Die Einführung begann laut Quelle am 12. Oktober 2025, die vollständige Umsetzung folgte im April 2026. Während des Sommers wurden die Kontrollen an vielen Orten ausgesetzt, und an wichtigen Häfen am Ärmelkanal ist die Umsetzung weiterhin unvollständig. Seit der Einführung des Systems kam es besonders sichtbar an Flughäfen in Italien und Spanien zu Beeinträchtigungen.

Für Reisende aus der Schweiz ist die Unterscheidung zwischen Reisen innerhalb und ausserhalb des Schengen-Raums weiterhin wichtig. Bei einem Flug von Genf nach Barcelona ist normalerweise keine Kontrolle an einer Aussengrenze erforderlich. Bei einer Reise von der Schweiz an ein Ziel ausserhalb des Schengen-Raums mit anschliessendem Umstieg an einem italienischen oder spanischen Flughafen können Passagiere in besonders stark ausgelastete Abfertigungsbereiche geraten.

Das System gilt in 29 Ländern, darunter der Schweiz, den 25 teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten, Island, Norwegen und Liechtenstein. Die Flughäfen- und Fluggesellschaftsverbände unterstützen den Sicherheitszweck des Systems. Ihre Kritik richtet sich gegen die Art und Weise, wie die Kontrollen an der Grenze durchgeführt werden. Manuelle Kontrollen, die Erfassung biometrischer Daten und die Passagierströme funktionieren bislang nicht durchgehend reibungslos zusammen.

Fluggesellschaften benennen Schwachstellen des Systems

Flughäfen und Fluggesellschaften nennen vier operative Schwachstellen, die zu den Warteschlangen führen: Personalmangel, instabile IT, zu wenige Kioske und eine begrenzte Zahl automatisierter Kontrollschleusen. Zudem fordern sie die EU auf, die App «Travel to Europe» zu verbessern. Mit ihr können einige Reisende vor der Ankunft an der Grenze bestimmte Vorregistrierungen aus der Ferne erledigen.

Die Branchenverbände sagen, die biometrische Überprüfung sollte einmal erfolgen, mit einer klaren Übergabe zwischen Passagier, Kiosk und Grenzbeamtem. Derzeit müssen sich einige Reisende einer «doppelten Überprüfung» unterziehen, zuerst an einem Selbstbedienungsautomaten und danach nochmals bei einem Grenzbeamten. Laut den Verbänden verlangsamt dies die Abfertigung und kann zu doppelten EES-Profilen führen, wenn das System die Daten einer Person nicht korrekt zuordnet.

Die vorgeschlagene Lösung ist operativ und nicht bloss kosmetisch. Die Behörden sollten Selbstbedienungstechnologie stärker einsetzen, die Systeme zur Erfassung biometrischer Daten stabilisieren und dafür sorgen, dass die Vorregistrierungs-App in den teilnehmenden Ländern zuverlässig funktioniert. Die Grenzbehörden benötigen zudem genügend Personal, um sich um Ausnahmefälle, Passagiere, die keinen Kiosk nutzen können, und technische Störungen zu kümmern.

Die Organisationen haben die EU-Behörden aufgefordert, eine Schutzklausel wieder in Kraft zu setzen, die es den nationalen Behörden erlaubt, EES-Kontrollen bei übermässig langen Warteschlangen vorübergehend auszusetzen. Diese Möglichkeit galt während des Sommers und lief gemäss den geltenden Regeln aus. Die Organisationen wollen, dass sie dauerhaft verfügbar bleibt und klare Bedingungen für ihre Aktivierung festgelegt werden.

Grenzdaten zeigen das Ausmass

Das EES hat fast 230 Millionen Ein- und Ausreisen erfasst, während die Behörden 80'000 Einreisen verweigert haben. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner nannte die Zahlen in Aussagen, über die Politico berichtete und die The Local zitierte. Von den verweigerten Einreisen standen 2'000 laut Brunner im Zusammenhang mit Sicherheitsbedrohungen.

Diese Zahlen zeigen sowohl den Umfang des Betriebs als auch den Zweck des Systems. Das EES legt einen zentralen Datensatz über Kurzaufenthalter an, die die Schengen-Aussengrenzen überqueren. Es soll Verstösse gegen die erlaubte Aufenthaltsdauer erkennen und Kontrollen von Personen unterstützen, die einreisen möchten. Die Flughafen- und Fluggesellschaftsverbände räumen ein, dass das System die Sicherheit an den Aussengrenzen erhöht hat.

Sie sorgen sich jedoch um die Kosten für die Abfertigung dieses Volumens, wenn Infrastruktur und Personal nicht ausreichen. Eine technische Unterbrechung kann Tausende Passagiere in einem Terminal betreffen. Eine zweite biometrische Kontrolle verlängert jede Abfertigung. Bei einem doppelten Profil müssen Mitarbeitende den Fall möglicherweise manuell klären. In der Ferienhochsaison summieren sich solche kurzen Verzögerungen zu verpassten Abflügen und überfüllten Hallen.

Brunner sieht die EU-Mitgliedstaaten in der Verantwortung. In einem Interview mit Politico sagte er, die Länder hätten genügend Zeit zur Vorbereitung gehabt und müssten ihre Arbeit erledigen. Die Branchenverbände drängen die Europäische Kommission und die nationalen Regierungen, diese Verantwortung in koordinierte Verbesserungen umzusetzen, bevor die nächste grosse Reisehochsaison beginnt.

Für Schweizer Reisende wird die Zeitplanung am Flughafen aufwendiger

Schweizer Passagiere werden die Auswirkungen weiterhin spüren, wenn ihre Reisen über eine Schengen-Aussengrenze führen. Die Schweiz ist als eines der 29 Schengen-Länder Teil des EES-Rahmens, obwohl sie nicht der Europäischen Union angehört. Das System ist somit Teil der Reisekette für Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz, die zu Zielen ausserhalb des Schengen-Raums reisen oder von dort zurückkehren.

Der praktische Rat ist einfach: Planen Sie an Flughäfen, an denen bei der ersten Einreise eine EES-Registrierung erforderlich sein kann, zusätzliche Zeit ein, insbesondere in stark frequentierten Reisezeiten. Reisende sollten prüfen, ob das betreffende Land die App «Travel to Europe» unterstützt, und vor der Abreise alle verfügbaren Vorregistrierungsschritte erledigen. Die Verfügbarkeit der App und die nationalen Verfahren unterscheiden sich. Eine digitale Vorbereitung kann deshalb die Wartezeit an der Grenze noch nicht ersetzen.

Fluggesellschaften und Flughäfen wollen, dass die EU und die nationalen Behörden klarere Verfahren veröffentlichen, den Personaleinsatz koordinieren und mehr funktionierende Kioske sowie automatisierte Kontrollschleusen bereitstellen. Ausserdem fordern sie einen Mechanismus, der sich an den Warteschlangen orientiert und eine vorübergehende Lockerung der Kontrollen ermöglicht, wenn die Sicherheit der Passagiere und der Betrieb des Terminals beeinträchtigt sind.

In der nächsten Phase wird sich zeigen, ob das System seine Sicherheitsziele mit planbarem Reisen vereinbaren kann. Für Passagiere aus der Schweiz wird das Ergebnis daran sichtbar sein, wie viel Zeit sie für den Weg durch einen europäischen Flughafen benötigen, insbesondere wenn eine Anschlussverbindung von einer Warteschlange an einer Grenze abhängt, auf die die Schweiz keinen Einfluss hat.