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Swiss Observer

Dürre und Hagel verursachen bei Schweizer Kulturen Schäden von fast 60 Millionen Franken

Die sommerliche Dürre und Hagel verursachten in der Schweizer Landwirtschaft geschätzte Schäden von 59,2 Millionen Franken, beinahe dreimal so viel wie im Vorjahr. Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen gehörten zu den am stärksten betroffenen Kulturen während der heissesten und trockensten Frühjahrs- und Sommerperiode seit Beginn der Aufzeichnungen.

Dürre und Hagel verursachen bei Schweizer Kulturen Schäden von fast 60 Millionen Franken
AISWI swissinfo.ch

Ernteschäden von 59,2 Millionen Franken bringen die Schweizer Landwirtschaftsversicherer auf Kurs für eines ihrer kostspieligsten Jahre seit Langem. Hagel Schweiz teilte am 24. September mit, dass Dürre und Hagel Verluste verursacht hätten, die beinahe dreimal so hoch seien wie im vergangenen Sommer.

Die Schäden folgten auf eine aussergewöhnlich schwierige Vegetationsperiode. Von April bis August herrschten in der Schweiz die heissesten und trockensten Bedingungen seit Beginn der nationalen Aufzeichnungen im Jahr 1901. Die Wasservorräte der Landwirte waren erschöpft, just in der Zeit, in der viele Sommerkulturen Wurzeln schlugen, wuchsen oder Ertrag ausbildeten. Hagelstürme stellten eine weitere Gefahr dar und beschädigten Pflanzen und Felder in heftigen, örtlich begrenzten Ausbrüchen.

Hagel Schweiz rechnet im laufenden Jahr mit rund 5’800 Schadenmeldungen. Der Versicherer erklärte, die hohen Entschädigungszahlungen würden wahrscheinlich zu einem deutlich negativen Betriebsergebnis führen.

Die Zahlen beziehen sich auf versicherte Landwirtschaftsschäden und nicht auf die gesamten wirtschaftlichen Kosten des Wetters. Sie weisen gleichzeitig auf den Druck auf landwirtschaftliche Einkommen, Versicherer und die Lebensmittelproduktion hin. Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen gehörten zu den am stärksten betroffenen Kulturen. Sie sind wichtige Bestandteile der Schweizer Landwirtschaft, sowohl im Ackerbau als auch in den mit der Tierhaltung verbundenen Lieferketten.

Hagel und Dürre führen zu Tausenden Schadenmeldungen

Hagel verursachte 48 Prozent der gemeldeten Schäden, knapp vor der Dürre mit 45 Prozent, wie Hagel Schweiz mitteilte. Die Zahlen zeigen, wie zwei unterschiedliche Formen von Extremwetter gemeinsam die Ernte 2026 beschädigten.

Hagel kann Blätter, Stängel und Früchte innerhalb weniger Minuten zerstören und lässt den Landwirten kaum Möglichkeiten, ungeschützte Felder zu sichern. Dürre wirkt allmählicher. Sie schränkt die Wasserverfügbarkeit ein, schwächt Pflanzen und kann Erträge sowie Erntequalität über Wochen oder Monate beeinträchtigen. In dieser Saison mussten sich die Landwirte während derselben Vegetationsperiode mit beiden Risiken auseinandersetzen.

Die Aufschlüsselung der Schadenmeldungen durch den Versicherer enthält weder eine Rangliste nach Regionen noch eine finanzielle Gesamtsumme nach Kultur. Sie benennt jedoch die beiden Hauptursachen für die erwarteten 5’800 Schadenmeldungen. Die annähernd gleiche Verteilung spiegelt auch die vielfältige Geografie der Schweizer Landwirtschaft wider. Ungeschützte Felder, lokale Zugbahnen von Gewittern sowie Unterschiede bei Boden und Wasserzugang können von einem Betrieb zum nächsten zu stark unterschiedlichen Folgen führen.

Die Schätzungen von Hagel Schweiz hängen weiterhin von der Prüfung und Abwicklung der Schadenmeldungen ab. Das Ausmass ist jedoch bereits klar. Die Gesamtsumme ist beinahe dreimal so hoch wie im vergangenen Sommer. Gleichzeitig rechnet der Versicherer mit deutlich höheren Entschädigungszahlungen und einem deutlich negativen Betriebsergebnis.

Rekordhitze trocknet Felder und Gewässer aus

Von April bis August war es in der Schweiz so heiss und trocken wie seit 1901 nicht mehr, wie Hagel Schweiz mitteilte. Die Wetteraufzeichnungen bilden den Hintergrund für die Ernteausfälle. Die Überwachung der Wasserstände zeigt jedoch, wie stark sich die Trockenperiode über einzelne Felder hinaus auswirkte.

Zwischen dem 1. April und dem 31. Juli verzeichnete rund ein Fünftel der Schweizer Messstationen für diesen Zeitraum die tiefsten Wasserstände seit Beginn der Messungen. Tiefe Wasserstände können die Bewässerungsmöglichkeiten einschränken und den Wettbewerb um Wasservorräte zwischen Landwirtschaft, Haushalten, Industrie und natürlichen Ökosystemen verschärfen. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Standort, Kultur und Zugang zur Infrastruktur. Die nationale Zahl beschreibt daher nicht die Erfahrungen jedes einzelnen Betriebs.

Für die Landwirte ist der Zeitpunkt ebenso wichtig wie die Niederschlagsmenge der gesamten Saison. Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen benötigen während entscheidender Entwicklungsphasen verlässliche Feuchtigkeit. Ein anhaltendes Defizit im Frühling und Sommer kann das Pflanzenwachstum und die Erträge mindern, während heftige Gewitter möglicherweise zu spät kommen, um die Schäden rückgängig zu machen. Hagel kann die Verluste dann auf denselben Feldern oder in nahe gelegenen Anbaugebieten noch verstärken.

Hagel Schweiz stellte einen direkten Zusammenhang zwischen der diesjährigen Dürre und dem Klimawandel her. Die Einschätzung des Versicherers ergänzt die breiteren Auswirkungen der Rekordhitze um eine landwirtschaftliche Perspektive. Die Hitze betraf auch Gemeinden, Unternehmen und die Natur in der ganzen Schweiz.

Die Schweizer Landwirtschaft rüstet sich für weitere Extreme

Hagel Schweiz rechnet mit einem deutlich negativen Betriebsergebnis, da die Entschädigungszahlungen steigen. Zunächst wird dieser finanzielle Druck den Versicherer treffen. Die Folgen reichen jedoch durch die gesamte Landwirtschaft, wenn Ernten ausfallen oder geringer ausfallen als erwartet.

Landwirte müssen möglicherweise beschädigte Kulturen ersetzen, Liefervereinbarungen neu aushandeln oder höhere Kosten für Wasser, Arbeit und Betriebsmittel tragen. Verarbeiter und Abnehmer können mit knapperen Vorräten an Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen konfrontiert sein. Die verfügbaren Informationen beziffern keine möglichen Auswirkungen auf die Verbraucherpreise. Zudem ist es zu früh, um festzustellen, in welchem Ausmass die Verluste die Schweizer Lebensmittelpreise beeinflussen werden.

Die Erfahrungen des Jahres 2026 werden auch in die Diskussionen über das Risikomanagement auf Landwirtschaftsbetrieben einfliessen. Versicherungen können nach einem Schaden Entschädigungen leisten, während Anpassungsmassnahmen die Risiken verringern können, bevor Extremwetter eintritt. Mögliche Massnahmen sind eine effizientere Bewässerung, eine bessere Speicherung der Bodenfeuchtigkeit, eine vielfältigere Fruchtfolge und eine Feldplanung, die der Hagelgefährdung Rechnung trägt. Aus der Quelle geht nicht hervor, welche Massnahmen einzelne Schweizer Betriebe ergreifen oder wie viel öffentliche Unterstützung zur Verfügung stehen könnte.

Die Warnung von Hagel Schweiz ist eindeutig: Die Dürre zeigt, wie der Klimawandel die Landwirtschaft bereits beeinträchtigt. Angesichts geschätzter Verluste von 59,2 Millionen Franken müssen Schweizer Landwirte und politische Entscheidungsträger nun eine kostspielige Saison beurteilen und sich auf künftige Hitze, Wasserknappheit und schwere Stürme einstellen.