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Swiss Observer

Schweiz weitet Massnahmen gegen Tigermücken aus

Die Schweiz weitet ihre Massnahmen gegen die Tigermücke aus und testet Methoden, die sich direkt gegen ausgewachsene Insekten richten, darunter Kohlendioxidfallen und weitere gezielte Bekämpfungsmethoden. Laut Regierung könnte dieses Vorgehen lokale Populationen verringern, muss aber noch wissenschaftlich evaluiert werden.

Schweiz weitet Massnahmen gegen Tigermücken aus
AISWI swissinfo.ch

2025 wurden in der Schweiz 2’639 Mücken gemeldet, woraufhin die Bundesregierung ihre Massnahmen gegen die Asiatische Tigermücke ausweitete. Bern prüft nun Bekämpfungsmethoden, die sich gegen ausgewachsene Insekten richten, zusätzlich zu den Larvizidprogrammen und Kontrollen von Brutstätten, die die kantonalen Behörden bereits einsetzen.

Zum neuen Ansatz gehören Fallen, die Kohlendioxid mit weiteren Lockstoffen kombinieren, um ausgewachsene Mücken anzulocken. Werden sie auf einer ausreichend grossen Fläche eingesetzt, können sie lokale Populationen verringern. Laut Regierung müssen Forschende noch ermitteln, wie viele Fallen erforderlich sind, wie sie verteilt werden sollten und ob wiederholte Fänge eine dauerhafte Wirkung haben.

Der Entscheid fällt, während sich die Art in Teilen der Schweiz weiter etabliert. Genf, Basel und das Tessin gehören zu den Regionen, in denen die grösste Aktivität gemeldet wird. Auch in vier Zürcher Quartieren wurden Tigermücken festgestellt, wie aus einem separaten Bericht vom April 2026 hervorgeht.

Die Tigermücke ist ein Risiko für die öffentliche Gesundheit, weil sie Krankheiten wie Dengue und Chikungunya übertragen kann, wenn infizierte Menschen diese Viren in Gebiete einschleppen, in denen das Insekt vorkommt. Die Schweiz hat kein einheitliches landesweites Modell zur Ausrottung eingeführt. Die Massnahmen richten sich danach, wie weit sich die Mücke lokal ausgebreitet hat und ob eingeschleppte Krankheitsfälle auftreten.

Forschende testen Fallen vor einem breiteren Einsatz

Im Projekt TIGER 2.0 wird geprüft, ob Kohlendioxidfallen auch im Schweizer Massstab funktionieren können. Das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut führt die Forschung gemeinsam mit der Universität Basel durch. Im Zentrum stehen die praktischen Bedingungen, die darüber entscheiden, ob Fallen für ausgewachsene Mücken lokal eine spürbare Verringerung bewirken.

Kohlendioxid ahmt ein Signal nach, das Menschen und andere Tiere aussenden, und hilft so, ausgewachsene Mücken anzulocken. Zusätzliche Lockstoffe können die Fallen selektiver oder wirksamer machen. Die Regierung hat eingeräumt, dass ein grossflächiger Einsatz funktionieren kann, betont aber, dass die bisherigen Erkenntnisse noch nicht alle Fragen zur Umsetzung beantworten.

Die Forschenden untersuchen die Dichte und Platzierung der Fallen, die langfristigen Auswirkungen der Entfernung ausgewachsener Insekten sowie die Rolle der lokalen sozioökonomischen Bedingungen. Die Wohnverhältnisse, Gärten, öffentlichen Räume und Möglichkeiten zur regelmässigen Wartung in einem Quartier könnten die Ergebnisse beeinflussen.

Diese Erkenntnisse sind für Gemeinden wichtig, die den Einsatz von Fallen in Wohngebieten erwägen. Eine geringe Zahl von Geräten fängt womöglich Mücken, ohne die Population deutlich zu verringern. Ein dichtes Netz könnte wirksamer sein, würde aber Finanzierung, Wartung und Koordination zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden erfordern. Die Regierung stellt die Massnahmen gegen ausgewachsene Mücken deshalb als Versuche dar, die die bisherige Arbeit ergänzen und nicht ersetzen.

Die Schweiz prüft sterile Mückentechnik

Die Sterile-Insekten-Technik könnte die lokalen Tigermückenpopulationen in Verbindung mit herkömmlichen Bekämpfungsmethoden um 60 bis 70 Prozent reduzieren. Bei dieser Methode werden sterile männliche Mücken freigesetzt. Sie paaren sich mit Weibchen, bringen aber keine lebensfähigen Nachkommen hervor. Die Methode zielt auf die Fortpflanzung und nicht auf ausgewachsene Insekten, die bereits in einem Quartier unterwegs sind.

Die Schweiz prüft, ob sie sterile Männchen im Inland produzieren kann. Das Programm könnte 2027 oder 2028 einsatzbereit sein. Dieser Zeitplan hängt jedoch von der Forschung, den Produktionskapazitäten und regulatorischen Entscheiden ab. Die Regierung bezeichnet die Technik als umweltfreundlich, sagt aber auch, sie sei deutlich komplexer und ungefähr dreimal teurer als die integrierte Vektorkontrolle.

Die Sterile-Insekten-Technik kann nicht allein eingesetzt werden. Die Behörden müssten weiterhin Brutstätten ausfindig machen, stehendes Wasser beseitigen und gegebenenfalls Larvizide einsetzen. Die angegebene Reduktion gilt, wenn die sterilen Mücken konsequent freigesetzt und mit diesen herkömmlichen Massnahmen kombiniert werden.

Bei einer verwandten Methode, der inkompatiblen Insektentechnik, werden Männchen freigesetzt, die ein Bakterium in sich tragen, das eine erfolgreiche Fortpflanzung verhindert. Die Regierung sieht dafür grössere Chancen in Regionen, in denen durch Mücken übertragene Krankheiten weit verbreitet sind. In der Schweiz kommt das Bakterium jedoch bereits in Tigermücken vor, zumindest im Tessin. Die lokalen Populationen könnten daher eine Resistenz entwickelt haben, während sich die ökologischen Auswirkungen nur schwer beurteilen lassen.

Kantone passen die Bekämpfung dem lokalen Risiko an

Von 2’537 gültigen Mückenmeldungen im Jahr 2025 betrafen 774 Tigermücken. Das entsprach 31 Prozent der gültigen Meldungen, wie aus den von der Bundesregierung angeführten Zahlen hervorgeht. Die Zahlen zeigen sowohl das Ausmass der Meldungen aus der Bevölkerung als auch, wie wichtig die Überprüfung durch Fachleute ist.

Die Behörden setzen ein gestaffeltes System ein, um zu entscheiden, wie intensiv sie reagieren. In Kantonen, in denen noch keine Tigermücken aufgetreten sind oder nur vereinzelte Sichtungen gemeldet wurden, hat die rasche Beseitigung von Brutstätten Priorität. Kleine Behälter, Untersetzer von Pflanzen, verstopfte Abflüsse und andere Stellen mit stehendem Wasser können Larven geeignete Entwicklungsbedingungen bieten.

In Gebieten, in denen sich die Art etabliert hat, also in Phase zwei, liegt der Schwerpunkt auf einer kontinuierlichen Vektorkontrolle. Larvizide sind dabei ein wichtiges Mittel, weil sie unreife Mücken bekämpfen, bevor diese als ausgewachsene Insekten schlüpfen. Phase drei gilt, wenn eingeschleppte Krankheitsfälle festgestellt wurden. Dort wird von den Behörden erwartet, dass sie die Bekämpfung in möglichen Übertragungsgebieten verstärken.

Dieses System ermöglicht es den Kantonen, die Massnahmen an die örtlichen Bedingungen anzupassen. Es setzt zudem voraus, dass Einwohnerinnen und Einwohner, Gemeinden und Gesundheitsbehörden rasch auf Meldungen reagieren. Genf, Basel und das Tessin sind stärker gefordert als Kantone mit vereinzelten Feststellungen. Die jüngsten Sichtungen in Zürich zeigen zudem, dass sich die geografische Lage von Jahr zu Jahr verändern kann.

Bern stützt die nächste Phase auf Erkenntnisse

Die Bundesregierung hat den Bedarf an zusätzlichen Instrumenten anerkannt, unterstützt aber nicht jede vorgeschlagene Technologie. Sie reagierte damit auf ein Postulat der Parlamentarierin Sarah Wyss, die forderte, neu auftretende invasive Arten konsequent zu bekämpfen und Projekte auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse durch den Bund zu unterstützen.

Bern erklärt, die im Postulat angesprochenen Zuständigkeiten seien bereits durch bestehende Programme und die neue Prüfung ergänzender Methoden abgedeckt. Die Umsetzung hängt damit weitgehend von den Erkenntnissen aus laufenden Versuchen ab, darunter TIGER 2.0 und die Schweizer Untersuchung zur Produktion steriler Männchen.

Für die Bevölkerung bleiben die unmittelbaren Massnahmen vertraut: stehendes Wasser beseitigen, vermutete Tigermücken melden und den Anweisungen des Kantons folgen. Die Gemeindedienste müssen Brutstätten weiterhin kontrollieren und Larvizide einsetzen, wenn dies die gestaffelte Strategie vorsieht. Fallen und Eingriffe in die Fortpflanzung könnten zusätzliche Möglichkeiten bieten, sind aber bislang nicht als allgemeiner Ersatz für die integrierte Vektorkontrolle zugelassen.

Die nächsten Entscheide der Schweiz hängen von Ergebnissen ab, die noch erhoben werden. Die Forschenden müssen zeigen, wie Fallen für ausgewachsene Mücken in verschiedenen Quartieren funktionieren, ob sterile Mücken zuverlässig produziert werden können und wie viel die einzelnen Massnahmen kosten. Anschliessend muss die Regierung bestimmen, wo neue Massnahmen gegenüber den bereits bestehenden Kontrollen einen klaren Nutzen bieten.