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Swiss Observer

US-Zölle belasten den Schweizer Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit bleibt bei 2,8 Prozent

Die Schweizer Arbeitslosigkeit bleibt trotz des zunehmenden Drucks durch US-Zölle auf exportorientierte Branchen, insbesondere die Pharma- und Uhrenindustrie, stabil bei 2,8 Prozent.

US-Zölle belasten den Schweizer Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit bleibt bei 2,8 Prozent
AIThe Local Switzerland

Die Schweizer Wirtschaft vollführt derzeit einen Hochseilakt, der den globalen Erwartungen widerspricht. Trotz des schleppenden Konjunkturverlaufs und des drohenden Handelskriegs blieb die nationale Arbeitslosenquote im September bei 2,8 Prozent und damit unverändert gegenüber dem Vormonat. Diese statistische Stabilität verdeckt jedoch eine bewegte Entwicklung im Hintergrund. Während die Quote stabil bleibt, erzählen die absoluten Zahlen eine besorgniserregendere Geschichte: Die Gesamtzahl der Arbeitslosen ist auf 133’233 gestiegen, ein deutlicher Anstieg um 17,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) berichtet, dass die Zahlen zwar von Monat zu Monat stabil geblieben sind, der Trend im Jahresvergleich aber eindeutig nach oben zeigt. Wir erleben einen Arbeitsmarkt, der sich biegt, aber noch nicht bricht. Die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Erwerbsbevölkerung ist legendär, doch mit inzwischen 213’750 Stellensuchenden, einem Anstieg um beinahe 16 Prozent gegenüber 2024, wird der Wettbewerb von Tag zu Tag härter. Wir stehen an einem wirtschaftlichen Abgrund, an dem die statistische Stagnation weniger Sicherheit als vielmehr die Ruhe vor einem möglichen Sturm bedeutet.

Die Warnung vor 19’000 verlorenen Arbeitsplätzen: Exportbranchen unter Beschuss

Kein Zweifel: Die aggressive Handelspolitik der US-Regierung ist ein direkter Angriff auf die Schweizer Industrie. Angesichts der hohen Zölle von 39 Prozent auf unsere wichtigsten Exportgüter läuft die Zeit für eine diplomatische Lösung ab. Die KOF Konjunkturforschungsstelle hat eine deutliche Warnung ausgesprochen: Wird kein besseres Handelsabkommen erzielt, drohen bis 2026 19’000 Arbeitsplätze verloren zu gehen.

Die Pharmakonzerne und Uhrenateliers, die Kronjuwelen der Schweizer Exportwirtschaft, stehen im Fadenkreuz. Während Kurzarbeit derzeit als Notmassnahme dient, warnt die KOF, dass «in den kommenden Quartalen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist». Das ist nicht bloss eine Schwankung, sondern eine strukturelle Bedrohung. Bleiben die Zölle bestehen, wird der Schaden für unsere exportorientierte Wirtschaft nicht nur eine Statistik in einem Bericht sein, sondern sich in leeren Fabriken und geschlossenen Werkstätten im Jurabogen zeigen.

Die grosse Kluft: Aufschwung in der Zentralschweiz, Flaute im Süden

Auf dem heutigen Arbeitsmarkt entscheidet die geografische Lage über die Chancen und offenbart eine zersplitterte Wirtschaftslandschaft. Wer Arbeit sucht, sollte sich in die Zentralschweiz orientieren. Der Kanton Obwalden ist derzeit unbestritten der Motor der Chancen und weist beeindruckende 33,66 ausgeschriebene Stellen pro 1’000 Einwohnerinnen und Einwohner auf. Luzern und Graubünden folgen dicht dahinter und bilden einen Korridor mit hoher Nachfrage, der sich deutlich vom Rest des Landes abhebt.

In der lateinischen Schweiz ist die Lage dagegen düster. Das Tessin leidet unter einem beinahe ausgetrockneten Stellenmarkt und bietet gerade einmal 4,64 offene Stellen pro 1’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Auch in der Genferseeregion sieht es kaum besser aus: Waadt und Genf verzeichnen beide weniger als 10 offene Stellen pro 1’000 Personen. Diese dramatischen regionalen Unterschiede deuten auf eine Wirtschaft mit zwei Geschwindigkeiten hin: Während das deutschsprachige Kernland an Fahrt gewinnt, kommen die italienisch- und französischsprachigen Regionen nur schwer voran.

Dringender Personalbedarf: Wer stellt tatsächlich ein?

Trotz des Gegenwinds auf gesamtwirtschaftlicher Ebene suchen einzelne Branchen dringend Fachkräfte. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in handwerklichen Berufen und in der Pflege hat ein kritisches Ausmass erreicht. Pflegefachkräfte sind derzeit besonders gefragt: 5’735 Stellen sind ausgeschrieben. Dicht dahinter folgen Elektrikerinnen und Elektriker, für deren 5’353 offene Stellen Unternehmen händeringend Personal suchen.

Auch der Detailhandel bleibt ein wichtiger Arbeitgeber. Coop ist dabei der grösste Personalrekrutierer des Landes und sucht umgehend 374 neue Mitarbeitende. Selbst renommierte wissenschaftliche Einrichtungen sind auf Personalsuche: Das CERN in Genf sucht 33 spezialisierte Mitarbeitende. Die Botschaft an Stellensuchende ist klar: Statt sich auf Bürojobs zu konzentrieren, sollten sie sich handwerklichen Berufen und dem Gesundheitswesen zuwenden. Dort braucht die Schweizer Wirtschaft dringend Arbeitskräfte.

Demografische Belastung: Junge und ältere Menschen besonders betroffen

Hinter der Schlagzeile von 2,8 Prozent verbirgt sich eine beunruhigende Realität für die verletzlichsten Gruppen unserer Erwerbsbevölkerung. Junge Menschen erleben einen schwierigen Einstieg in die Berufswelt. Die Zahl der arbeitslosen 15- bis 24-Jährigen ist im vergangenen Jahr um beinahe 16 Prozent gestiegen. Betroffen sind 13’861 junge Menschen. Ihre spezifische Arbeitslosenquote liegt zwar weiterhin bei 3,2 Prozent, doch der rasche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich zeigt, dass der Arbeitsmarkt für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger enger wird.

Gleichzeitig stossen ältere Arbeitnehmende bei Arbeitgebern zunehmend auf Ablehnung. Die Arbeitslosigkeit unter den 50- bis 64-Jährigen ist im Jahresvergleich um 17,5 Prozent gestiegen. 36’191 ältere Menschen sind nun ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote dieser Altersgruppe liegt mit 2,5 Prozent zwar weiterhin tief, doch die grosse Zahl erfahrener Fachkräfte, die nicht eingesetzt werden, ist eine wirtschaftliche Ineffizienz, die wir uns nicht leisten können. Angesichts der drohenden Zollkrise dürften diese verletzlichen Gruppen bei einer weiteren wirtschaftlichen Schrumpfung als Erste die Folgen zu spüren bekommen.