Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Schweizerische Post plant Abbau von bis zu 110 Verwaltungsstellen

Die Schweizerische Post plant, bis Ende 2027 bis zu 110 Verwaltungsstellen abzubauen, da sinkende Briefmengen und weniger Schaltergeschäfte ihre Finanzen belasten. Das staatseigene Unternehmen erklärt, die Massnahmen seien nötig, um seine langfristige finanzielle Unabhängigkeit zu sichern. Mitarbeitende in der Zustellung und anderen operativen Bereichen dürften nicht betroffen sein.

Schweizerische Post plant Abbau von bis zu 110 Verwaltungsstellen
AISWI swissinfo.ch

Bis Ende 2027 sind bei der Schweizerischen Post bis zu 110 Verwaltungsstellen gefährdet. Das staatseigene Postunternehmen kündigte die geplanten Kürzungen am 7. September an. Als Gründe nannte es den anhaltenden Druck auf sein traditionelles Geschäft und die Notwendigkeit, seine finanzielle Unabhängigkeit zu sichern.

Die Schweizerische Post erklärte, die Briefmengen gingen weiter zurück, während Kundinnen und Kunden weniger Geschäfte an Postschaltern erledigten. Diese Veränderungen hätten die Einnahmen aus Dienstleistungen geschmälert, die einst einen zentralen Teil des landesweiten Netzes des Unternehmens bildeten. Das Wachstum in neueren Geschäftsbereichen und Preismassnahmen hätten den Rückgang bisher nicht ausgeglichen, so das Unternehmen.

Die geplanten Kürzungen konzentrieren sich auf Führungs- und Unterstützungsfunktionen. Die Schweizerische Post hat weder einzelne Standorte noch Abteilungen genannt. Aus der Ankündigung geht auch nicht hervor, wie viele Stellen durch Entlassungen, natürliche Fluktuation oder andere Massnahmen wegfallen werden. Die Zahl bleibt eine Obergrenze von 110 Stellenstreichungen. Die Umsetzung ist für die kommende Zeit vorgesehen.

Der Entscheid rückt Verwaltungsarbeit ins Zentrum der jüngsten Restrukturierungsbemühungen der Schweizerischen Post. Er verdeutlicht auch die finanziellen Herausforderungen für eine Institution der öffentlichen Grundversorgung, während sich die Gewohnheiten der Schweizer Kundschaft weiter verändern.

Sinkende Briefmengen treiben die Suche nach Einsparungen voran

Weniger Briefe und Schalterbesuche verändern die Kostenstruktur der Schweizerischen Post. Das Unternehmen führt die geplanten Stellenkürzungen direkt auf den Rückgang bei zwei langjährigen Tätigkeitsbereichen zurück: der physischen Post und den Geschäften am Schalter.

Die Veränderung spiegelt wider, wie die Menschen in der Schweiz kommunizieren und alltägliche Dienstleistungen nutzen. Digitale Korrespondenz hat die Nachfrage nach der traditionellen Briefzustellung verringert, während Online-Banking, elektronische Formulare und andere digitale Kanäle den Bedarf an Besuchen am Postschalter reduziert haben. Das Ausgangsmaterial enthält weder Angaben zum prozentualen Rückgang noch eine Aufschlüsselung nach Kantonen. Das Ausmass dieser Veränderungen lässt sich deshalb hier nicht beziffern.

Die Schweizerische Post erklärte, sie habe versucht, die Einnahmeausfälle durch Wachstum in neuen Geschäftsfeldern und Preismassnahmen auszugleichen. Diese Bemühungen hätten die Einnahmeverluste aus den etablierten Tätigkeiten bisher nicht wettgemacht. Deshalb suche das Unternehmen Einsparungen bei den Führungs- und Unterstützungsfunktionen, wo sich laut eigenen Angaben die Personalkosten senken liessen.

Die Ankündigung deutet nicht darauf hin, dass die Schweizerische Post im Rahmen dieser konkreten Massnahme Poststellen schliessen oder Zustellrouten reduzieren will. In ihrer Begründung stehen Verwaltungsstellen und die umfassenderen Bemühungen des Unternehmens im Mittelpunkt, seine Finanzen nachhaltig aufzustellen.

Operative Mitarbeitende bleiben vom Plan ausgenommen

Mitarbeitende in der Zustellung und Beschäftigte bei Tochtergesellschaften der Schweizerischen Post sind von den angekündigten Kürzungen ausgenommen. Das Unternehmen zieht eine klare Grenze zwischen den von Kürzungen bedrohten Verwaltungsangestellten und den operativen Mitarbeitenden, die Post zustellen oder in anderen Bereichen des Konzerns arbeiten.

Diese Unterscheidung ist in einem Land wichtig, in dem die Schweizerische Post weiterhin zum Alltag gehört. Postangestellte liefern Briefe und Pakete in Städten, Berggemeinden und ländlichen Gebieten aus. Gemäss der Ankündigung sind diese operativen Funktionen von diesem konkreten Restrukturierungsplan nicht betroffen. Zu künftigen Veränderungen in anderen Geschäftsbereichen äussert sich das Unternehmen damit jedoch nicht.

Der Zeitpunkt fällt zudem in eine breitere Debatte über Arbeitsplätze bei systemrelevanten Schweizer Unternehmen. Eine Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes lancierte am 3. September eine Petition, die eine Beendigung der Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland durch die Schweizerische Post und Swisscom fordert. Bei dieser Kampagne geht es um Auslagerungen, während die jüngste Ankündigung der Schweizerischen Post inländische Einsparungen bei den Verwaltungskosten betrifft. Beide Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit der umfassenderen Debatte darüber, wie öffentliche Dienstleistungen Effizienz, Beschäftigung und nationale Verantwortung miteinander vereinbaren sollen.

Die Schweizerische Post hat noch keine Einzelheiten zu einem Konsultationsverfahren, Abgangsentschädigungen oder Möglichkeiten für interne Versetzungen betroffener Mitarbeitender bekannt gegeben. Diese Details werden dafür entscheidend sein, wie das Unternehmen die geplanten Kürzungen bis 2027 umsetzt.

Die Frist bis 2027 rückt die Schweizerische Post ins Rampenlicht

Die Schweizerische Post hat Ende 2027 als Frist für das Sparprogramm festgelegt. Das Unternehmen stellt den Zeitplan als Teil seiner längerfristigen Bemühungen dar, die finanzielle Unabhängigkeit zu bewahren, während die traditionellen Einnahmen zurückgehen.

Für Mitarbeitende in Verwaltungsfunktionen hängt die nächste Phase davon ab, wie die Schweizerische Post die Ankündigung in konkrete organisatorische Entscheide umsetzt. Bisher hat das Unternehmen die mögliche Höchstzahl der Stellenstreichungen, die betroffenen Funktionsbereiche und die Gründe für die Einsparungen genannt. Eine Liste betroffener Standorte, eine regionale Aufschlüsselung oder eine endgültige Zahl der Entlassungen hat es nicht veröffentlicht.

Für die Kundschaft bedeutet die unmittelbare Ankündigung keine Änderung bei der Postzustellung oder beim Betrieb der Tochtergesellschaften. Sie zeigt jedoch, wie sich die sinkende Nutzung etablierter Postdienstleistungen auf die internen Strukturen des Unternehmens auswirkt. Neue Geschäftstätigkeiten und höhere Preise haben die Einnahmeverluste durch rückläufige Briefmengen und weniger Schaltergeschäfte bisher nicht ausgeglichen.

Die finanzielle Begründung der Schweizerischen Post wird nun an den Folgen für die Beschäftigten gemessen werden. Das Unternehmen muss Kosten senken und gleichzeitig landesweite Dienstleistungen erbringen. Während der Plan seiner Umsetzung näherkommt, wird es von Mitarbeitenden, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit kritisch beobachtet werden. Die verfügbaren Informationen deuten auf einen schrittweisen Restrukturierungsprozess bis 2027 hin, nicht auf eine einmalige Kürzungsrunde.