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Swiss Observer

Stiftung für Betroffene von Crans-Montana sucht Mittel für langfristige Erholung

Die Beloved Foundation hat rund 70 Gesuche von Betroffenen des Brandes in Crans-Montana erhalten und erklärt, dass sie zusätzliche Mittel benötigt, um ihre Rehabilitations- und Wiedereingliederungsprogramme aufrechtzuerhalten. Der Artikel beleuchtet, wie die Schweiz Überlebende Monate nach der Katastrophe unterstützt.

Stiftung für Betroffene von Crans-Montana sucht Mittel für langfristige Erholung
AISWI swissinfo.ch

Rund 70 Gesuche liegen der Beloved Foundation inzwischen vor. Sie wurde gegründet, um Menschen zu unterstützen, die vom Brand am Neujahrstag in der Bar Le Constellation in Crans-Montana betroffen waren. Einige Gesuche wurden bewilligt, andere werden noch geprüft. Direktor Christian Cardon sagte, die Stiftung habe bisher kein Gesuch abgelehnt und bereits mehrere Zehntausend Franken ausbezahlt.

Die Zahlen zeigen, dass sich die Nothilfe in eine längere Phase der Erholung verlagert hat. Bei dem Brand kamen 41 Menschen ums Leben, 115 wurden verletzt. Überlebende und Familien haben medizinische, psychologische, schulische und finanzielle Bedürfnisse, die noch lange nach dem Ende der Spitalbehandlung bestehen können. Die Stiftung wurde auf Initiative des Kantons Wallis im März 2026 gegründet.

Ihre Arbeit fällt in eine Zeit, in der Patientinnen und Patienten in der Schweiz in den Alltag zurückkehren und die öffentliche Aufmerksamkeit sich von der Katastrophe abwendet. Zu den Gesuchen gehören inzwischen Anfragen junger Menschen nach beruflicher Weiterbildung sowie Projekte von Angehörigen der Opfer und Hilfe für Menschen, die seit dem Brand in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Die Organisation erklärt, sie werde sich auf Lücken in der bestehenden Unterstützung konzentrieren. Rehabilitation und Wiedereingliederung zählen zu ihren zentralen Aufgaben.

Schweizer Unterstützung schliesst Lücken rund um die Opferhilfe

Der Stiftung wurden 24 Millionen Franken zugesagt. Unterstützt wird sie von den Kantonen Wallis und Waadt, der Gemeinde Crans-Montana sowie privaten Spenderinnen und Spendern. Diese Mittel bilden eine solide Grundlage für Beloved. Die Verantwortlichen sagen jedoch, dass das Ausmass des Bedarfs erst mit der Zeit klarer werde.

Stiftungspräsidentin Doris Leuthard sagte, das Geld finanziere Rehabilitationsprogramme, die Patientinnen und Patienten dabei unterstützen sollen, sich zu erholen und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Solche Programme können eine längerfristige medizinische und psychologische Betreuung, Bildung sowie Hilfe bei der Rückkehr in den Beruf oder in eine Ausbildung umfassen. Das Ausgangsmaterial enthält keine Aufschlüsselung des Fonds nach Programmen oder Begünstigtengruppen.

Cardon sagte, junge Menschen hätten sich wegen beruflicher Weiterbildung an die Stiftung gewandt. Auch Familien hätten eigene Projekte vorgeschlagen, während manche Menschen seit der Tragödie in finanzielle Schwierigkeiten geraten seien. Diese Gesuche weisen auf ein Unterstützungssystem hin, das über unmittelbare Entschädigungen oder Behandlungen hinausgeht.

Das Vorgehen der Stiftung soll die bestehende Unterstützung in der Schweiz ergänzen. Beloved erklärt, Leistungen nach dem Opferhilfegesetz (OHG), auf Französisch LAVI, nicht doppeln zu wollen. Sie werde dort einspringen, wo diese gesetzlich geregelte Unterstützung eine Lücke lasse.

Langfristiger Bedarf veranlasst Beloved zu erneutem Spendenaufruf

Die Stiftung rechnet mit einem mehrjährigen Erholungsprozess. Deshalb bittet sie um zusätzliche Mittel. Leuthard sagte, die Bedürfnisse würden sich verändern und langfristig bestehen bleiben. Cardon begründete das Gesuch direkt mit den körperlichen und psychischen Folgen des Brandes.

Der Aufruf erfolgt, obwohl Beloved über ein Budget von 24 Millionen Franken aus Spenden und Zusagen verfügt. Die Stiftung hat weder ein Ziel für die zusätzliche Mittelbeschaffung bekannt gegeben noch offengelegt, wie viel Geld noch verfügbar ist. Auch eine detaillierte Abrechnung der einzelnen Gesuche hat sie nicht veröffentlicht.

Diese Informationen sind wichtig, denn die Zahl der bisherigen Gesuche könnte den Bedarf erst am Anfang abbilden. Manche Überlebende benötigen möglicherweise im Verlauf ihrer Rehabilitation weitere Unterstützung. Andere könnten später mit Folgen für Bildung, Arbeit, Familienfinanzen oder psychische Gesundheit konfrontiert sein. Gesuche junger Menschen um berufliche Weiterbildung zeigen, dass die Folgen sowohl die Lebensplanung als auch die unmittelbare Erholung betreffen können.

Die Verantwortlichen der Stiftung stellen den Fonds daher als mehrjähriges Instrument dar. Seine Rolle soll gemeinsam mit der öffentlichen Opferhilfe, den medizinischen Diensten und anderen Unterstützungsangeboten beurteilt werden, nicht als deren Ersatz. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob die Schweiz diese Koordination aufrechterhalten kann, wenn die erste Spendenwelle und die öffentliche Aufmerksamkeit abgeklungen sind.

Die Schweiz stellt sich auf eine mehrjährige Erholung ein

In der nächsten Phase zählen Genesung, Qualifikationen und stabile Familienfinanzen, nicht mehr die ersten Soforthilfezahlungen. Beloved nennt Bildung, psychologische Unterstützung und finanzielle Hilfe für bedürftige Familien als Prioritäten. Damit ist die Stiftung Teil eines breiteren Schweizer Netzwerks aus kantonalen Diensten, Opferhilfeorganisationen, Gesundheitsdienstleistern und privaten Spenderinnen und Spendern.

Für den Kanton Wallis bringt die Reaktion eine besondere Verantwortung mit sich. Der Kanton initiierte die Stiftung nach der Katastrophe in Crans-Montana und gehört zu den öffentlichen Geldgebern. Auch der Kanton Waadt hat Mittel zugesagt. Das zeigt die weiterreichenden Folgen einer Tragödie, die Menschen ausserhalb des Ferienorts betraf. Die Gemeinde Crans-Montana und private Spenderinnen und Spender beteiligen sich ebenfalls an der Unterstützung.

Cardons Botschaft lautet, dass die bestehenden 24 Millionen Franken nicht als abschliessende Lösung betrachtet werden können. Bisher wurde kein Gesuch abgelehnt, doch das Gesuchsverfahren entwickelt sich noch weiter. Während Überlebende Behandlungen in Anspruch nehmen, in die Ausbildung zurückkehren oder die Finanzen ihres Haushalts wiederaufbauen, können ihre Bedürfnisse komplexer und weniger sichtbar werden.

Mit ihrem Spendenaufruf hält Beloved die Frage im Zentrum, ob die Unterstützung auch dann noch verfügbar ist, wenn die unmittelbare Krise in den Hintergrund tritt. Für die Schweiz ist dieser Fall ein praktischer Prüfstein dafür, wie öffentliche Systeme und private Mittelbeschaffung zusammenwirken können, wenn die Erholung weit über den Ort der Katastrophe hinaus andauert.