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Swiss Observer

Säuglingssterbefälle und Totgeburten in der Schweiz stiegen 2025

Offizielle Zahlen zeigen, dass sowohl die Säuglingssterblichkeit als auch die Zahl der Totgeburten in der Schweiz 2025 zunahmen, obwohl die langfristigen Werte des Landes weit unter dem historischen Niveau liegen. Der Artikel untersucht die statistische Bedeutung des Anstiegs und mögliche Einflüsse des Alters und der Gesundheitsrisiken der Mutter, ohne die Aussagekraft der Daten zu überstrapazieren.

Säuglingssterbefälle und Totgeburten in der Schweiz stiegen 2025
AISWI swissinfo.ch

2025 wurden in der Schweiz 274 Säuglingssterbefälle und 363 Totgeburten registriert, wie aus den am 4. September 2026 vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Beide Werte stiegen gegenüber dem Vorjahr, wodurch die perinatale Gesundheit in der Schweiz erneut in den Fokus rückt.

Die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter einem Jahr stieg von 259 im Jahr 2024 auf 274 im Jahr 2025, ein Plus von 5,5 %. Die Zahl der Totgeburten nahm von 331 auf 363 zu, ein Anstieg um 9,7 %. Die Zahlen beziehen sich auf Ereignisse in der ganzen Schweiz. Für sich allein genommen weisen sie weder auf eine gemeinsame Ursache hin noch zeigen sie, ob der Anstieg bestimmte Kantone oder Bevölkerungsgruppen betraf.

Diese Zahlen sind bedeutsam, weil Säuglingssterblichkeit und Totgeburten wichtige Indikatoren für die Gesundheit während der Schwangerschaft, der Geburt und des frühen Lebens sind. Sie können zahlreiche medizinische und soziale Faktoren widerspiegeln, darunter Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt, den Zugang zur Versorgung und gesundheitliche Vorbelastungen. Die Entwicklung in einem einzelnen Jahr lässt jedoch noch keinen Trend erkennen.

Das BFS betont, dass sich der Anstieg anhand der verfügbaren Daten nicht erklären lässt. Weitere Jahresergebnisse und vertiefte Analysen sind nötig, bevor die Behörden feststellen können, ob 2025 eine vorübergehende Abweichung oder der Beginn einer anhaltenden Veränderung war.

Den Anstieg im statistischen Kontext betrachten

Die Zahl der Totgeburten stieg innerhalb eines Jahres um 32 Fälle, von 331 im Jahr 2024 auf 363 im Jahr 2025. Die Zahl der Säuglingssterbefälle nahm im selben Zeitraum um 15 Fälle zu. Der prozentuale Anstieg fällt bei den Totgeburten höher aus, weil die jährlichen Gesamtzahlen relativ klein sind und Veränderungen von Jahr zu Jahr dadurch stärker ins Gewicht fallen.

Das BFS weist darauf hin, dass es von einem Jahr zum nächsten zu erheblichen Schwankungen kommen kann. Dieser Hinweis ist für die Einordnung der Zahlen von 2025 wichtig. Bei kleinen Fallzahlen können sich die Raten bereits durch eine begrenzte Veränderung der Fallzahl deutlich verschieben. Die Ausgangszahlen allein zeigen weder, ob der Anstieg statistisch ungewöhnlich ist, noch ob er anhalten dürfte.

Die Daten umfassen zudem zwei unterschiedliche Ereignisse. Die Säuglingssterblichkeit erfasst Todesfälle im ersten Lebensjahr. In der Schweizer Geburtenstatistik gilt ein Kind als tot geboren, wenn es nach 22 vollendeten Schwangerschaftswochen oder mit einem Geburtsgewicht von mindestens 500 Gramm ohne Lebenszeichen zur Welt kommt. Die Kennzahlen beziehen sich somit auf unterschiedliche Phasen der Schwangerschaft und der frühen Kindheit.

Ein Vergleich der absoluten Zahlen liefert zunächst das deutlichste Bild: Beide Indikatoren stiegen 2025 an. Um die Bedeutung dieser Entwicklung zu beurteilen, braucht es Raten, längere Zeitreihen und eine genauere Untersuchung der Merkmale der betroffenen Schwangerschaften und Geburten.

Risikofaktoren untersuchen, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen

Das BFS nennt mögliche Risikofaktoren, aber keine bewiesene Erklärung. Auf eine Anfrage von Keystone-SDA erklärte das Statistikamt, dass das Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt, individuelle Gesundheitsrisiken und Verhaltensweisen zu den Zahlen beitragen könnten. Es führte den Anstieg von 2025 jedoch auf keinen dieser Faktoren zurück.

Das Alter der Mutter kann das Risikoprofil einer Schwangerschaft beeinflussen. Die veröffentlichten Zahlen zeigen aber nicht, wie sich die Altersverteilung der Mütter 2025 verändert hat. Sie enthalten auch keine Angaben zu Krankengeschichten, Komplikationen während der Schwangerschaft, Behandlungen, Todesursachen oder regionalen Unterschieden. Diese Lücken verhindern, dass sich die nationalen Gesamtzahlen direkt mit einem bestimmten Risikofaktor verknüpfen lassen.

Dieselbe Vorsicht gilt beim Verhalten. Ohne Daten auf individueller Ebene und geeignete Vergleiche lässt sich anhand der Zahlen nicht feststellen, ob Veränderungen im Gesundheitsverhalten eine Rolle gespielt haben. Ebenso wenig lässt sich feststellen, ob sich die Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt oder des ersten Lebensjahres so verändert hat, dass dies die Ergebnisse beeinflusste.

Das BFS hält die Interpretation bewusst eng: Der Anstieg ist belegt, seine Ursachen sind jedoch ungeklärt. Um zufällige jährliche Schwankungen von demografischen oder medizinischen Veränderungen unterscheiden zu können, bräuchten Forschende detaillierte Daten, längere Beobachtungszeiträume und kontrollierte Analysen.

Weitere Jahre beobachten, bevor von einem Trend gesprochen wird

Die langfristige Entwicklung in der Schweiz unterscheidet sich deutlich vom Anstieg innerhalb eines Jahres. Laut BFS sind sowohl die Säuglingssterblichkeit als auch die Totgeburtenrate seit Beginn der gesamtschweizerischen Datenerhebung 1969 insgesamt deutlich gesunken. Die historische Entwicklung umfasst auch kleinere Anstiege. Das zeigt, weshalb ein einzelnes Jahr den Gesundheitszustand der Bevölkerung nicht definieren kann.

Dieser langfristige Rückgang widerspiegelt jahrzehntelange Veränderungen in der Geburtshilfe, der Neonatologie, der Überwachung und der öffentlichen Gesundheit. Das BFS führt die historische Verbesserung jedoch nicht auf einen einzelnen Faktor zurück. Die Zahlen für 2025 sind Teil dieser umfassenderen Entwicklung: Die jährlichen Gesamtzahlen können steigen oder sinken, während der allgemeine Verlauf weiterhin tiefer liegt als in früheren Jahrzehnten.

Die nächsten Schritte sind statistischer und medizinischer Art. Die Behörden müssen die folgenden Jahre beobachten und die Raten im Verhältnis zur Zahl der Geburten untersuchen, statt sich nur auf die Fallzahlen zu stützen. Vertiefte Analysen könnten zudem das Alter der Mutter, gesundheitliche Beschwerden, Schwangerschaftskomplikationen und weitere Merkmale einbeziehen, sofern die entsprechenden Daten verfügbar sind.

Die offizielle Einschätzung bleibt vorerst zurückhaltend. In der Schweiz wurden bei beiden Indikatoren klare Anstiege verzeichnet, doch die Daten zeigen nicht, ob dies auf eine anhaltende Veränderung hindeutet. Künftige Veröffentlichungen des BFS werden zeigen, ob 2025 ein Einzeljahr bleibt oder Teil eines umfassenderen Musters ist.