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Swiss Observer

Neue Schweizer Beratungsstelle unterstützt Erwachsene bei Online-Hass

Am 27. Oktober startet in der Deutschschweiz eine neue Beratungsstelle für Erwachsene, die mit Online-Hass und digitaler Gewalt konfrontiert sind. Das Angebot soll sofortige Orientierung und Beratung bieten, da Belästigungen zunehmend über soziale Medien und digitale Plattformen erfolgen.

Neue Schweizer Beratungsstelle unterstützt Erwachsene bei Online-Hass
AISWI swissinfo.ch

Hatehelp öffnet am 27. Oktober 2026 und bietet Erwachsenen in der Deutschschweiz eine neue Anlaufstelle, wenn Online-Missbrauch eskaliert. Fairmedia, die Organisation hinter der Initiative, teilt mit, dass das Angebot Menschen, die auf sozialen Medien und anderen Online-Plattformen digitaler Gewalt ausgesetzt sind, sofortige Orientierung bieten wird.

Belästigungen verfolgen Betroffene zunehmend über einzelne Beiträge oder Konten hinaus. Bei einer Beratung kann es um Drohungen, gezielte Angriffe, Attacken auf Konten oder die Verbreitung schädigender Inhalte gehen. Hatehelp wird zunächst klären, was vorgefallen ist und welche Unterstützung die betroffene Person benötigt. Die Beratungsstelle ist telefonisch oder über ein Formular auf ihrer Website erreichbar.

Der Geschäftsführer von Fairmedia, Jeremias Schulthess, bezeichnete das Projekt als spezialisierte Beratungsstelle für Erwachsene, die von digitaler Gewalt betroffen sind. Bisher konzentrierte sich die Organisation hauptsächlich auf Menschen, über die unfair in den Medien berichtet wurde. Mit dem neuen Angebot weitet sie diese Erfahrung auf den digitalen Bereich aus, wo Betroffene oft gleichzeitig mit Plattformen, rechtlichen Fragen und persönlicher Belastung umgehen müssen.

Das Angebot wird zunächst vom Büro von Fairmedia aus betrieben. Zum Start ist es auf die Deutschschweiz beschränkt. Gleichzeitig arbeitet die Organisation daran, eine längerfristige Finanzierung sicherzustellen und die Plattform weiterzuentwickeln.

Beratende sichern Beweise und schätzen Risiken ein

Hatehelp wird zunächst von vier Mitarbeitenden von Fairmedia betrieben, darunter drei speziell in digitaler Gewalt geschulte Beratende. Das kleine Team nimmt erste Kontakte entgegen und hilft Betroffenen, die nächsten Schritte festzulegen, unabhängig davon, ob technische, rechtliche oder emotionale Unterstützung nötig ist.

Das erste Beratungsgespräch ist kostenlos. Dabei halten die Beratenden die grundlegenden Umstände fest, ermitteln unmittelbare Risiken und besprechen konkrete Schritte. Sie können dazu raten, Screenshots und andere Beweise zu sichern, kompromittierte Konten zu schützen und zu prüfen, ob die Angelegenheit auf rechtlichem oder einem anderen Weg weiterverfolgt werden sollte. Weitere Beratungen sind kostenpflichtig.

Diese Abfolge ist wichtig, denn Online-Missbrauch kann sich rasch verändern. Beiträge können gelöscht, Konten übernommen und Drohungen über mehrere Dienste verbreitet werden. Betroffene sind möglicherweise auch unsicher, welches Material sie sichern oder wie sie sich an eine Plattform wenden sollen. Eine erste Einschätzung kann helfen, den Sachverhalt festzuhalten, bevor Beweise verschwinden, und aufzeigen, ob ein umfassenderes Sicherheitsrisiko besteht.

Schulthess sagte, das Angebot verbinde rechtliche Orientierung mit emotionaler Unterstützung. Fairmedia hat in den vorliegenden Informationen weder Öffnungszeiten noch genaue Antwortzeiten veröffentlicht. Sobald das Angebot startet, müssen sich Nutzerinnen und Nutzer für Angaben zum Betrieb auf der hatehelp-Website informieren.

Online-Hass kann Menschen aus dem öffentlichen Leben verdrängen

Frauen, Personen des öffentlichen Lebens und LGBTIQ-Menschen gehören laut Fairmedia zu den am häufigsten Betroffenen. Das Angebot steht allen Erwachsenen offen, die irgendeine Form digitaler Gewalt erleben, unabhängig von Beruf, politischer Funktion oder Identität.

Wie wichtig spezialisierte Unterstützung ist, zeigt auch eine Studie der Universität Basel aus dem Jahr 2025 zu politisch aktiven jungen Männern und Frauen. Die Studie ergab, dass Frauen deutlich häufiger als Männer angaben, persönliche Erfahrungen mit Online-Angriffen hätten ihre politische Arbeit behindert oder sie zum Rückzug aus der Politik bewogen. Die Quelle nennt keine Prozentzahlen, stellt aber einen Zusammenhang zwischen Online-Missbrauch und der Teilnahme am öffentlichen Leben her.

Dieser Befund verleiht der Beratungsstelle eine Bedeutung, die über die Verwaltung einzelner Konten hinausgeht. Angriffe auf Kandidierende, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Personen mit einer öffentlichen Stimme können beeinflussen, wer in den Schweizer Debatten sichtbar bleibt. Wer sich zurückzieht, kann berufliche Chancen, politischen Einfluss oder die Möglichkeit verlieren, mit den eigenen Gemeinschaften zu kommunizieren.

Hatehelp befasst sich sowohl mit den individuellen Folgen als auch mit dem digitalen Vorfall selbst. Die Beratenden können neben Beweisen, Kontosicherheit und rechtlichen Möglichkeiten auch die emotionale Belastung thematisieren. Fairmedia zufolge richtet sich das Angebot an Erwachsene; das erste Beratungsgespräch ist kostenlos.

Finanzierung und Reichweite prägen die nächste Entwicklungsphase von hatehelp

Stiftungen und der Swisslos-Fonds finanzieren die Entwicklung von hatehelp, während Fairmedia nach einem stabilen langfristigen Finanzierungsmodell sucht. Zu den Organisationen, die Beiträge geleistet haben, gehören die Albert Koechlin Stiftung, die Ernst Göhner Stiftung und die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft.

Dank dieser Finanzierung konnte Fairmedia das Angebot vorbereiten und das erste Beratungsteam schulen. Als Nächstes wird sich zeigen, wie gross die Nachfrage ist. Ein Team von vier Personen, darunter drei Beratende, muss den Zugang zum Angebot, die Komplexität der Fälle und die Nachbetreuung bewältigen, während die Bekanntheit der Beratungsstelle wächst. Fairmedia hat weder erwartete Fallzahlen noch einen Zeitplan für einen Ausbau bekannt gegeben.

Mit dem Start bleiben auch Fragen zur geografischen Reichweite und zu den Sprachen offen. Hatehelp beginnt in der Deutschschweiz. Die vorliegenden Informationen kündigen keine vergleichbaren Angebote in der Romandie oder im Tessin an und geben auch nicht an, ob das Angebot später auf die ganze Schweiz ausgeweitet wird.

Für Menschen, die ab dem 27. Oktober Hilfe suchen, ist der Weg einfach: das Formular auf der Website oder die Telefonleitung nutzen, mit dem kostenlosen Erstgespräch beginnen und relevante Unterlagen sammeln, sofern dies sicher ist. Anschliessend können die Beratenden beurteilen, ob der Schutz von Konten, die Sicherung von Beweisen, rechtliche Beratung oder emotionale Unterstützung Vorrang hat. Wie wirksam das Angebot ist, hängt sowohl von seiner Bekanntheit als auch von der Finanzierung ab, die nötig ist, um den Zugang dauerhaft sicherzustellen.