Klima
Heisser Sommer sorgt für Rekordbesuche in Schweizer Schwimmbädern
Rekordbesuche in Freibädern in der ganzen Schweiz während des heissen Sommers 2026 sorgten für hohe Einnahmen, setzten aber auch das Personal, die Kontrollen der Wasserqualität und die alternde Infrastruktur unter Druck.

Die Zürcher Freibäder verzeichneten im Sommer 2026 3 Millionen Eintritte und stellten damit einen neuen Rekord auf, während die Schweiz den heissesten und trockensten Sommer seit Messbeginn 1864 erlebte. Auch Bern meldete einen Rekord: In den städtischen Bädern wurden knapp 2 Millionen Eintritte gezählt. Die Zahlen zeigen, wie rasch anhaltende Hitze den Alltag in öffentliche Badeanlagen verlagern kann, von Familienausflügen bis zu kurzen Besuchen am Abend nach der Arbeit.
Die Hitze setzte früh ein. In Zürich waren die besucherstärksten Tage im Juni, als die Temperaturen über dem Durchschnitt lagen, und nicht wie üblich auf dem Höhepunkt im Juli und August. Betreiber von Schwimmbädern in der Deutsch- und Westschweiz verzeichneten ähnlich hohe Besucherzahlen, wie eine Umfrage von Keystone-SDA bei Gemeinden und Badeanstalten ergab.
Der Andrang sorgte bei den Betreibern und den lokalen Behörden für hohe Einnahmen. Zugleich zeigte er die Grenzen von Anlagen auf, die für weniger Besuchende und besser vorhersehbare Sommer gebaut wurden. Grössere Menschenmengen erfordern mehr Aufsicht durch Bademeisterinnen und Bademeister, häufigere Reinigungen und eine engmaschigere Überwachung der Wasserqualität. Zum Ende der Freibadsaison verfügen die Gemeinden nun sowohl über höhere Einnahmen als auch über deutlichere Erkenntnisse dazu, wie stark extreme Hitze die öffentliche Freizeitinfrastruktur belastet.
Frühe Hitze erhöht die betriebliche Belastung
Der Juni war in Zürich die besucherstärkste Zeit. Das zeigt, wie eine frühe Hitzeperiode die Arbeitsbelastung der Badbetreiber bereits zu Saisonbeginn konzentrieren kann. Die städtischen Bäder mussten den grossen Andrang bewältigen, noch bevor die Sommerferien richtig begonnen hatten. Das ist relevant, weil Freibäder auf saisonales Personal, geplante Wartungsarbeiten und etablierte Betriebsabläufe angewiesen sind.
Eine plötzliche Folge heisser Tage verändert diese Abläufe. Mehr Besuchende führen zu einer stärkeren Nutzung von Garderoben, Toiletten und Duschen. Die Becken müssen häufiger von Schmutz befreit, die Umwälzanlagen gewartet und die chemischen Werte kontrolliert werden. Laut der Keystone-SDA-Umfrage mussten viele Gemeinden grössere Anstrengungen unternehmen, um die Wasserqualität bei steigenden Besucherzahlen sicherzustellen.
Der Druck beschränkte sich nicht auf die Deutschschweiz. Auch Gemeinden in der Westschweiz meldeten Rekordbesuche. Das deutet auf eine landesweite Reaktion auf die Wetterlage und nicht auf eine lokale Ausnahme hin. Öffentliche Bäder boten in Städten und Gemeinden eine leicht zugängliche Abkühlung, wo viele Einwohnerinnen und Einwohner weder einen eigenen Garten noch Zugang zu Seen hatten.
Die Betreiber mussten zudem die praktischen Risiken grosser Menschenmengen bewältigen. Für die Bademeisterinnen und Bademeister waren die Beckenränder stärker frequentiert, und mehr Menschen bewegten sich zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereichen. Die Umfrage nennt weder Zahlen zu Zwischenfällen noch zum Personalbestand, weshalb sich das Ausmass dieser Risiken nicht beziffern lässt. Sie zeigt jedoch, dass die betriebliche Belastung mit den Besucherzahlen stark zunahm.
Wasseranlagen vor ihrer grössten Belastungsprobe
Die Kontrollen der Wasserqualität wurden zu einer der zentralen Herausforderungen, als die Besucherzahlen Rekordhöhe erreichten. Jede zusätzliche Person im Wasser erhöht die Belastung der Filter- und Desinfektionsanlagen. In stark frequentierten Anlagen müssen Umwälzung, Reinigung und chemische Aufbereitung sorgfältig überwacht werden, damit die Wasserqualität den vorgeschriebenen Standards entspricht. Die Keystone-SDA-Umfrage bezeichnete diese Arbeit für die Gemeinden während der Saison 2026 als besondere Herausforderung.
Die Quelle besagt nicht, dass ein Bad die Anforderungen an die Wasserqualität verfehlt hätte, und enthält keine Aufschlüsselung der Kontrollergebnisse. Belegt ist die betriebliche Herausforderung: Mit zunehmendem Andrang mussten die Gemeinden ihre Anstrengungen verstärken, um die Wasserqualität in den Becken aufrechtzuerhalten. Diese Arbeit bleibt für die Besuchenden weitgehend unsichtbar, entscheidet aber darüber, ob eine Anlage an den besucherstärksten Tagen sicher weiterbetrieben werden kann.
Der grosse Andrang stellte auch Garderoben, Toiletten, Duschen, Pumpen und weitere technische Anlagen auf die Probe. Den Ergebnissen der Umfrage zufolge ist die Infrastruktur vieler Bäder in die Jahre gekommen, doch der Bericht nennt weder das Alter noch den Zustand einzelner Anlagen. Hohe Einnahmen könnten den Gemeinden helfen, einen Teil dieses Bedarfs zu decken, doch Angaben zu den Investitionen liegen nicht vor.
Die Saison war somit ein Praxistest für die lokalen Behörden. Die Anlagen, die 3 Millionen Eintritte in Zürich und knapp 2 Millionen in Bern bewältigten, müssen prüfen, ob ihre aktuelle Aufbereitungskapazität, Wartungspläne und Personalmodelle ähnliche Spitzen in künftigen Sommern verkraften können.
Gemeinden planen für heissere Sommer
Die Badesaison 2026 liefert den Schweizer Gemeinden ein klares Signal für die Planung: Heissere Sommer können öffentliche Anlagen über ihre etablierten Betriebsabläufe hinaus beanspruchen. Die meisten Freibäder schlossen bis zum 20. September und beendeten damit die besucherstärkste Saison seit Langem. Die Besucherrekorde in Zürich und Bern sowie die Meldungen aus der Westschweiz bieten eine landesweite Grundlage für die Überprüfung der Kapazitäten.
Bei dieser Überprüfung geht es um mehr als zusätzliche Liegestühle. Die Behörden müssen möglicherweise die Rekrutierung und Einsatzplanung für Bademeisterinnen und Bademeister sowie Wartungsteams prüfen, ebenso die Belastbarkeit der Filter- und Desinfektionsanlagen und den Zustand von Gebäuden und Becken. Zudem müssen sie die zusätzlichen Einnahmen durch Rekordbesuche den Kosten für mehr Personal, Reinigung, Energie und Reparaturen gegenüberstellen. Das Ausgangsmaterial enthält keine Angaben zu den Finanzen, weshalb die Bilanz je nach Gemeinde unterschiedlich ausfällt.
Angesichts der klimatischen Bedingungen gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Swissinfo.ch berichtete, dass der Sommer 2026 in der Messreihe der Schweiz seit 1864 der heisseste und trockenste war. Eine aussergewöhnliche Saison belegt noch keinen dauerhaften Trend für jedes Bad. Sie hat jedoch gezeigt, wie schnell die Nachfrage steigen kann, wenn die Hitze früh einsetzt und anhält.
Für die Bevölkerung bleiben Freibäder ein wichtiger Teil des öffentlichen Freizeitangebots der Schweiz. Für die Behörden, die sie betreiben, besteht die nächste Aufgabe darin, die diesjährigen Besucherzahlen in Entscheidungen zu Wartung, Personal und Investitionen umzusetzen, bevor die nächste Hitzeperiode einsetzt.