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Swiss Observer

Schweiz prüft Ampeln gegen Staus auf Autobahnen

Die Schweiz prüft Ampeln und weitere Massnahmen, um Staus auf den zunehmend überlasteten Autobahnen zu bewältigen. Der Regierungsplan ist auf Kritik gestossen, während die Staus auf Strassen, die für einen kleineren Fahrzeugbestand gebaut wurden, weiter zunehmen.

Schweiz prüft Ampeln gegen Staus auf Autobahnen
AIThe Local Switzerland

Auf den Schweizer Autobahnen sind mehr Fahrzeuge unterwegs, als die älteren Anlagen problemlos bewältigen können. Die Regierung prüft nun Ampeln und weitere Verkehrsmanagementmassnahmen, um die Staus einzudämmen, die sich in den vergangenen Jahren im ganzen Land ausgebreitet haben.

Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Schweizer Autobahnnetz durch den wachsenden Fahrzeugbestand anhaltend stark belastet wird. Die Strassen wurden vor Jahrzehnten geplant, als täglich weniger Fahrzeuge unterwegs waren. Im vorliegenden Bericht werden weder die genauen Autobahnzufahrten genannt, an denen Ampeln installiert werden könnten, noch ein Zeitplan für die Umsetzung angegeben. Er zeigt jedoch die politische Richtung auf: Der Bund will steuern, wie der Verkehr auf überlastete Abschnitte gelangt, statt sich allein darauf zu verlassen, zusätzliche Strassenkapazitäten zu schaffen.

Dieser Ansatz würde bereits zu Beginn einer Fahrt zum Tragen kommen. Signale an Autobahnzufahrten könnten den Zufluss von Autos auf eine stark befahrene Strecke regulieren, um zu verhindern, dass der Verkehr ins Stocken gerät und nur noch Stop-and-go möglich ist. Für Pendlerinnen und Pendler, Frachtunternehmen und Reisende zwischen Kantonen würde sich dies in längeren Wartezeiten vor der Autobahn und potenziell besser planbaren Fahrzeiten auf der Autobahn niederschlagen.

Zufahrten regeln

Die vorgeschlagenen Signale würden die Zufahrt zur Autobahn regeln, statt neue Fahrspuren zu schaffen. Dieser Unterschied ist wichtig in einem Land, in dem der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Jahre dauern kann und Entscheide auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene erfordert.

Der Bericht von The Local beschreibt Ampeln als Teil eines umfassenderen Massnahmenpakets. Das Paket wird nicht vollständig erläutert, und die erwartete Verringerung der Staus wird nicht beziffert. Ein solches System müsste sich auf rasch wechselnde Bedingungen einstellen: Pendlerverkehr, Unfälle, Baustellen, Wetter und Verkehr von nahe gelegenen Kantonsstrassen.

Eine Zufahrtsampel kann die Fahrzeuge dosieren, bevor sie auf eine Autobahn auffahren. In der Praxis können dadurch auf Zubringerstrassen Warteschlangen entstehen, während der Verkehr auf der Hauptfahrbahn weiterfliesst. Die Massnahme verlagert somit den Ort, an dem Autofahrerinnen und Autofahrer Verzögerungen erleben. Die Behörden bräuchten zuverlässige Echtzeit-Verkehrsdaten und eine klare Kommunikation, damit die Verkehrsteilnehmenden verstehen, weshalb sie an einer roten Ampel warten müssen, obwohl die vor ihnen liegende Strasse offen scheint.

Die vorliegende Quelle lässt nicht darauf schliessen, dass die Schweiz eine landesweite Einführung beschlossen hat. Der Regierungsplan wird derzeit als geprüfte Reaktion vorgestellt, konkrete Angaben zur Umsetzung müssen noch veröffentlicht werden.

Lokale Kosten abwägen

Der Vorschlag der Regierung ist bereits auf Kritik gestossen. Diese Reaktion spiegelt den praktischen Zielkonflikt der Verkehrsdosierung wider: Eine Massnahme, die Staus auf der Autobahn verringern soll, kann auf den Zufahrtsstrassen zusätzliche Wartezeiten verursachen.

Autofahrerinnen und Autofahrer dürften den Plan danach beurteilen, ob er die Zuverlässigkeit der Fahrzeiten spürbar verbessert. Pendlerinnen und Pendler nehmen vielleicht eine kurze Wartezeit an einer Zufahrt in Kauf, wenn der Verkehr auf der Autobahn weiterfliesst. Das gleiche System könnte auf Widerstand stossen, wenn sich die Warteschlangen auf Stadtstrassen ausdehnen, Buslinien behindern oder den lokalen Verkehr verlangsamen, ohne auf der Hauptstrasse einen klaren Nutzen zu bringen.

Im vorliegenden Bericht werden die Kritikerinnen und Kritiker nicht genannt und ihre konkreten Einwände nicht festgehalten. Auch enthält er keine Zahlen zur Anzahl der Staus, zu ihrer Gesamtlänge oder zu den Kosten der vorgeschlagenen Massnahmen. Diese Lücken werden wichtig sein, wenn die Bundesbehörden den Plan ausarbeiten. Die öffentliche Debatte wird davon abhängen, ob Belege zeigen, wo Staus entstehen, wie Ampeln die Situation verändern würden und welche Gemeinden die zusätzlichen Wartezeiten tragen müssten.

Der Föderalismus in der Schweiz bringt eine weitere Ebene hinzu. Die Autobahnen fallen in die Zuständigkeit des Bundes, während die umliegenden Strassen und das lokale Verkehrsmanagement Sache der Kantons- und Gemeindebehörden sind. Eine Koordination wäre unerlässlich, bevor Signale den Alltag an grossen Autobahnknotenpunkten verändern könnten.

Erfolgskriterien festlegen

Die Belastung der Schweizer Strassen ist strukturell, und Ampeln können nur einen Teil davon bewältigen. Der Bericht führt den Anstieg der Staus auf einen Fahrzeugbestand zurück, der die für eine frühere Zeit geplanten Autobahnen überfordert. Das deutet auf ein Problem hin, das sich nicht allein mit der täglichen Anpassung von Ampelschaltungen lösen lässt.

Der Regierungsplan stellt das Verkehrsmanagement neben die längerfristige Debatte über Strassenkapazität, öffentlichen Verkehr und die Nachfrage nach Mobilität. Bessere Informationen zu Verzögerungen könnten Autofahrerinnen und Autofahrern helfen, andere Abfahrtszeiten oder Routen zu wählen. Zuverlässige Züge und Regionalbusse könnten Pendlerinnen und Pendlern Alternativen bieten, auch wenn die vorliegende Quelle deren Kapazität oder Verfügbarkeit nicht beurteilt.

Die Behörden müssen zudem erklären, anhand welcher Kriterien sie den Erfolg beurteilen wollen. Relevante Messgrössen könnten die Dauer der Warteschlangen an Autobahnzufahrten, die durchschnittlichen Fahrzeiten auf der Autobahn, Verzögerungen auf den umliegenden Strassen und die Häufigkeit des Ampelbetriebs umfassen. In den bereitgestellten Unterlagen wurde keines dieser Ziele veröffentlicht.

Der Vorschlag signalisiert vorerst die Bereitschaft, einzugreifen, bevor Fahrzeuge auf überlastete Abschnitte gelangen. Für den nächsten Schritt braucht es konkrete Standorte, Verkehrsdaten, Konsultationen mit den betroffenen Kantonen und einen öffentlichen Zeitplan. Bis diese Einzelheiten vorliegen, kennen Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer zwar die eingeschlagene Richtung, aber noch nicht die konkrete Ausgestaltung des Systems, dem sie begegnen könnten.