Schweiz
Schweiz bestätigt heissesten Sommer seit Messbeginn
Die Schweiz hat bestätigt, dass der Sommer 2026 der heisseste seit Messbeginn war. Klimaexperten warnen, dass ungewöhnlich hohe Temperaturen immer weniger aussergewöhnlich werden. Das wirft Fragen zur Vorbereitung auf Hitze und zu den langfristigen Anpassungsplänen des Landes auf.

Der Sommer 2026 stellte den nationalen Hitzerekord der Schweiz auf, gemessen an einer seit 1864 bestehenden Rekordreihe. Die Bestätigung von MeteoNews verleiht dem Erleben der Bevölkerung in den Monaten Juni, Juli und August offizielles Gewicht: anhaltende Hitze, warme Nächte und wiederholt Tage, an denen die Temperaturen deutlich über die saisonüblichen Werte stiegen.
Der Meteorologe Roger Perret sagte, der Sommer habe aussergewöhnlich lange Hitzewellen und an vielen Orten eine Rekordzahl an heissen Tagen über 30°C gebracht. Mehrere Gebiete verzeichneten zudem ungewöhnlich viele sehr heisse Tage über 35°C sowie Tropennächte, die nach Sonnenuntergang kaum Abkühlung boten.
Die Hitze trat nicht als einzelner, isolierter Spitzenwert auf. Sie hielt sich während eines grossen Teils der Saison und belastete Wohnungen ohne ausreichende Kühlung, öffentliche Dienste, die Landwirtschaft und Menschen, die im Freien arbeiten. In Basel wurde mit 39°C ein lokaler Höchstwert gemessen, eine für die Stadt beispiellose Temperatur.
Die Schweiz erlebte zudem einen deutlich sonnigeren Sommer als im Durchschnitt. Gewitter waren weiterhin relativ häufig, konnten aber nicht verhindern, dass die Saison insgesamt zu den trockensten der historischen Messreihe gehörte. Die Kombination aus Hitze, Sonnenschein und geringen Niederschlägen lenkt den Blick verstärkt darauf, wie sich Schweizer Gemeinden auf längere Hitzeperioden vorbereiten.
Basel zeigt die städtische Seite der Hitze
In Basel wurden 39°C gemessen. Das zeigt, wie stark sich die Hitze im städtisch geprägten Norden der Schweiz aufbauen kann. Der Rekordwert fiel während einer landesweiten Hitzewelle, die sich je nach Höhenlage, geografischer Lage und Nähe zu grossen Flusstälern unterschiedlich auswirkte.
Basel liegt im Nordwesten des Landes, wo sich wärmere Luft ansammeln kann und städtische Oberflächen die Wärme speichern. Dichte Bebauung, Strassen und eine begrenzte nächtliche Abkühlung können die Risiken für ältere Menschen, Personen mit chronischen Krankheiten und im Freien Arbeitende erhöhen. Der Höchstwert der Stadt zeigte zudem, dass extreme Hitze nicht mehr auf traditionell wärmere Regionen wie das Tessin oder das Wallis beschränkt ist.
Perrets Einschätzung umfasst mehr als die Schlagzeilen machenden Höchsttemperaturen. An vielen Orten wurde eine Rekordzahl an Tagen über 30°C und 35°C verzeichnet, während Tropennächte die Temperaturen bis in den Abend hinein hoch hielten. Nächtliche Hitze ist bedeutsam, weil der Körper nach einem heissen Tag weniger Gelegenheit hat, sich zu erholen, insbesondere in Wohnungen ohne Klimaanlage.
Die Wetterlage Anfang September verlängerte die Belastung der Saison. Prognosen sagten Temperaturen um 30°C oder darüber in Zürich, Bern, Chur, Schaffhausen, Biasca und Buchs voraus. In Basel wurden 31°C erwartet, in Genf könnten die Temperaturen in der ersten Monatswoche auf 33°C steigen.
Die Dürre verschärft sich im Jura und im Mittelland
Einige Teile der Nordwestschweiz erhielten weniger als die Hälfte der üblichen sommerlichen Niederschlagsmenge. Die Dürre war besonders im Jura und in grossen Teilen des Mittellands ausgeprägt, wo die Niederschläge wiederholt deutlich unter den saisonüblichen Werten lagen.
Perret bezeichnete den Sommer 2026 als einen der trockensten in der langjährigen Schweizer Messreihe. Nur die Sommer 1962 und 1949 waren deutlich trockener. Die Saison war somit von zwei gleichzeitigen Belastungen geprägt: Die hohen Temperaturen verstärkten die Verdunstung, während die Niederschläge Böden und Wassersysteme nicht wie üblich auffüllten.
Die Bedingungen unterschieden sich im Land erheblich. In der Genferseeregion, im Wallis, im Tessin und in Teilen Graubündens war die Lage weniger kritisch als im Jura und in weiten Teilen des Mittellands. Diese ungleiche Verteilung ist für die kantonalen Behörden, die Landwirtschaft und die Wasserwirtschaft bedeutsam, denn nationale Durchschnittswerte können schwerwiegende lokale Engpässe verdecken.
Gewitter brachten zeitweise heftige Niederschläge, doch einzelne Gewitter füllen erschöpfte Grundwasservorräte nicht unbedingt wieder auf und machen die Belastung der Landwirtschaft nicht rückgängig. Zudem kann Wasser auf trockenem oder verhärtetem Boden rasch abfliessen. Die Saison 2026 stellt die regionale Wasserplanung der Schweiz daher auf die Probe, insbesondere dort, wo Landwirtschaft, Ökosysteme und städtischer Bedarf um begrenzte Vorräte konkurrieren.
Klimamodelle verschieben die Ausgangslage
MeteoNews erwartet, dass Sommer wie 2026 immer häufiger werden. Klimamodelle verorten ein solches Muster um das Jahr 2070. Perret wies die Vorstellung zurück, 2026 sei als Ereignis zu betrachten, das nur einmal in hundert Jahren vorkomme. Ein noch heisserer Sommer könnte bereits in den nächsten Jahren eintreten, sagte er.
Die Prognose spiegelt den etablierten Zusammenhang zwischen Emissionen aus fossilen Brennstoffen und steigenden Temperaturen wider. Mit der Erwärmung des Klimas dürften Hitzewellen häufiger, intensiver und länger werden. Dieser Trend verändert den Planungshorizont für Schweizer Institutionen. Der Hitzeschutz kann sich nicht mehr allein auf Massnahmen für aussergewöhnliche Ereignisse stützen.
Kantonale Gesundheitsbehörden, Gemeinden und Arbeitgeber müssen wiederkehrende Perioden gefährlicher Hitze einplanen. Zu den praktischen Massnahmen gehören verständlichere öffentliche Warnungen, Zugang zu kühlen Räumen, Schutz für Bau- und Landwirtschaftsarbeiter sowie gezielte Unterstützung für gefährdete Menschen während Tropennächten. Auch die Bauweise und die Stadtplanung beeinflussen, wie schnell Wohnungen und Quartiere nach Sonnenuntergang abkühlen.
Die Gebirgslandschaft der Schweiz schützt das Land nicht vor dem übergreifenden Klimatrend. Die Höhenlage kann die Temperaturen mancherorts mildern, während sich in Tälern und Städten die Hitze stauen kann. Die regionalen Unterschiede im Jahr 2026 unterstreichen, wie wichtig lokale Anpassungspläne neben der nationalen Klimapolitik sind.
Der September hält die Hitze aufrecht
Die Schweiz startete mit weiterhin hohen Temperaturen in der Prognose in den September und verlängerte damit eine Rekordsaison über den August hinaus. In Genf wurden in der ersten Monatswoche 33°C erwartet, in Zürich, Bern, Chur, Schaffhausen, Biasca und Buchs Temperaturen um 30°C. Für Basel wurden 31°C prognostiziert.
Diese späte Wärme ist bedeutsam, weil Menschen, Böden und Infrastruktur nach einem heissen Sommer nur wenig Zeit zur Erholung haben können. Anhaltend hohe Temperaturen erhöhen den Wasserbedarf und können die Risiken für die öffentliche Gesundheit, Wälder und die Landwirtschaft verlängern. Sie stellen auch auf die Probe, ob Warnungen die Bevölkerung schnell genug erreichen und Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen anpassen, wenn die Hitze anhält.
Der Rekord von 2026 bietet den Schweizer Behörden einen klaren Bezugspunkt, um die Vorbereitung auf Hitze zu überprüfen. Meteorologische Überwachung, öffentliche Kommunikation und die Koordination im Notfall bleiben wesentlich. Die langfristige Anpassung hängt jedoch auch von der Gestaltung von Gebäuden, Strassen, Verkehrsinfrastruktur und Wassersystemen ab.
Perrets Prognose ordnet das Muster von 2026 in eine Zukunft ein, die früher eintreten könnte als erwartet. Für die Schweiz besteht die praktische Aufgabe darin, die regionalen Daten und die Erfahrungen der Bevölkerung aus dieser Saison zu nutzen, um die Vorbereitung vor der nächsten längeren Hitzewelle zu stärken, statt abzuwarten, bis ein weiterer nationaler Rekord zum Handeln zwingt.