Verkehrssicherheit
Schweizer Polizei setzt Drohnen ein, um Raser auf Bergstrassen zu erwischen
Die St. Galler Polizei setzt Drohnen ein, um auf einem Pass Geschwindigkeitsüberschreitungen zu erkennen. Dabei berechnet sie die Geschwindigkeit von Fahrzeugen anhand von Luftaufnahmen. Laut den Behörden sollen die gezielten Kontrollen die Verkehrssicherheit verbessern, obwohl bei sechs Einsätzen in diesem Jahr nur zwei Verstösse festgestellt wurden.

Sechs gezielte Einsätze bringen die Überwachung der Geschwindigkeit aus der Luft auf eine befahrene Schweizer Bergstrasse. Seit Anfang 2026 setzt die Kantonspolizei St. Gallen Drohnen am Hulfteggpass ein, der das Toggenburg mit dem Zürcher Tösstal verbindet. Die Kontrollen konzentrieren sich auf Abschnitte, bei denen die Polizei Hinweise darauf hat, dass Fahrzeuglenkende die Höchstgeschwindigkeit überschreiten.
Die bisher veröffentlichten Zahlen sind begrenzt, aber eindeutig: Die Polizei führte sechs Drohnenkontrollen durch und stellte zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen fest. Die Einsätze sind Teil der Verkehrskontrollen des Kantons und sollen die Sicherheit in einem Gebiet verbessern, in dem Strassenführung, Steigungen und Kurven es schwierig machen können, die Geschwindigkeit vom Strassenrand aus einzuschätzen.
Die St. Galler Polizei stellte den Drohneneinsatz als gezielte Methode dar und nicht als flächendeckende Aktion im ganzen Kanton. Die Technik verschafft den Einsatzkräften einen Blick aus der Luft auf Fahrzeuge, die den überwachten Abschnitt durchfahren, und ermöglicht es ihnen, die Geschwindigkeit über eine gemessene Strecke zu überprüfen.
Der von Keystone-SDA am 16. Oktober 2026 veröffentlichte Bericht nennt weder die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Hulfteggstrasse noch die gemessenen Geschwindigkeiten oder Einzelheiten zu verhängten Sanktionen. Er bestätigt jedoch, dass der Kanton die Luftbildüberwachung als zusätzliches Kontrollmittel auf einer seiner Bergstrecken einsetzt.
Geschwindigkeit aus der Luft messen
Die Polizei berechnet die Geschwindigkeit anhand der in Luftaufnahmen erfassten Strecke und Zeit. Mit dieser Methode können die Einsatzkräfte die Bewegung eines Fahrzeugs über einen festgelegten Strassenabschnitt verfolgen und bestimmen, wie lange es braucht, um diese Strecke zurückzulegen. Der Bericht nennt dies als Grundlage für die Kontrollen in St. Gallen.
Eine Drohne kann die Strasse von oben beobachten und dabei den gesamten Abschnitt im Blick behalten. Diese Perspektive ist am Hulfteggpass besonders relevant, da Kurven und Höhenunterschiede die Sicht einer Patrouille einschränken können, wenn sie nur an einem Punkt am Strassenrand positioniert ist. Im verfügbaren Bericht werden weder das Drohnenmodell noch die Länge der gemessenen Strecke, die zur Überprüfung der Aufnahmen eingesetzte Ausrüstung oder die Kommunikation mit Fahrzeuglenkenden nach der Erfassung eines Verstosses genannt.
Diese Einzelheiten sind wichtig, weil die Luftüberwachung eine genaue Positionierung, klare Videoaufnahmen und eine zuverlässige Zuordnung der Aufnahmen zum gemessenen Fahrzeug voraussetzt. Bislang hat die St. Galler Polizei das Funktionsprinzip und die Zahl der Kontrollen bekannt gegeben, jedoch keine vollständige technische Beschreibung.
Mit diesem Ansatz kann der Kanton die Kontrollen zudem auf jene Stellen konzentrieren, an denen die Polizei ein Problem mit überhöhter Geschwindigkeit vermutet. Die Hulfteggstrasse dient damit als Testfall dafür, wie Schweizer Kantonsbehörden unbemannte Luftfahrzeuge ergänzend zu herkömmlichen Verkehrspatrouillen einsetzen könnten.
Die ersten Ergebnisse mit Bedacht einordnen
Bei sechs Drohneneinsätzen wurden zwei Verstösse festgestellt, ein bescheidenes, aber konkretes erstes Ergebnis. Aus dieser Zahl geht nicht hervor, wie viele Fahrzeuge die Polizei beobachtete, wie lange jeder Einsatz dauerte oder ob die Kontrollen auf bestimmte Tage oder Uhrzeiten konzentriert waren. Sie zeigt jedoch, dass die Drohneneinsätze im ersten Jahr ihres Einsatzes zu erfassten Geschwindigkeitsüberschreitungen geführt haben.
Die geringe Zahl festgestellter Verstösse sollte in diesem begrenzten Kontext betrachtet werden. Die St. Galler Polizei erklärt, dass sich die Einsätze gezielt auf Strassenabschnitte mit Hinweisen auf überhöhte Geschwindigkeit richten und nicht laufend durchgeführt werden. Aus einer kleinen Zahl von Kontrollen lässt sich keine allgemeine Aussage zur Häufigkeit von Geschwindigkeitsüberschreitungen am Hulfteggpass oder auf den Bergstrassen des Kantons ableiten.
Die Initiative fällt in eine Zeit, in der gefährliches Fahrverhalten von Fahrzeugen mit Bezug zur Schweiz breitere Aufmerksamkeit erhält. In einem separaten Fall, über den im September berichtet wurde, hielt die französische Polizei einen Porsche-Fahrer an, der auf einer Autobahn südöstlich von Genf mit 312 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Die Höchstgeschwindigkeit dort betrug 130 Kilometer pro Stunde. Dieser Vorfall steht nicht mit den Drohnenkontrollen in St. Gallen in Zusammenhang und ereignete sich unter anderen Zuständigkeiten und Strassenbedingungen.
Zusammengenommen veranschaulichen die Fälle die Bandbreite der Aufgaben der Schweizer und benachbarten Polizeikorps im Bereich der Verkehrskontrollen: von gezielter Überwachung auf einem Pass bis zu einem Einschreiten bei sehr hoher Geschwindigkeit auf einer Autobahn.
Die nächsten Kontrollen im Blick behalten
Der Einsatz am Hulfteggpass bietet der St. Galler Polizei eine weitere Möglichkeit, vermutete Geschwindigkeitsüberschreitungen in schwierigem Gelände gezielt zu kontrollieren. Der Kanton hat nicht bekannt gegeben, wie häufig die Kontrollen fortgesetzt werden, ob die Drohnenüberwachung auf weitere Strassen ausgeweitet wird oder ob die beiden festgestellten Verstösse zu Änderungen der Kontrollpraxis führen werden.
Für Fahrzeuglenkende ist die unmittelbare Botschaft praktischer Art: Eine Bergstrasse kann nicht nur vom Strassenrand, sondern auch aus der Luft überwacht werden. Der Polizeieinsatz betrifft einen bestimmten Pass und ist kein Beleg dafür, dass auf allen Schweizer Strassen Drohnenkontrollen stattfinden. Einzelheiten wie der überwachte Ort, die geltende Höchstgeschwindigkeit und die Verarbeitung der aufgezeichneten Bilder bleiben für jeden Einzelfall wichtig.
Für die Behörden hängt das weitere Vorgehen davon ab, welche Erkenntnisse die Einsätze mit der Zeit liefern. Wiederholte Kontrollen könnten zeigen, ob sich vermutete Geschwindigkeitsüberschreitungen auf bestimmte Stellen des Passes konzentrieren. Sie könnten der Polizei auch helfen zu entscheiden, wann eine Drohne nützliche Informationen liefert, die eine herkömmliche Patrouille nicht ohne Weiteres beschaffen kann. Das Ausgangsmaterial berichtet von keinem Entscheid, das Programm auszuweiten.
Das Experiment in St. Gallen bleibt somit gezielt und beschränkt: sechs Kontrollen, zwei festgestellte Verstösse und das erklärte Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Seine Bedeutung wird deutlicher, wenn der Kanton weitere Ergebnisse, technische Einzelheiten oder Pläne für andere Bergstrecken veröffentlicht.