Schweiz
Schweizer Achterbahnhersteller untersucht tödlichen Unfall in den USA
Ein Schweizer Achterbahnhersteller untersucht einen tödlichen Unfall mit seiner Attraktion Goliath im Freizeitpark Six Flags Over Georgia nahe Atlanta. Ein 42-jähriger Mann starb, nachdem er aus der Attraktion geschleudert worden war. Die Polizei und US-Behörden ermitteln zur Unfallursache.

Am Montag starb ein 42-jähriger Mann, nachdem er aus der Achterbahn Goliath im Freizeitpark Six Flags Over Georgia nahe Atlanta geschleudert worden war. Die Polizei teilte mit, dass mehrere weitere Besucher verletzt wurden. Die Ursache war zunächst unklar. Der Vorfall hat ein Schweizer Ingenieurunternehmen ins Zentrum der Ermittlungen in den USA gerückt.
Bolliger & Mabillard mit Sitz im Wallis bestätigte, dass das Unternehmen den Unfall untersucht. Olivier Bolliger sagte ABC News, das Unternehmen sei «zutiefst erschüttert» und seine Gedanken seien bei der Familie des Opfers und den weiteren Betroffenen. In einer Stellungnahme gegenüber der Associated Press erklärte der Hersteller, sich nicht weiter äussern zu wollen, bis die Ermittler geklärt hätten, was geschehen sei.
Die US-Polizei und die zuständige Aufsichtsbehörde führen getrennte Untersuchungen durch. Dabei dürften die Bahn, ihre Rückhaltesysteme, die Betriebsabläufe und die Umstände geprüft werden, die dazu führten, dass der Fahrgast aus der Attraktion geschleudert wurde. Die verfügbaren Informationen lassen nicht erkennen, ob ein mechanischer Defekt, ein Betriebsproblem oder ein anderer Faktor den Tod verursachte.
Der Fall ist für die Schweiz von Bedeutung, weil Bolliger & Mabillard zu den bekanntesten spezialisierten Herstellern des Landes gehört. Die Attraktionen des Unternehmens sind international in Betrieb. Die Ergebnisse sind daher weit über einen Freizeitpark im US-Bundesstaat Georgia hinaus relevant.
Die Bahn und ihre Rückhaltesysteme untersuchen
Goliath ist rund 61 Meter hoch und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 113 Kilometern pro Stunde. Die von Bolliger & Mabillard gebaute Bahn wurde 2006 im Freizeitpark Six Flags Over Georgia eröffnet und führt die Fahrgäste über eine Hochgeschwindigkeits-Stahlbahn.
Die Fahrgäste werden mit Sicherheitsbügeln gesichert, die über den Oberschenkeln und Hüften liegen. Die Ermittler müssen feststellen, wie diese Rückhaltesysteme während der Fahrt funktionierten und ob die Ausrüstung wie vorgesehen arbeitete. Im Ausgangsbericht wird kein bestätigter Defekt genannt und nicht erklärt, wie der Mann aus der Bahn geschleudert wurde.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil bei einer grossen Achterbahn mehrere Verantwortungsbereiche zusammenkommen. Der Hersteller entwirft und baut die Bahn, während der Freizeitpark sie betreibt, wartet und die Fahrgäste vor der Abfahrt kontrolliert. Polizei und Aufsichtsbehörden werden diese Bereiche bei der Rekonstruktion des Vorfalls prüfen.
Six Flags teilte mit, dass bei dem Unfall auch mehrere weitere Besucher verletzt wurden. Der Ausgangsbericht nannte weder ihre Zahl noch Einzelheiten zu ihrem Zustand. Die Entscheidung des Freizeitparks, vergleichbare Attraktionen vorübergehend ausser Betrieb zu nehmen, zeigt, dass die Betreiber den Vorfall als mögliches Problem betrachten, das eine umfassendere Überprüfung erfordert. Solange die Behörden keine technischen Erkenntnisse veröffentlichen, bleiben Aussagen zur Ursache unbestätigt.
Die Schliessung von neun Bahnen im Blick behalten
Six Flags schloss vorsorglich neun ähnliche Achterbahnen in sechs Freizeitparks in den USA und Kanada. Acht dieser Bahnen wurden ebenfalls von Bolliger & Mabillard gebaut. Der Betreiber hat nicht mitgeteilt, wann die Attraktionen wieder öffnen werden.
Die Schliessungen weiten die Folgen des Unfalls in Georgia auf das nordamerikanische Netzwerk des Unternehmens aus. Für die Freizeitparkbetreiber ist dies auch eine praktische Bewährungsprobe: Während die Behörden den ursprünglichen Vorfall untersuchen, müssen sie Inspektionen, Betriebsunterbrüche und das Vertrauen der Öffentlichkeit gegeneinander abwägen.
Die Schliessungen belegen nicht, dass jede betroffene Bahn einen Defekt aufweist. Sie zeigen, dass Six Flags auf Attraktionen, die das Unternehmen für ähnlich genug hält, um zusätzliche Kontrollen zu rechtfertigen, einheitlich reagiert. Im Ausgangsbericht werden weder die betroffenen Freizeitparks noch die Namen der acht Attraktionen von Bolliger & Mabillard genannt.
Für den Schweizer Hersteller rückt die weitreichende vorsorgliche Massnahme seine Ingenieurs- und Unterstützungssysteme ins Blickfeld. Laut der Fachdatenbank RCDB hat Bolliger & Mabillard weltweit mehr als 130 Achterbahnen gebaut. Technische Erkenntnisse aus Georgia könnten deshalb die Inspektionsprioritäten anderer Freizeitparks beeinflussen, die Anlagen des Unternehmens betreiben. Ein übergreifender Defekt wurde jedoch nicht festgestellt.
Marktreaktion und rechtlichen Druck einschätzen
Die Aktien von Six Flags verloren am Dienstag 14,4 Prozent und schlossen bei 10.20 Dollar, dem tiefsten Stand seit Dezember 2009. Die Reaktion am Markt folgte auf den tödlichen Unfall und den Entscheid des Betreibers, neun vergleichbare Bahnen zu schliessen.
Der Kursrückgang spiegelt die Sorge der Anlegerinnen und Anleger vor möglichen betrieblichen, rechtlichen und reputationsbezogenen Kosten wider. Er klärt weder die Unfallursache noch begründet er eine Haftung. Diese Fragen müssen die Polizei, die Aufsichtsbehörden und die beteiligten Unternehmen beantworten.
Six Flags stand bereits wegen einer anderen Attraktion unter Beobachtung. Ende September kündigte der Betreiber die dauerhafte Schliessung von X2 im Freizeitpark Magic Mountain in Kalifornien an. Vorausgegangen waren Klagen von Besuchern, die angaben, schwere Hirnverletzungen erlitten zu haben. Ein 22-jähriger Mann starb 2022 nach einer Fahrt mit X2, und Six Flags einigte sich mit seinen Angehörigen. Die Attraktion wurde vom US-Unternehmen Arrow Dynamics und nicht von Bolliger & Mabillard hergestellt.
Bei den getrennten Fällen geht es um unterschiedliche Bahnen und Hersteller. Ihre zeitliche Nähe in der öffentlichen Debatte erhöht dennoch den Druck auf Six Flags, die Inspektionsstandards zu erläutern und klar über die Schliessungen zu informieren. Die Reaktion des Betreibers wird weiter genau verfolgt werden, während die Ermittlungen in Georgia voranschreiten.
Der Spur Schweizer Ingenieurskunst folgen
Seit der Gründung 1988 hat Bolliger & Mabillard mehr als 130 Stahlachterbahnen gebaut. Das Unternehmen wurde von Walter Bolliger und Claude Mabillard gegründet und hat seinen Sitz im Kanton Wallis, mit Hauptsitz in Aigle. Seine internationale Präsenz verleiht den Ermittlungen in Georgia einen direkten Bezug zur Schweiz.
Die öffentliche Reaktion des Unternehmens beschränkte sich auf Beileidsbekundungen und die Bestätigung einer internen Untersuchung. Diese Zurückhaltung ist angesichts laufender Ermittlungen, bei denen noch Beweise gesammelt werden, nachvollziehbar. Eine umfassendere Darstellung wird von den offiziellen Erkenntnissen, technischen Prüfungen und Unterlagen des Betreibers abhängen.
Für Schweizer Beobachterinnen und Beobachter zeigt der Vorfall auch die Bedeutung spezialisierter Hersteller für das Industrieprofil des Landes. Bolliger & Mabillard ist keine Marke des Massenmarkts, der man im Alltag begegnet. Dennoch sind die Produkte des Unternehmens in Freizeitparks auf der ganzen Welt im Einsatz und stehen dabei auch für Schweizer Design und Ingenieurskunst.
Die nächsten Schritte sind klar: Die Ermittler müssen herausfinden, was auf Goliath geschehen ist. Six Flags muss entscheiden, wann oder ob die geschlossenen Bahnen wieder sicher geöffnet werden können. Und Bolliger & Mabillard muss auf alle bestätigten technischen Erkenntnisse reagieren. Im Ausgangsbericht war kein Zeitplan für die Wiedereröffnung angekündigt.