Konsumentenschutz
Warum die Schweiz 148 Millionen unerwünschte Anrufe blockiert
Schweizer Anbieter haben dieses Jahr mehr als 148 Millionen mutmassliche Spam- oder Spoofing-Anrufe bearbeitet.

Mehr als 148 Millionen unerwünschte Anrufe haben 2026 bereits Massnahmen von Schweizer Telefonanbietern ausgelöst. Die Zahl umfasst Anrufe, bei denen Spam oder Rufnummern-Spoofing vermutet wird. Dabei wird ein eingehender Anruf so angezeigt, als stamme er von einer anderen Telefonnummer. Die Anbieter erwarten, dass die Zahl bis zum Jahresende weiter steigt.
Allein Swisscom meldete 102 Millionen Anrufe mit mutmasslichem Spoofing oder Spam. Das Unternehmen blockierte 65 Millionen, anonymisierte 30 Millionen und zeigte bei weiteren 7 Millionen eine Warnung an. Sunrise meldete zwischen Januar und August mehr als 46 Millionen blockierte, anonymisierte oder markierte Anrufe, rund 20 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Die Zahlen zeigen, wie viel Filterung inzwischen innerhalb der Telekommunikationsnetze stattfindet, bevor ein Anruf das Mobiltelefon einer Kundin oder eines Kunden erreicht. Sie zeigen auch, weshalb unerwünschte Anrufe weiterhin schwer zu beseitigen sind. Betrüger können massenhaft Anrufe tätigen, die angezeigte Nummer verändern und sie rasch ersetzen, sobald Anbieter ein Muster erkennen. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sehen möglicherweise weniger verdächtige Anrufe, doch die Systeme, die diese bearbeiten, verarbeiten unablässig neue Kontaktversuche.
Wie Spoofing Anrufe aus dem Ausland schweizerisch erscheinen lässt
Mit Rufnummern-Spoofing können Anrufende sich hinter einer vertraut wirkenden Schweizer Nummer verstecken. Die auf dem Telefon angezeigte Nummer ist kein verlässlicher Beweis dafür, wer anruft. Betrüger können die Anruferkennung manipulieren, sodass ein Anruf aus dem Ausland den Anschein erweckt, von einer Schweizer Mobil-, Festnetz- oder Geschäftsnummer zu kommen.
Diese Masche kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass jemand den Anruf entgegennimmt. Eine Nummer mit lokaler Vorwahl scheint möglicherweise zu einer Bank, einer Versicherung, einer öffentlichen Stelle oder einer Nachbarin beziehungsweise einem Nachbarn zu gehören. Sobald die Verbindung hergestellt ist, versucht die anrufende Person womöglich, persönliche Angaben, Zahlungsdetails oder Zugangsdaten zu erhalten. Der Ausgangsbericht nennt keine einzelnen Betrugsaktionen, bestätigt aber, dass Anbieter gefälschte Nummern als wichtigen Teil des Problems unerwünschter Anrufe behandeln.
Das Ausmass des Missbrauchs aus dem Ausland wird anhand der Zahlen von Sunrise deutlich. Von Januar bis August markierte der Anbieter mehr als 10 Millionen Anrufe aus dem Ausland, weil der Verdacht auf Identitätstäuschung oder Missbrauch einer Schweizer Nummer bestand. Seit Jahresbeginn müssen Anrufe aus dem Ausland, bei denen möglicherweise eine gefälschte Schweizer Nummer angezeigt wird, blockiert oder mit dem Hinweis «unbekannter Anrufer» weitergeleitet werden. Die Regel zielt auf die gegenüber den Empfängerinnen und Empfängern vorgetäuschte Identität ab, nicht auf sämtliche internationalen Anrufe.
Anbieter bauen mehrstufige Schutzmassnahmen auf
Swisscom teilt verdächtigen Telefonverkehr in drei Kategorien ein: blockieren, anonymisieren oder Kundinnen und Kunden warnen. Der Anbieter blockierte dieses Jahr 65 Millionen Anrufe, anonymisierte 30 Millionen und versah 7 Millionen mit einer Warnung. Jede Massnahme beeinflusst, was die angerufene Person mit dem Anruf tun kann, und ermöglicht dem Netz zugleich, legitimen Telefonverkehr zu verarbeiten, der verdächtigem Verhalten ähneln könnte.
Sunrise verfolgt einen ähnlichen mehrstufigen Ansatz. Das Unternehmen teilte mit, seine Systeme hätten zwischen Januar und August mehr als 46 Millionen Anrufe blockiert, anonymisiert oder markiert. Diese Gesamtzahl lag rund ein Fünftel über dem Vorjahreswert für den vergleichbaren Zeitraum. Auch Salt führt einen Mechanismus gegen unerwünschte Anrufe ein, der im Durchschnitt rund zwei von fünf eingehenden Anrufen blockiert.
Die Anbieter veröffentlichen nicht dieselben Kategorien, weshalb ihre Zahlen nicht direkt als Rangliste der Netzleistung verglichen werden können. Die Gesamtzahl von Swisscom bezieht sich auf den Zeitraum bis zum Datum des Berichts, während die Zahl von Sunrise den Zeitraum von Januar bis August umfasst. Die Zahlen belegen jedoch die Breite der Massnahmen: Automatisierte Prüfungen sind zu einem festen Bestandteil der Schweizer Telefondienste geworden und nicht mehr bloss eine Zusatzfunktion für einzelne Kundinnen und Kunden.
Die Betrugsnummern wechseln ständig
Betrüger können ihre Rufnummern schneller wechseln, als statische Sperrlisten angepasst werden können. Salt zufolge sinkt die Wirksamkeit von Gegenmassnahmen, wenn Anrufende die angezeigten Nummern rasch ersetzen. Swisscom bezeichnete diese Aufgabe als «Katz-und-Maus-Spiel». Das widerspiegelt den ständigen Kreislauf aus Erkennung, Sperrung und Anpassung.
Dieser Kreislauf erklärt auch, weshalb ein verdächtiger Anruf eine Kundin oder einen Kunden noch erreichen kann, obwohl Millionen anderer Anrufe gestoppt wurden. Filtersysteme untersuchen Muster in grossen Mengen von Telefonverkehr, darunter den Zusammenhang zwischen der angezeigten Nummer, dem Ursprung des Anrufs und weiteren Signalen, die dem Anbieter zur Verfügung stehen. Eine Nummer, die für sich genommen harmlos wirkt, kann verdächtig werden, wenn sie wiederholt in ungewöhnlichem Telefonverkehr auftaucht.
Der Druck dürfte in den letzten Monaten des Jahres zunehmen. Die Anbieter führen den saisonalen Anstieg unerwünschter Anrufe auf auslaufende Verträge und Versicherungspolicen zurück. Solche Termine bieten Anrufenden Gelegenheiten, sich als Unternehmen auszugeben, die Vertragsverlängerungen anstreben oder neue Angebote unterbreiten. Kundinnen und Kunden sollten unerwartete Aufforderungen zur Herausgabe von Passwörtern, Codes oder Zahlungsangaben sowie die Forderung, sofort zu handeln, als Warnzeichen betrachten. Eine echte Organisation lässt sich über eine verifizierte Nummer oder die offizielle Website kontaktieren, statt über Angaben, die bei einem verdächtigen Anruf mitgeteilt werden.
Was Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten jetzt tun können
Ob aus einem verdächtigen Anruf ein Betrug wird, entscheiden letztlich weiterhin die Konsumentinnen und Konsumenten. Netzfilter können Telefonverkehr blockieren, anonymisieren oder markieren, doch kein System erkennt jeden Versuch. Bei einer unerwarteten Aufforderung ist es am sichersten, aufzulegen und die Organisation selbstständig zu überprüfen.
Geben Sie einer unaufgefordert anrufenden Person keine Bankzugangsdaten, einmal verwendbaren Bestätigungscodes, Passwörter oder Identitätsangaben weiter. Behauptet die anrufende Person, eine Bank, Versicherung, Telekommunikationsanbieterin oder öffentliche Behörde zu vertreten, suchen Sie die Kontaktdaten auf der offiziellen Website, im Kundenportal oder auf einem Kontoauszug. Verlassen Sie sich nicht auf eine Nummer, die während des Anrufs genannt wird. Eine Warnung oder der Hinweis «unbekannter Anrufer» sollte zur Vorsicht mahnen. Dass keine Warnung angezeigt wird, beweist jedoch nicht, dass ein Anruf echt ist.
Schweizer Anbieter werden ihre Systeme weiter anpassen, während Betrüger ihre Methoden verändern. Die mehr als 10 Millionen markierten Anrufe aus dem Ausland bei Sunrise und die 102 Millionen verdächtigen oder Spam-Anrufe bei Swisscom veranschaulichen das Ausmass der bereits geleisteten Arbeit. Für Kundinnen und Kunden ist die praktische Lehre einfach: Lassen Sie unerwartete Anrufe gegebenenfalls unbeantwortet, überprüfen Sie die anrufende Person über einen unabhängigen Kanal und melden Sie wiederholten Missbrauch dem Anbieter. So erhalten automatisierte Filter mehr Informationen und sinkt zugleich das Risiko eines kostspieligen Fehlers.