Verkehrssicherheit
Eltern warnen: Zu viele Schweizer Schulwege sind weiterhin gefährlich
Eine Umfrage unter Schweizer Eltern zeigt, dass viele den Schulweg für unsicher halten, insbesondere dort, wo Kinder Strassen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde oder mehr überqueren müssen. Die Ergebnisse erneuern die Forderungen nach sichereren Querungen und Fusswegen sowie tieferen Geschwindigkeiten im Umfeld von Schulen.

41% der Eltern mit Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren sagen laut einer neuen Schweizer Umfrage, der Schulweg sei gefährlich. Damit rückt der alltägliche Schulweg erneut ins Zentrum der Debatte um die Verkehrssicherheit: Kinder im ganzen Land gehen zu Fuss, fahren mit dem Velo oder werden auf dem Weg zum Unterricht durch den Verkehr begleitet.
Das Meinungsforschungsinstitut YouGov befragte im Auftrag des Verkehrs-Clubs der Schweiz, bekannt unter dem deutschen Kürzel VCS und dem französischen Kürzel ATE, sowie des Fonds für Verkehrssicherheit 800 Eltern. Die Studie ergab, dass 85% der Kinder eine Strasse überqueren, auf der die Geschwindigkeitslimite bei 50 Kilometern pro Stunde oder höher liegt.
Besonders wichtig ist diese Belastung an den Stellen, an denen Kinder den Verkehr selbst einschätzen müssen. Eine Querung neben einer stark befahrenen Hauptverkehrsstrasse, ein fehlender Fussweg oder eine Kreuzung mit schlechter Sicht können einen kurzen Fussweg für Familien zu einer täglichen Sorge machen. Die meisten Kinder in der Schweiz gehen zu Fuss zur Schule. Damit gehört die Gestaltung der Quartierstrassen regelmässig zur Kindheit und ist nicht bloss ein gelegentliches Sicherheitsproblem.
Die am 7. September 2026 veröffentlichten Ergebnisse liefern den Gemeinden neue Anhaltspunkte, um die Schulwege vor dem nächsten Schulbeginn und im Rahmen der längerfristigen Verkehrsplanung zu überprüfen.
Schnelle Strassen lassen wenig Spielraum
85% der befragten Kinder überqueren auf ihrem Schulweg eine Strasse mit einer Geschwindigkeitslimite von mindestens 50 Kilometern pro Stunde. Diese Zahl macht die Herausforderung für die Infrastruktur in Schweizer Gemeinden deutlich: Viele Kinder müssen Strassen bewältigen, die auf einen möglichst effizienten Fahrzeugverkehr ausgelegt sind, während sie gleichzeitig ihr eigenes Verständnis für den Verkehr entwickeln.
Der VCS fordert Fusswege entlang der Schulwege, sichere Fussgängerstreifen und tiefere Geschwindigkeitslimiten. Zudem sollen die Behörden bestehende Regeln konsequent durchsetzen. Diese Massnahmen setzen an unterschiedlichen Stellen des Schulwegs an. Ein durchgehender Fussweg trennt die Kinder vom fliessenden Verkehr. Eine gut gestaltete Querung bietet ihnen einen klar erkennbaren Ort zum Überqueren. Tiefere Geschwindigkeiten verkürzen die Strecke, die ein Fahrzeug bis zum Stillstand zurücklegt, und verringern die Schwere eines Unfalls.
Die Umfrage bewertet keine einzelnen Strassen und nennt keine bestimmten Gemeinden. Sie zeigt jedoch, wie weit verbreitet die Sorgen unter Eltern jüngerer Kinder sind. Im Alter von vier bis sieben Jahren beginnen viele Kinder, selbstständiger unterwegs zu sein, während sie noch lernen, wie sich der Verkehr an Kreuzungen, Querungen und Einfahrten verhält.
Für die Gemeinden besteht die praktische Aufgabe darin, die tatsächlich genutzten Wege der Kinder zu erfassen, einschliesslich Abkürzungen und informeller Querungsstellen. Sicherheitsüberprüfungen, die sich nur auf ausgewiesene Wege konzentrieren, können die Stellen übersehen, an denen Familien jeden Morgen den grössten Risiken ausgesetzt sind.
Regionale Unterschiede verschärfen die Debatte
Eltern in der Romandie und im Tessin bewerteten die Sicherheit auf dem Schulweg deutlich schlechter als Eltern in anderen Landesteilen. Die Umfrage weist auf regionale Unterschiede in der Wahrnehmung des Schulwegs hin, führt diese aber nicht auf eine bestimmte Strassengestaltung, einen Kanton oder eine Gemeindepolitik zurück.
Die Schulwege in der Schweiz unterscheiden sich stark. Kinder gehen durch dicht besiedelte städtische Quartiere, entlang von Dorfstrassen, neben Kantonsstrassen oder über Strassen, die vom Tourismus- und Pendlerverkehr geprägt sind. Die örtliche Geografie, das Verkehrsaufkommen, das Fusswegnetz und die Lage der Schulen beeinflussen allesamt die Risiken, die Eltern täglich wahrnehmen.
Das regionale Ergebnis sollte deshalb lokale Abklärungen anstossen und nicht zu einer einheitlichen nationalen Vorlage führen. Kantone und Gemeinden können Unfalldaten mit den Erfahrungen der Eltern vergleichen, Querungen zu Schulbeginn und Schulschluss überprüfen und Wege ermitteln, auf denen Kinder die Fahrbahn betreten, weil kein durchgehender Fussweg vorhanden ist. Schulen und Elterngruppen können helfen, solche Lücken zu dokumentieren.
Die Forderungen des VCS gelten für alle Sprachregionen: sichere Fusswege, sichere Querungen, tiefere Geschwindigkeiten und eine wirksame Durchsetzung der Regeln. Die Umfrage bietet diesen Forderungen eine gemeinsame nationale Grundlage, während die Umsetzung den für die Quartierstrassen und den Schulzugang zuständigen Behörden überlassen bleibt.
Laufbusse bringen Erwachsene auf den Schulweg
Laufbusse bieten eine kurzfristige Lösung, während die Behörden dauerhafte Änderungen an Strassen und Querungen prüfen. Bei diesem System begleiten Erwachsene Gruppen von Kindern auf einer festgelegten Route, holen die Schülerinnen und Schüler an vereinbarten Treffpunkten ab und gehen mit ihnen zur Schule.
Der VCS fordert die Gemeinden auf, solche Angebote auszubauen. Laufbusse ermöglichen es, jüngere Kinder zu beaufsichtigen, ohne dass jeder Elternteil eine separate Autofahrt unternehmen muss. Zudem können Familien dabei Problemstellen erkennen, etwa Querungen mit schlechter Sicht oder Abschnitte, an denen der Fussweg endet. Die Organisierenden brauchen weiterhin zuverlässige Freiwillige, klare Fahrpläne und Routen, die von den lokalen Behörden überprüft wurden.
Der Vorschlag passt zu einer breiteren Schweizer Sorge um die Selbstständigkeit und Gesundheit von Kindern. Der VCS sagt, dass Kinder, die zu Fuss zur Schule gehen, gesünder und im Unterricht aufmerksamer sind und nach und nach wichtige Fähigkeiten für die Verkehrssicherheit entwickeln. Diese Vorteile setzen Wege voraus, die Eltern für sicher genug halten, damit Kinder sie benutzen können.
Laufbusse können bauliche Änderungen dort nicht ersetzen, wo Verkehrsgeschwindigkeiten und Strassenführung ernsthafte Risiken schaffen. Sie können jedoch sofort eine zusätzliche Aufsicht bieten und Schulen, Familien und Gemeinden eine praktische Möglichkeit geben, dieselbe Karte des morgendlichen Schulwegs zu nutzen.
Gemeinden müssen Bedenken in Veränderungen umsetzen
Die Erwartungen der Eltern an die lokalen Behörden sind klar: sichere Fusswege, sichere Fussgängerstreifen, tiefere Geschwindigkeitslimiten und eine konsequente Durchsetzung der Regeln. Die Umfrage schreibt nicht vor, wie jede Gemeinde reagieren soll, benennt aber die Massnahmen, die Familien im Umfeld von Schulen sehen möchten.
Einige Änderungen können mit einer Überprüfung der Schulwege beginnen. Die Verantwortlichen können den Verkehr während der Schulöffnungszeiten beobachten, Fahrzeuggeschwindigkeiten messen, Sichtverhältnisse prüfen und festhalten, wo Kinder ausserhalb markierter Querungen die Strasse überqueren. Anschliessend können sie Orte priorisieren, die von besonders vielen Schülerinnen und Schülern genutzt werden oder an denen die Geschwindigkeitslimite bei 50 Kilometern pro Stunde oder höher liegt.
Dauerhafte Arbeiten können eine Koordination zwischen Gemeinden, Kantonen, Schulen und Polizei erfordern. Für einen neuen Fussweg können Land- und Bauentscheide nötig sein. Eine tiefere Geschwindigkeitslimite erfordert eine amtliche Verkehrsanordnung und deren Durchsetzung. Bei der Gestaltung von Querungen müssen Beleuchtung, Sichtverhältnisse, Zugänglichkeit und das Verhalten der Autofahrer zu Stosszeiten berücksichtigt werden.
Die Botschaft der Umfrage ist praktisch: Die meisten Kinder in der Schweiz gehen zu Fuss zur Schule, und viele von ihnen überqueren dabei Strassen, die ihre Eltern für unsicher halten. Nun wird sich zeigen, ob die lokalen Pläne diese Sorgen in sicherere Schulwege, klarere Querungen und Geschwindigkeiten umsetzen, die den täglichen Wegen der Kinder angepasst sind.