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Swiss Observer

Verdächtiger der Schiesserei am Aarauer Rave stellt sich und schweigt

Der Mann, der verdächtigt wird, an einer Rave-Party in Aarau eine 22-jährige Frau getötet zu haben, hat sich der Polizei im Jura gestellt und wurde in den Aargau überführt. Laut Staatsanwaltschaft schweigt er. Zudem wird angenommen, dass er psychische Probleme hat. Die Ermittlungen dauern an.

Verdächtiger der Schiesserei am Aarauer Rave stellt sich und schweigt
AIThe Local Switzerland

Eine 22-jährige Frau ist tot, der mutmassliche Schütze befindet sich im Gewahrsam der Aargauer Behörden. Der 43-jährige Mann stellte sich am Montag der Kantonspolizei Jura, Tage nachdem in der Nähe des Aarauer Raves Schüsse gefallen waren. Dabei handelt es sich um einen jährlich stattfindenden Techno-Event auf der Aarauer Pferderennbahn.

Die Schüsse fielen am Sonntag vor 3 Uhr morgens. Zu diesem Zeitpunkt besuchten rund 3500 Personen die Party. Laut Polizei starb die Frau am Tatort. Vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren wurden mit Verletzungen von leicht bis schwer ins Spital gebracht. Swissinfo berichtete später, insgesamt seien sechs Personen verletzt worden und zwei davon befänden sich weiterhin im Spital.

Das Opfer war Italienerin. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte sie Maria Spinelli. Das italienische Aussenministerium teilte mit, dass zwei weitere italienische Staatsangehörige leicht verletzt worden seien. Vertreter der Botschaft reisten zum Tatort und verfolgen die Ermittlungen gemeinsam mit den Schweizer Behörden.

Mit der Selbststellung des Verdächtigen ging die Fahndung in ein formelles Strafverfahren unter der Leitung der Aargauer Behörden über. Die Staatsanwaltschaft hat kein mögliches Motiv bekannt gegeben. Die Behörden haben auch nicht mitgeteilt, ob der Verdächtige eines der Opfer kannte.

Verdächtiger schweigt, Staatsanwaltschaft prüft psychischen Zustand

Bei der ersten Einvernahme sagte der Verdächtige den Ermittlern kaum etwas. Der leitende Staatsanwalt Christoph Rüedi sagte, der Mann habe die Aussage verweigert, nachdem ihn die Aargauer Polizei in Gewahrsam genommen hatte. Seine Personalien gab er jedoch an.

Wie Swissinfo berichtete, hatten die im Jura diensthabenden Polizisten das mutmasslich für die Tat verwendete Fahrzeug bereits identifiziert. Der Mann stellte sich dort und wurde für die Ermittlungen in den Aargau überführt. Am Tatort soll er gesagt haben, dass es ihm schon seit einiger Zeit nicht gut gehe.

Die Behörden gehen inzwischen davon aus, dass der Verdächtige möglicherweise psychische Probleme hat. Polizei und Staatsanwaltschaft äusserten sich vorsichtig. Eine Diagnose oder klinische Beurteilung wurde nicht veröffentlicht. Die berichteten psychischen Probleme belegen weder ein Motiv noch bestimmen sie die strafrechtliche Verantwortlichkeit. Dies hängt von den Beweisen und einer allfälligen, von den Behörden angeordneten Begutachtung ab.

Die Ermittler müssen den Ablauf der Ereignisse klären, feststellen, welche Waffe verwendet wurde, und herausfinden, wie die Schusswaffen beschafft und aufbewahrt wurden. Laut Polizei wurden im Auto zwei Pistolen und ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 gefunden. Dieser Fund liefert den Ermittlungen eine wichtige Spur. Die Behörden haben jedoch keine Angaben zu Besitz, Registrierung oder forensischen Verbindungen der Waffen zur Schiesserei gemacht.

Polizei untersucht Waffen und sucht Zeugen am Tatort auf der Rennbahn

Im Auto des Verdächtigen wurden drei Schusswaffen gefunden, womit die Ermittlungen auch einer Waffenspur nachgehen. Die Polizei teilte Medienschaffenden mit, dass die Beamten nach der Identifizierung des mit der Schiesserei in Verbindung gebrachten Fahrzeugs zwei Pistolen und ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 sichergestellt hätten.

Die Forensiker können nun Munition, Geschossfragmente und weitere Spuren mit den am Pferderennbahn-Gelände gesammelten Beweisen vergleichen. Die Behörden haben nicht mitgeteilt, ob eine der drei Waffen abgefeuert wurde, ob sie legal besessen wurden oder wie lange sie sich im Fahrzeug befanden. Diese Fragen bleiben für die Ermittlungen zentral.

Die Schiesserei ereignete sich an einer grossen öffentlichen Veranstaltung, die vom Samstagnachmittag bis in den Sonntagmorgen dauerte. Der Aarauer Rave ist seit Langem ein fester Bestandteil des regionalen Veranstaltungskalenders und bringt Tausende Menschen für elektronische Musik auf die Pferderennbahn. Der Vorfall rückt die Sicherheitsvorkehrungen bei grossen Open-Air-Veranstaltungen und Events auf Rennbahnen erneut in den Fokus. Dazu gehören Zugangskontrollen, Notfallrouten und die Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und Polizei.

Die Behörden haben keine Änderungen für künftige Veranstaltungen angekündigt und auch keine allgemeinere Bedrohung für die Öffentlichkeit beschrieben. Die verfügbaren Beweise betreffen einen mutmasslichen Angreifer, ein Fahrzeug und einen bestimmten Vorfall in der Nähe des Veranstaltungsorts in Aarau. Die Aargauer Polizei ruft weiterhin Personen, die bei der Schussabgabe anwesend waren, dazu auf, sich als Zeugen zu melden.

Schweizer und italienische Behörden verfolgen die Beweise

In den Fall sind nun die Schweizer Polizei, die Aargauer Staatsanwaltschaft und italienische Behörden eingebunden, die die grenzüberschreitenden Folgen verfolgen. Obwohl die Opfer in der Schweiz lebten, hat Italien ein direktes Interesse, weil die getötete Frau und mindestens zwei Verletzte italienische Staatsangehörige waren.

Das italienische Aussenministerium teilte mit, dass Vertreter der Botschaft zum Tatort gereist seien, um die Ermittlungen zu verfolgen. Melonis Bekanntgabe, dass es sich beim Opfer um Maria Spinelli handelt, hat der Getöteten ebenfalls einen Namen gegeben. Die Schweizer Behörden führen weiterhin das Strafverfahren und unterstützen die Verletzten.

Zu den nächsten Schritten gehören Befragungen von Zeugen, forensische Analysen und eine detaillierte Rekonstruktion der Ereignisse vor und nach der Schiesserei. Die Staatsanwaltschaft wird zudem entscheiden, welche weiteren Massnahmen für den Verdächtigen gelten, solange er in Haft bleibt. Sein Schweigen schränkt die unmittelbaren Aussagen ein, die den Ermittlern zur Verfügung stehen. Physische Beweise und Zeugenaussagen sind deshalb besonders wichtig.

Die Behörden haben kein bestätigtes Motiv und keine Erkenntnisse veröffentlicht, die einen Zusammenhang der Schiesserei mit einer umfassenderen extremistischen oder organisierten kriminellen Bedrohung belegen. Die bislang bekannten Fakten belegen eine tödliche Schiesserei an einem gut besuchten Rave in Aarau, die Selbststellung eines 43-jährigen Verdächtigen, die Sicherstellung von drei Schusswaffen sowie laufende Ermittlungen zu seinem psychischen Zustand und seinen Handlungen. Weitere Schlussfolgerungen hängen von den Ermittlungen und den Gerichten ab.