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Swiss Observer

Wohlhabende Zürcher Gemeinden weisen höhere Einbürgerungsraten auf, zeigen neue Daten

Neue Daten aus Zürich, dem Kanton mit der zweithöchsten Einbürgerungsrate der Schweiz, zeigen eine Ungleichheit bei den Einbürgerungsgesuchen: Bewohnerinnen und Bewohner wohlhabenderer Gebiete beantragen statistisch gesehen häufiger den Schweizer Pass. Damit erhält die nationale Integrationsdebatte eine neue Dimension.

Wohlhabende Zürcher Gemeinden weisen höhere Einbürgerungsraten auf, zeigen neue Daten
AIThe Local Switzerland

Die Einbürgerung in Zürich hat eine neue Währung: Wohlstand. Neue Daten, die diese Woche veröffentlicht wurden, zeigen einen auffälligen Zusammenhang zwischen finanzieller Lage und dem Erwerb des begehrten roten Passes. Sie machen deutlich, dass Bewohnerinnen und Bewohner der wohlhabendsten Bezirke des Kantons deutlich häufiger eingebürgert werden als ihre weniger wohlhabenden Pendants. Die berühmte «Goldküste», das sonnenverwöhnte und steuerlich attraktive rechte Ufer des Zürichsees, ist nicht nur ein Ort luxuriösen Wohnens, sondern inzwischen auch das Zentrum eines Einbürgerungsbooms.

Der Weg zum Schweizer Pass ist bekanntermassen anspruchsvoll und mit komplexen bürokratischen Hürden sowie Tests zur kulturellen Integration verbunden. Die Daten legen jedoch nahe, dass wirtschaftliche Stabilität einen entscheidenden Vorteil bietet. Ob es darum geht, die administrativen Kosten zu bewältigen oder dank sozialem Kapital die Gespräche auf Gemeindeebene problemlos zu meistern: Wohlhabende entscheiden sich häufiger für eine Einbürgerung. Der Anstieg der Gesuche aus Gegenden mit vielen vermögenden Menschen stellt die herkömmliche Erzählung über Integration infrage. Er deutet darauf hin, dass der Schweizer Pass für wohlhabende ausländische Einwohnerinnen und Einwohner Zürichs zum wichtigsten Vermögenswert im Portfolio wird.

Zürich und der Rest: Ein Kanton der Gegensätze

Die Ungleichheit ist unübersehbar. Während Zürich seine Stellung als Einbürgerungshochburg festigt, zeigt die geografische Verteilung der neuen Bürgerinnen und Bürger ein zerrissenes Bild. Die Daten weisen auf eine klare Kluft hin: Während die Gesuchszahlen in den Villenvierteln an der Goldküste in die Höhe schnellen, bleiben sie in den Arbeitervierteln des Kantons deutlich zurück. Das ist nicht bloss eine statistische Auffälligkeit, sondern ein Spiegelbild eines Zweiklassensystems, in dem die Motivation zur Einbürgerung oder vielleicht auch die Mittel dazu ungleich verteilt sind.

In ärmeren Gemeinden, in denen oft viele langjährige ausländische Einwohnerinnen und Einwohner leben, die das Rückgrat der lokalen Wirtschaft bilden, wird statistisch gesehen seltener ein Einbürgerungsverfahren eingeleitet. Diese Kluft wirft unbequeme Fragen zur Zugänglichkeit auf. Wird das Verfahren zunehmend zum Privileg weniger statt zum Recht der vielen gut integrierten Menschen? Während sich der Kanton mit diesen Zahlen auseinandersetzt, ist das Schweigen aus den einkommensschwächeren Gebieten ebenso deutlich wie der Ansturm aus den Höhenlagen.

Genf im Visier: Der Kampf um den zweiten Platz

Trotz der wirtschaftlichen Kluft innerhalb des Kantons behauptet sich Zürich auf nationaler Ebene und erreicht die zweithöchste Einbürgerungsrate der ganzen Schweiz. Nur Genf liegt noch weiter vorne. Diese Rangierung ist bedeutsam und zeigt, dass Zürich sich zu einem wichtigen Motor des demografischen Wandels in der Eidgenossenschaft entwickelt. Die Art dieses Wachstums unterscheidet sich jedoch deutlich von jener des französischsprachigen Konkurrenten.

Genf gilt seit Langem als internationaler Schmelztiegel mit einer traditionell offeneren Haltung gegenüber Einbürgerungen. Dass Zürich auf den zweiten Platz aufrückt und dabei stark von seinen wohlhabenden Gebieten geprägt wird, deutet auf einen anderen Mechanismus hin. Der Kanton bürgert nicht nur Arbeitskräfte ein, sondern auch Kapital. Während Zürich den Abstand zu Genf verringert, müssen die Bundesbehörden erkennen, dass sich das Profil der «neuen Schweizerinnen und Schweizer» verändert und zunehmend von den wirtschaftlichen Kraftzentren der Deutschschweiz geprägt wird.

Der Preis der Integration: Eine neue gesellschaftliche Debatte

Diese Daten bringen eine neue, brisante Dimension in die nationale Integrationsdebatte. Wenn Einbürgerungen statistisch gesehen überproportional häufig Wohlhabenden zugutekommen, droht sich die Definition einer «erfolgreichen Integration» am Kontostand statt an der kulturellen Eingliederung auszurichten. Das Phänomen Goldküste legt nahe, dass finanzielle Sicherheit als Abkürzung dient. Damit könnten Menschen ausgeschlossen werden, die seit Jahrzehnten in der Schweiz leben und arbeiten, aber nicht über den finanziellen Rückhalt verfügen, um sich im Einbürgerungsverfahren sicher zu fühlen.

Die Schweiz ist stolz auf ihre direkte Demokratie, die den Willen der Bevölkerung abbildet. Wenn die jüngste Gruppe von Stimmberechtigten jedoch überproportional aus den oberen Einkommensschichten stammt, könnte sich die politische Landschaft der Zukunft verändern. Im Jahr 2026 muss sich der Kanton dieser Realität stellen: Wird der Schweizer Pass zum Luxusgut? Die Zahlen aus Zürich legen nahe, dass dies bereits der Fall ist.