Aargau
Tödliche Schiesserei an Schweizer Rave entfacht Debatte über Veranstaltungssicherheit neu
Eine tödliche Schiesserei an einem Rave in Aarau hat die Debatte darüber neu entfacht, wie viel Sicherheit Veranstalter und Polizei bei Events realistisch gewährleisten können.

Eine Frau ist tot, fünf Menschen sind verletzt und ein 43-jähriger Schweizer wurde festgenommen. Diese Fakten haben die Schiesserei am Rave in Aarau von einer Nacht voller Panik zu einer landesweiten Debatte über die Grenzen der Veranstaltungssicherheit gemacht.
Am 30. August fielen kurz vor 3 Uhr morgens Schüsse am jährlichen Aarauer Rave auf der Rennbahn Aarau. Rund 3500 Personen besuchten den Technofanlass, der vom Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen dauerte. Die Partygäste flohen vom Gelände, während viele in einer nahe gelegenen Turnhalle Schutz suchten, bis die Polizei das Gebiet sicherte.
Die Kantonspolizei Aargau teilte mit, dass eine 22-jährige Frau noch am Tatort gestorben sei. Vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren wurden mit Verletzungen, die von leicht bis schwer reichten, ins Spital gebracht. Später nahm die Polizei einen 43-jährigen Schweizer im Zusammenhang mit der Schiesserei fest. Eine Festnahme bedeutet nicht, dass die Schuld erwiesen ist. Die Ermittlungen liegen weiterhin bei den Behörden.
Der Vorfall hat eine schwierige Frage in den öffentlichen Fokus gerückt: Wie können Veranstalter Tausende Menschen vor einem Schusswaffenangriff schützen, und wo endet ihre Verantwortung?
Opfer und Gemeinschaft tragen die Folgen
Italienische Behörden identifizierten die getötete Frau als Maria Spinelli, eine 22-jährige italienische Staatsangehörige. Das italienische Aussenministerium teilte mit, dass Mitarbeitende der Botschaft zum Tatort in der Nähe von Zürich gefahren seien, um die Ermittlungen aufmerksam zu verfolgen. Bundesrat Ignazio Cassis rief den italienischen Aussenminister Antonio Tajani an, um ihm sein Beileid auszusprechen.
Die Schweizer Polizei teilte mit, dass alle sechs Opfer in der Schweiz wohnhaft waren. Das italienische Aussenministerium ergänzte, dass zwei weitere italienische Staatsangehörige leicht verletzt worden seien. Die Angaben verdeutlichen den grenzüberschreitenden Charakter grosser Veranstaltungen in der Schweiz, an denen sich Einwohnerinnen und Einwohner sowie Besucherinnen und Besucher aus Nachbarländern in denselben Menschenmengen versammeln.
Zu den fünf Verletzten gehörten laut der Kantonspolizei Aargau vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren. Einige erlitten schwere Verletzungen. Medizinische Teams und Rettungskräfte waren im Einsatz, während das Gelände abgesperrt wurde und die Einsatzkräfte Beweise sicherten und Zeugen befragten.
Der menschliche Verlust ist auch in der Musikszene spürbar. Der Schweizer DJ Tekibo, der am Anlass auftrat, sagte, er sei körperlich unverletzt geblieben, habe aber einen Freund verloren. In seiner Stellungnahme beschrieb er Raves als Orte, die der Freiheit und Sicherheit dienen sollen. Diese Meinung teilen nun auch Besucherinnen und Besucher, Künstlerinnen und Künstler sowie Veranstalter, die mit den Folgen konfrontiert sind.
Veranstalter zieht die Grenze der Sicherheit
Olivier Grein sagt, private Sicherheitsdienste könnten nicht denselben Schutz bieten wie ein grosser Polizeieinsatz. Der Leiter von Urban Agency Events, dem Veranstalter des Raves, sagte der Neuen Zürcher Zeitung, ein bewaffneter Angriff auf eine grosse Menschenmenge könne nur mit einer massiven Polizeipräsenz verhindert werden.
Grein verteidigte den Entscheid, kein bewaffnetes Sicherheitspersonal einzusetzen. Er sagte, die Veranstalter seien für die Sicherheit auf dem Veranstaltungsgelände verantwortlich, während die Polizei für den umliegenden öffentlichen Raum zuständig sei. Diese Aufgabenteilung ist in der ganzen Schweiz verbreitet: Bei Festivals, Fussballturnieren und Konzerten übernehmen private Sicherheitskräfte Zugangskontrollen, die Lenkung der Menschenmengen und die Koordination der Ersten Hilfe, während die Kantons- und Gemeindepolizei für die öffentliche Ordnung und die Abwehr krimineller Gefahren zuständig ist.
Die Unterscheidung lässt sich schwieriger handhaben, wenn ein Angriff sowohl den Veranstaltungsort als auch dessen Umfeld betreffen kann. Laut ersten Berichten fielen am Rave und neben einem Wohnwagenpark Schüsse. Zum Gelände gehörten eine grosse Menschenmenge, temporäre Infrastruktur und Strassen, die von der Rennbahn wegführten.
Grein sagte, Politikerinnen und Politiker stünden nun unter Druck, die Vorbereitung der Behörden und Veranstalter auf Grossveranstaltungen zu überprüfen. Dabei gehe es auch um Fragen des Informationsaustauschs und des Datenschutzes.
Polizeiermittlungen reichen über Kantonsgrenzen hinaus
Die Festnahme gibt den Ermittlern eine konkrete Spur, während die Behörden weiterhin klären müssen, was geschehen ist und wer dafür verantwortlich war. Die Aargauer Polizei setzte zunächst in der Region umfangreiche Kräfte ein und sperrte den Tatort ab. Einsatzkräfte suchten nach Beweisen, befragten Augenzeugen und forderten die Öffentlichkeit auf, Fotos oder Videos vom Rave zur Verfügung zu stellen.
Laut einem AFP-Journalisten setzte die Polizei entlang von Routen in einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern vom Tatort bewaffnete Einsatzkräfte ein. Da die deutsche Grenze nur einige Dutzend Kilometer entfernt liegt, arbeitete die Polizei bei den Ermittlungen mit der Polizei in Freiburg zusammen. Diese Massnahmen spiegeln die operativen Anforderungen wider, die durch eine Schiesserei in der Nähe einer Grossveranstaltung und eines wichtigen Verkehrsnetzes entstehen.
Bevor die Festnahme gemeldet wurde, sagte Polizeisprecher Bernhard Graser, die Einsatzkräfte hätten keine verlässlichen Informationen über den oder die Täter. Der Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold sagte, die Ermittler hätten Hinweise auf zwei Kaliber gefunden, die im ersten Bericht einer Pistole oder Maschinenpistole sowie einem Sturmgewehr zugeordnet wurden. Ausserdem seien Schüsse von zwei Orten abgegeben worden.
Die Behörden haben öffentlich kein Motiv ermittelt. Die Festnahme ist daher als verfahrensrechtliche Entwicklung zu vermelden und nicht als Schlussfolgerung im Fall.
Die Schweiz überprüft die Sicherheit an öffentlichen Veranstaltungen
Die Schweiz steht nun vor einer Sicherheitsdebatte, die von einem seltenen, aber folgenschweren Angriff geprägt ist. Das Land hat eine lange Tradition des Waffenbesitzes, doch die Schiesserei in Aarau ist im modernen öffentlichen Leben ein aussergewöhnlicher Vorfall. Die letzte grössere Schiesserei, die in den Berichten erwähnt wird, ereignete sich 2001 in Zug. Damals wurden 14 Mitglieder des Parlaments und der lokalen Regierung getötet.
Diese Geschichte wird beeinflussen, wie Kantone, Gemeinden und Veranstalter künftige Anlässe beurteilen. Mögliche Überprüfungen könnten Notausgänge, die Zusammenarbeit zwischen privaten Sicherheitskräften und Polizei, rasche öffentliche Warnungen, den Zugang zu temporären Veranstaltungsorten sowie den Austausch relevanter Informationen vor Grossveranstaltungen umfassen. Jede Massnahme hat praktische Grenzen, insbesondere an Veranstaltungsorten unter freiem Himmel mit mehreren Zugängen, angrenzenden Grundstücken und Tausenden Menschen, die während vieler Stunden anreisen und wieder weggehen.
Grein sagte, die Debatte gehe weit über Raves hinaus und betreffe auch Amateurfussballturniere und Stadionkonzerte. Seine Aussagen legen die Verantwortung bei den Politikerinnen und Politikern, zu entscheiden, welche zusätzlichen öffentlichen Ressourcen private Veranstaltungen unterstützen sollen und welche Informationen die Behörden rechtmässig weitergeben dürfen.
Für die Veranstalter besteht die unmittelbare Aufgabe darin, uneingeschränkt mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten und ihre Pläne zu überprüfen. Für Polizei und Gesetzgeber wirft Aarau Fragen zur Vorbereitung, Zuständigkeit und Verhältnismässigkeit auf, ohne einfache Antworten zu liefern.