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Swiss Observer

Zürich meldet erste Fortschritte beim Ersatz von Asphalt durch Bäume

Zürich gibt an, nach dem ersten Jahr der Zukunftsinitiative und der Clean-Air-Initiative ein Drittel seines langfristigen Ziels erreicht zu haben, Asphalt durch Grünflächen zu ersetzen.

Zürich meldet erste Fortschritte beim Ersatz von Asphalt durch Bäume
AISWI swissinfo.ch

Zürich hat im ersten Jahr ein Drittel seines Begrünungsziels erreicht, womit das städtische Programm zum Ersatz von Asphalt frühzeitig einen Vorsprung erzielt. Die Zahlen stammen aus dem ersten Fortschrittsbericht zur Zukunftsinitiative und zur Clean-Air-Initiative, die im September 2024 beschlossen wurden. Zürich will bis 2035 600'000 Quadratmeter umgestalten und mehr Platz für Bäume, bepflanzte Flächen und Fussgängerinnen und Fussgänger schaffen.

Der Bericht hält auch Fortschritte im Verkehr fest. Die Stadt hat 8,3% ihres Ziels erreicht, mehr Platz für Velofahrende, Fussgängerinnen und Fussgänger sowie den öffentlichen Verkehr zu schaffen. Zürich wird jedes Jahr einen Umsetzungsbericht veröffentlichen. So lässt sich regelmässig überprüfen, ob politische Zusagen tatsächlich in Strassen, auf Plätzen und in öffentlichen Korridoren umgesetzt werden.

Simone Brander, die für die Beurteilung zuständige Zürcher Stadträtin, bezeichnete das erste Jahr als positiv. Die frühen Zahlen beziehen sich auf Projekte, die bereits weit genug fortgeschritten waren, um berücksichtigt zu werden, während andere Vorhaben noch in Planung oder im Bau sind. Diese Unterscheidung wird mit dem Ausbau des Programms wichtig sein. Der Ersatz von Strassenbelägen erfordert Bewilligungen, Verkehrsmanagement, die Koordination mit dem Kanton und Verhandlungen darüber, wie Zürich den begrenzten öffentlichen Raum verteilt.

Der Überlandpark gibt den Takt vor

Der Überlandpark in Schwamendingen macht 27% des im ersten Bericht erfassten Begrünungsziels aus. Seine Berücksichtigung bildet einen gewichtigen Eckpfeiler der jährlichen Zahlen der Stadt und zeigt, wie ein grosses Projekt im öffentlichen Raum das Verhältnis zwischen versiegelten Flächen und begrünten Bereichen verschieben kann.

Der Park ist Teil eines umfassenderen Vorhabens, Korridore neu zu gestalten, die traditionell in erster Linie dem Verkehr dienten. Zürich rechnet auch Abschnitte neuer Velovorzugsrouten zu den abgeschlossenen Massnahmen. Zusammen verbinden diese Projekte Begrünung mit Fortbewegung in der Stadt. Velorouten, Fussgängerbereiche und Korridore für den öffentlichen Verkehr können verändern, wie die Bevölkerung Strassen erlebt. Begrünte Flächen bieten zudem eine andere Nutzung als Fahrspuren oder gepflasterte Strassenränder.

Die Berichterstattungsmethode macht auch deutlich, weshalb die Jahreszahlen unterschiedlich stark steigen können. Ein grosses Projekt kann in einem Jahr einen erheblichen Anteil beitragen, während sich kleinere Eingriffe allmählicher summieren. Die Stadt hat eine Frist bis 2035 gesetzt und muss deshalb sowohl die Fläche als auch die praktische Umsetzung einzelner Vorhaben verfolgen. Der Überlandpark setzt einen frühen Massstab. Künftige Berichte werden zeigen, ob Zürich dieses Tempo auch bei einer stärker auf einzelne Strassen und Quartierprojekte verteilten Umsetzung halten kann.

Grüne Strassen Schritt für Schritt schaffen

Die Arbeiten an der Winzerhalde in Höngg bringen 45 Bäume und neue unversiegelte Flächen. Das Projekt umfasst auch einen Begegnungsbereich und verbindet so Bepflanzung und Strassengestaltung in einem Vorhaben. Es ist noch nicht in der Gesamtsumme der abgeschlossenen Projekte enthalten, obwohl die Arbeiten bereits begonnen haben.

Diese Lücke zwischen Bauarbeiten und statistischer Erfassung ist wichtig. Im ersten Bericht berücksichtigt Zürich Massnahmen, die den städtischen Kriterien für die Umsetzung entsprechen. Laufende Projekte bleiben hingegen ausserhalb der zentralen Kennzahl. Die Bevölkerung sieht möglicherweise bereits den Beginn der Arbeiten, bevor sich deren volle Wirkung in den jährlichen Daten niederschlägt. Dieses Vorgehen bietet eine klarere Grundlage, um die Umsetzung zu messen, kann den Fortschritt von einem Bericht zum nächsten aber weniger kontinuierlich erscheinen lassen.

Das Vorhaben an der Winzerhalde veranschaulicht den Umfang der Eingriffe, die nötig sind, um bis 2035 600'000 Quadratmeter zu erreichen. Das Programm wird sowohl von grossen Bauvorhaben als auch von kleineren Veränderungen an bestehenden Strassen abhängen. Neue Bäume benötigen unter der Erde ebenso Platz wie darüber. Begegnungsbereiche erfordern zudem Entscheidungen über den Zugang für den Verkehr, das Anliefern, das Parkieren und den öffentlichen Verkehr. Jedes Projekt verändert daher die alltäglichen Regeln einer Strasse und nicht nur ihr Erscheinungsbild. Zürich muss diese Veränderungen konsequent umsetzen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Quartiere während der Bauarbeiten und nach Abschluss der Neugestaltung zugänglich bleiben.

Strassenraum für die Menschen zurückgewinnen

Zürich rechnet damit, dass laufende Projekte bis 2028 26% seines Verkehrsziels erreichen. Laut Branders Einschätzung könnte das Begrünungsprogramm der Stadt im selben Zeitraum 70% seines Ziels erreichen. Die unterschiedlichen Prognosen weisen auf eine zentrale Herausforderung bei der Umsetzung hin: Bepflanzung und Entsiegelung können schneller vorankommen als die Neuverteilung der Strassenkapazität.

Neue Hard und Geroldstrasse zeigen, was diese Neuverteilung bedeutet. Geplant sind 74 Bäume, ein Grünstreifen und eine Reduktion von vier auf zwei Fahrspuren. Mit Baubeginn wird frühestens 2030 gerechnet. Damit ist das Vorhaben den langen Vorlaufzeiten ausgesetzt, die mit grösseren Strassenumbauten einhergehen. Zudem muss Zürich den Verkehrsfluss steuern und auf die Anliegen der Menschen eingehen, die auf die bestehende Strassenführung angewiesen sind.

Am Sihlquai ist die Stadt bereit, mit 105 neuen Bäumen und schmaleren Fahrspuren voranzugehen, doch der Kanton hat das Projekt noch nicht bewilligt. Die Ungewissheit zeigt, dass Zürich nicht alle lokalen Entscheide allein umsetzen kann. Die Bewilligung durch den Kanton, die Verkehrskoordination und die Zeitpläne für öffentliche Bauarbeiten werden beeinflussen, wie schnell die Stadt ihre Ziele in sichtbare Veränderungen umsetzen kann.

Die nächsten acht Jahre messen

Zürichs frühe Zahlen stellen hohe Anforderungen an die kommenden Jahre. Die Stadt hat eine klare Frist, ein jährliches Berichtssystem und mehrere konkret benannte Projekte. Ein grosser Teil des Programms hängt jedoch weiterhin von Entscheiden ab, die noch nicht zu Bauarbeiten geführt haben. Die Vorhaben an der Neuen Hard, der Geroldstrasse und am Sihlquai zeigen, wie ein Ziel für die Pflanzung von Bäumen zu einer Frage der Fahrspurkapazität, der Bewilligungen und der alltäglichen Fortbewegung der Bevölkerung wird.

Der erklärte Zeitplan der Stadt ist bei der Begrünung ehrgeiziger als beim umweltfreundlicheren Verkehr. Brander sagte, die Begrünung könnte bis 2028 70% erreichen, während die bereits geplanten Projekte 26% des Verkehrsziels umsetzen würden. Diese Schätzungen müssen sich an Bauzeitplänen, Entscheiden auf kantonaler Ebene und den praktischen Grenzen von Arbeiten in dicht bebauten Quartieren messen lassen.

Zürichs Erfahrungen werden anderswo in der Schweiz aufmerksam verfolgt werden. Gemeinden im ganzen Land prüfen, wie sie Strassen und öffentliche Räume an heissere Bedingungen anpassen und zugleich die Zugänglichkeit für Busse, Lieferverkehr, Velofahrende und Menschen mit eingeschränkter Mobilität bewahren können. Die jährlichen Berichte Zürichs können dokumentieren, was bewilligt, gebaut und erfasst wird. Die nächsten Meilensteine sind der Abschluss bereits laufender Projekte und ein klarerer Zeitplan für Vorhaben, die noch auf eine Bewilligung warten.