öffentliche Gesundheit
Tuberkulosefälle in der Schweiz auf höchstem Stand seit 2018
Die Schweiz verzeichnete 2025 544 Tuberkuloseinfektionen, so viele wie seit 2018 nicht mehr und deutlich mehr als im Vorjahr. Laut dem Bundesamt für Gesundheit konzentrierte sich der Anstieg grösstenteils auf im Ausland geborene Menschen. Bei den 15- bis 19-Jährigen verdoppelte sich die Zahl der Fälle.

Die Schweiz verzeichnete 2025 544 Tuberkuloseinfektionen, so viele wie seit 2018 in keinem Jahr mehr. Das geht aus Zahlen hervor, die das Bundesamt für Gesundheit am 24. September 2026 veröffentlichte. Die Zahl schliesst Liechtenstein ein und liegt 112 Fälle über dem Stand von 2024, als insgesamt 432 Fälle registriert wurden.
Die nationale Melderate stieg von 4,8 auf 6,0 Fälle pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit setzt sich ein seit 2022 sichtbarer Trend fort, der sich im vergangenen Jahr deutlich beschleunigte. Die Schweiz verzeichnete weiterhin weniger Fälle als der europäische Durchschnitt von 8,4 pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Die Zahlen sind bedeutsam, weil Tuberkulose eine konsequente Erkennung, Behandlung und Nachsorge erfordert. Das BAG führt den jüngsten Anstieg fast vollständig auf im Ausland geborene Menschen zurück, während die Zahl der Fälle unter Schweizer Staatsangehörigen stabil blieb. Es bringt diese Entwicklung mit der internationalen Migration, Fluchtbewegungen und der globalen epidemiologischen Lage in Verbindung.
Die Daten weisen nicht auf eine breite Zunahme der lokalen Übertragung hin, erklärte das BAG. Sie zeigen jedoch, wie schnell die Gesundheitssysteme Infektionen erkennen und die Behandlung sicherstellen müssen, wenn Patientinnen und Patienten zwischen Ländern oder durch das Asylsystem ziehen.
Verdoppelung der Fälle bei Teenagern verändert demografisches Bild
Die Zahl der Tuberkulosefälle bei den 15- bis 19-Jährigen hat sich verdoppelt, sie stieg innerhalb eines Jahres von 51 auf 102. Diese Altersgruppe verzeichnete mit 22,3 Fällen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner die höchste Infektionsrate der Schweiz.
Die Häufung bei Teenagern und jungen Erwachsenen verleiht den jüngsten Zahlen ein deutliches demografisches Profil. Laut BAG konzentrierte sich der Anstieg grösstenteils auf im Ausland geborene Menschen. Nach Schweizer Staatsangehörigen stammten die meisten gemeldeten Fälle von Personen aus Eritrea, Somalia und Afghanistan, Ländern, in denen Tuberkulose häufiger vorkommt.
Die Zahlen beziehen sich auf gemeldete Infektionen und stellen keine Einschätzung des individuellen Risikos aufgrund der Staatsangehörigkeit dar. Tuberkulose kann über das Schweizer Gesundheitssystem erkannt und behandelt werden. Die Diagnose kann jedoch erschwert sein, wenn Menschen erst kürzlich zugezogen sind, keine vollständigen medizinischen Unterlagen haben oder beim Zugang zur Versorgung auf Hindernisse stossen.
366 der gemeldeten Fälle betrafen Männer, deutlich mehr als Frauen. Die Quelldaten enthalten keine Aufschlüsselung nach Kantonen und erklären auch nicht die Ursachen für den Geschlechterunterschied. Sie zeigen jedoch, dass der Anstieg bei Teenagern gross genug war, um den nationalen Trend zu beeinflussen.
Nachsorge bei der Behandlung bleibt die Schwachstelle
Laut BAG ist der Anstieg nicht auf eine lokale Übertragung zurückzuführen, ein wichtiger Unterschied für die Einordnung der Zahlen von 2025. Das Amt brachte die Zunahme mit internationaler Migration und Fluchtbewegungen sowie mit der weltweiten epidemiologischen Lage in Verbindung.
Diese Einschätzung erhöht den Druck, an den Eintrittsstellen ins Schweizer System und während des Aufenthalts darin Screening, Diagnose und eine lückenlose Versorgung sicherzustellen. Eine Tuberkulosebehandlung kann sich über Monate erstrecken. Deshalb müssen die Gesundheitsbehörden nach der Diagnose zuverlässig mit den Patientinnen und Patienten in Kontakt bleiben. Die Mobilität im Asylbereich erschwert diese Arbeit.
Das BAG meldete, dass bei 14,6 % der abgeschlossenen Fälle keine entsprechende Meldung vorlag. Unvollständige Daten seien ein Grund dafür, dass die erfasste Behandlungsquote möglicherweise zu tief ausfalle. Dennoch lag die gemeldete Behandlungsquote bei 70,6 % und damit deutlich unter dem Zielwert von 90 % der Weltgesundheitsorganisation.
Die Überwachungszahlen bilden somit zwei unterschiedliche Herausforderungen ab: Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu dokumentieren, was nach der Diagnose geschieht. Eine bessere Meldung und koordinierte Nachsorge würden den Gesundheitsbehörden ein klareres Bild davon geben, ob Behandlungen abgeschlossen werden, und vermeidbare Unterbrüche verhindern helfen.
Die Schweiz muss den Trend verfolgen und Lücken schliessen
Die Tuberkuloserate der Schweiz liegt weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt, doch der Anstieg seit 2022 ist für die Gesundheitsbehörden ein klares Signal, Überwachung und Behandlungskontinuität zu stärken. Die 2025 verzeichneten 6,0 Fälle pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner stehen einem europäischen Durchschnitt von 8,4 gegenüber. Der nationale Anstieg war dennoch beträchtlich und konzentrierte sich auf bestimmte Alters- und Migrationsgruppen.
Die unmittelbaren Prioritäten sind praktischer Art: Teenagern und neu zugezogenen Personen den Zugang zu Tests ermöglichen, Behandlungsunterlagen bei einem Umzug der Patientinnen und Patienten weiterführen und Lücken bei den Fallmeldungen schliessen. Die Zahlen des BAG zeigen zudem, weshalb nationale Gesamtzahlen allein nicht ausreichen. Alter, Geburtsort, Mobilität und die Nachsorge der Behandlung beeinflussen, wie sich die Krankheit in der amtlichen Statistik abbildet.
Das Schweizer Gesundheitssystem verfügt über grosse Erfahrung im Umgang mit Infektionskrankheiten. Tuberkulose erfordert jedoch eine Koordination zwischen den Bundesbehörden, kantonalen Stellen, Spitälern, Asylzentren und Gemeinschaftsorganisationen. Die Zahlen von 2025 bilden die jüngste Grundlage für diese Arbeit.
Die nächsten Überwachungsberichte werden zeigen, ob der Anstieg eine einmalige Beschleunigung war oder Teil eines längerfristigen Trends ist. Vorerst sprechen die Daten für gezielte Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und nicht für einen allgemeinen Anstieg unter Schweizer Staatsangehörigen.