Politik
Schweizer Bundespräsidentin fordert am Gipfel in Kopenhagen wirtschaftliche Stabilität in Europa
Bundespräsidentin Keller-Sutter betont am Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft die Notwendigkeit einer starken europäischen Wirtschaft und äussert Bedenken hinsichtlich der Verschuldung auf dem Kontinent

Kopenhagen ist an diesem Donnerstag zum Zentrum einer wichtigen diplomatischen Offensive geworden. Vor dem Hintergrund drohender Zollstreitigkeiten und globaler Instabilität ist die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter zum Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) gereist, mit einer klaren und dringenden Botschaft: Stabilität ist nicht verhandelbar. Der Einsatz könnte kaum höher sein, während Europa mit einer fragilen Wirtschaftslage ringt, die die Sicherheitsarchitektur des Kontinents zu untergraben droht.
Keller-Sutter fand bei ihrer Ankunft in der dänischen Hauptstadt deutliche Worte. Obwohl die offizielle Agenda des Gipfels von Sicherheitsfragen und dem anhaltenden Krieg in der Ukraine geprägt ist, lenkte die Schweizer Bundespräsidentin den Fokus sofort auf das wirtschaftliche Fundament, das nötig ist, um diese geopolitischen Ziele zu unterstützen. Ihre Anwesenheit steht für eine aktive Schweizer Aussenpolitik, die nicht tatenlos zusieht, während Handelshemmnisse und wirtschaftliche Spannungen den Wohlstand der ganzen Region gefährden. Dies ist ein Aufruf zum Handeln an einen Kontinent am Scheideweg.
Die Schuldenwarnung
Die Zahlen stehen auf Rot, und die Schweiz nimmt davon Notiz. In einer deutlichen Einschätzung der globalen Finanzlage äusserte Bundespräsidentin Keller-Sutter «grosse Besorgnis» über die explodierende Verschuldung in Europa und Amerika. Das ist nicht bloss eine diplomatische Beobachtung, sondern ein Warnsignal der Führungspersönlichkeit eines der finanzpolitisch stabilsten Länder der Welt.
«Hohe Verschuldung» lautete ihre Beschreibung des finanzpolitischen Abgrunds, vor dem die wichtigsten Partner der Schweiz stehen. Die Schweiz wahrt zwar ihren Ruf für finanzpolitische Umsicht, kann sich aber den Auswirkungen einer möglichen Staatsschuldenkrise bei ihren Nachbarn nicht vollständig entziehen. Die Äusserungen der Bundespräsidentin verdeutlichen eine wachsende Sorge: Ungebremste Kreditaufnahme und finanzpolitische Disziplinlosigkeit in der EU und den USA könnten einen Dominoeffekt auslösen, die Märkte destabilisieren und die wirtschaftliche Stärke untergraben, die zur Abwehr geopolitischer Bedrohungen nötig ist. Die Botschaft ist klar: Sicherheit lässt sich nicht auf ewig auf Kredit kaufen.
Eine kontinentale Versammlung
Siebenundvierzig. So viele Staats- und Regierungschefs kommen in Kopenhagen zusammen, eine eindrückliche Bündelung politischer Macht. Das ist nicht einfach ein Treffen, sondern eine kontinentale Kommandozentrale. Auf der Gästeliste stehen einflussreiche Vertreter des Westens, darunter Führungspersönlichkeiten aus der Europäischen Union, dem Europarat, der NATO und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Während die wirtschaftliche Stabilität für die Schweiz oberste Priorität hat, befasst sich der umfassendere Gipfel mit zentralen Fragen der europäischen Sicherheit und der Verteidigung der Ukraine. Die schiere Grösse der Beteiligung unterstreicht die Bedeutung des Augenblicks. Mit der Führung der NATO und der OSZE vor Ort verschwimmen die Grenzen zwischen wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit und militärischer Sicherheit. Der Gipfel soll eine gemeinsame Front schmieden, doch wie Keller-Sutters Äusserungen nahelegen, braucht eine solche Front ein solides wirtschaftliches Fundament.
Die Schweizer Notwendigkeit
«Die Schweiz hat ein grosses Interesse daran, dass Europa wirtschaftlich stark ist», erklärte Keller-Sutter. Dieser eine Satz bringt den pragmatischen Kern der Schweizer Aussenpolitik auf den Punkt. Die Schweiz ist keine Insel, sondern eine Exportmacht, die eng in den europäischen Binnenmarkt eingebunden ist. Ein schwächelndes Europa ist eine direkte Bedrohung für den Wohlstand der Schweiz.
Im Gegensatz zu den hoch verschuldeten Volkswirtschaften, die sie kritisierte, ist die Schweiz ein Stabilitätsanker. Dennoch bleibt sie den drohenden Zollstreitigkeiten und Handelskriegen gegenüber verwundbar. Indem Keller-Sutter wirtschaftliche Zusammenarbeit und finanzpolitische Verantwortung fordert, setzt sie sich für den Schutz der Schweizer Industrie, der Arbeitsplätze und des Frankens ein. Der entschlossene Auftritt der Bundespräsidentin in Kopenhagen erinnert daran: Damit die Schweiz gedeihen kann, dürfen ihre Nachbarn nicht scheitern. Der Weg nach vorn erfordert nicht nur militärische Bündnisse, sondern auch eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Vernunft.