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Swiss Observer

Der Schweizer Pass zählt zu den stärksten der Welt, garantiert aber keine visumfreie Einreise

Der Schweizer Pass belegt weltweit den neunten Rang und ermöglicht visumfreien oder vereinfachten Zugang zu den meisten Reisezielen. Für 25 Länder benötigen Schweizer Reisende jedoch weiterhin ein reguläres Visum. Die Einreisebestimmungen unterscheiden sich je nach Region deutlich. Dazu gehören elektronische Reisegenehmigungen für Ziele wie das Vereinigte Königreich.

Der Schweizer Pass zählt zu den stärksten der Welt, garantiert aber keine visumfreie Einreise
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Pass belegt weltweit den neunten Rang, dennoch müssen Reisende vor der Abreise weiterhin Formulare, Gebühren und Fristen prüfen. Passport Reports, eine unabhängige Plattform, die internationale Einreisebestimmungen erfasst, führt 119 Reiseziele als visumfrei für Schweizer Staatsangehörige auf. Weitere 54 Länder ermöglichen die Einreise mit einem Visum bei Ankunft, einer elektronischen Reisegenehmigung oder einem anderen vereinfachten Verfahren. Für 25 Reiseziele müssen Schweizer Staatsangehörige im Voraus ein reguläres Visum beantragen.

Die am 22. September 2026 veröffentlichten Zahlen sind eine nützliche Erinnerung für Ferienreisende, Geschäftsreisende und im Ausland lebende Schweizer Staatsangehörige. Die Stärke des Passes verringert in weiten Teilen der Welt administrative Hürden, beseitigt sie jedoch nicht vollständig. Die Bestimmungen können sich zudem rasch ändern, je nach Staatsangehörigkeit, Reisezweck, Aufenthaltsdauer und Gültigkeit des Passes.

Die Rangliste misst den Zugang und nicht ein bedingungsloses Einreiserecht. Grenzbeamte können weiterhin Nachweise über Unterkunft, Weiterreise, ausreichende finanzielle Mittel oder eine Reiseversicherung verlangen. Ein Visumverzicht kann zudem für touristische Aufenthalte gelten, aber Erwerbstätigkeit, Studium oder längere Aufenthalte ausschliessen. Schweizer Reisende sollten deshalb vor der Flugbuchung die Bestimmungen für die gesamte Reiseroute prüfen, einschliesslich Zwischenstopps.

Europas kleine, aber wichtige Ausnahmen beachten

Europa bleibt die verlässlichste Reisedestination für Inhaberinnen und Inhaber des Schweizer Passes: 44 Reiseziele ermöglichen die visumfreie Einreise. Schweizer Staatsangehörige können sich mit wenigen Formalitäten auf dem Kontinent bewegen. Das spiegelt die engen wirtschaftlichen und geografischen Beziehungen der Schweiz zu den Nachbarstaaten und zum erweiterten europäischen Reisegebiet wider.

Die Ausnahmen zeigen, weshalb «visumfrei» nicht als pauschale Bezeichnung verstanden werden sollte. Laut den Daten von Passport Reports verlangt Russland ein Visum bei Ankunft. Das Vereinigte Königreich verlangt von Schweizer Besucherinnen und Besuchern eine elektronische Reisegenehmigung. Dabei handelt es sich nicht um ein herkömmliches Visum. Reisende müssen das Verfahren jedoch vor der Abreise abschliessen und die geltenden Bedingungen erfüllen.

Im regionalen Vergleich belegt die Schweiz Rang 13 unter 47 europäischen Ländern. Spanien, Luxemburg, Belgien, Frankreich, Italien, Deutschland, Griechenland und mehrere nordeuropäische Länder liegen vor ihr. Der Abstand sei gering, hält Passport Reports fest, und ändere nichts wesentlich am Gesamtbild der unkomplizierten Reisemöglichkeiten in Europa.

Für Schweizer Familien ist die praktische Lehre einfach. Ein kurzer Städtetrip nach Paris oder Rom erfordert möglicherweise nur wenig Vorbereitung, während für eine Reise nach London ein zusätzlicher Online-Schritt nötig ist. Reisende sollten die aktuellen britischen und russischen Bestimmungen direkt vor der Abreise prüfen, insbesondere wenn sie mit Kindern reisen oder mehrere Länder in einer Reise kombinieren.

Zugang weltweit vergleichen

Der regionale Zugang sinkt von knapp 93 % in Ozeanien auf 72,2 % in Afrika. Damit zeigt sich die ungleiche geografische Verteilung, die hinter der starken Platzierung der Schweiz steht. Passport Reports berechnet den Zugang für Asien auf 82 %, den Nahen Osten auf 82,4 % und Zentralasien auf 80 %. Dabei werden Visa bei Ankunft und elektronische Genehmigungen mitberücksichtigt.

Die Zahlen beschreiben nicht für die gesamte Region ein einheitliches Reiseerlebnis. Eine Schweizer Reisende oder ein Schweizer Reisender kann in ein Land ohne vorgängige Formalitäten einreisen, für ein anderes eine Online-Genehmigung ausfüllen und für ein drittes ein vollständiges Visum beantragen müssen. Selbst wenn ein Visum bei Ankunft erhältlich ist, können Fluggesellschaften vor dem Boarding einen Nachweis verlangen, dass die Reisenden die Bedingungen des Ziellandes erfüllen.

Ozeanien verzeichnet im Bericht mit knapp 93 % die höchste Zugangsquote. Unter den aufgeführten Regionen ist die Quote in Afrika mit 72,2 % am tiefsten. Dieser Unterschied kann sich auf die Planungszeit und die Kosten einer Reise durch mehrere Länder auswirken, insbesondere bei Überlandreisen über Landesgrenzen hinweg oder bei Reisen, die Geschäftstermine und Tourismus verbinden.

Elektronische Systeme haben die Einreisebestimmungen zudem stärker digitalisiert, aber nicht unbedingt vereinfacht. Reisende benötigen zuverlässigen E-Mail-Zugang, gültige Passdaten und Bestätigungsnummern. Ein Fehler in einem Online-Antrag kann beim Check-in Probleme verursachen, selbst wenn das Reiseziel Schweizer Staatsangehörigen grundsätzlich offensteht.

Die Lücke zwischen Zugang und Gastfreundschaft im Blick behalten

Singapur führt die weltweite Rangliste mit 129 visumfreien Reisezielen an, nur zehn mehr als die Schweiz. Die Vereinigten Arabischen Emirate folgen mit 128. Damit gehört die Schweiz zu einer kleinen Gruppe von Ländern, deren Pässe umfassende internationale Reisefreiheit ermöglichen.

Am anderen Ende der Rangliste ermöglicht Afghanistan laut derselben Auswertung die visumfreie Einreise in nur drei Länder. Syrien und weitere Länder im Nahen Osten, in Nordafrika und Zentralasien belegen ebenfalls die hinteren Ränge. Diese Unterschiede spiegeln die diplomatischen Beziehungen, Sicherheitsbewertungen, Migrationsfragen und gegenseitigen Abkommen über den Zugang wider.

Passport Reports misst auch, wie offen Länder ausländische Besucherinnen und Besucher aufnehmen. In dieser Rangliste zur Gastfreundschaft belegt die Schweiz Rang 92 von 199 Ländern. Das bedeutet, dass viele Staatsangehörige, deren Pässe in der Schweiz relativ offen behandelt werden, für die Einreise in die Schweiz weiterhin ein Visum benötigen.

Diese Asymmetrie ist für Schweizer Unternehmen, Hochschulen und Tourismusbetriebe von Bedeutung. Visaverfahren beeinflussen, ob Studierende an einem Kurs teilnehmen, ob eine Lieferantin oder ein Lieferant zu einem Treffen anreisen oder ob Besucherinnen und Besucher unbesorgt Ferien planen können. Die Passrangliste bildet die Reisefreiheit Schweizer Staatsangehöriger ab. Die Rangliste zur Gastfreundschaft weist dagegen auf die administrativen Hürden hin, die die Schweiz Besucherinnen und Besuchern aus anderen Ländern auferlegt.

Vor dem Abflug die abschliessende Prüfung vornehmen

Ein hoher Rang hilft, doch jede Schweizer Reisende und jeder Schweizer Reisende ist weiterhin für die abschliessende Prüfung verantwortlich. Passport Reports bezeichnet sich als unabhängige Plattform ohne Verbindungen zu einer Regierung oder einer offiziellen Stelle. Sie will Einreisebestimmungen praxisnah darstellen. Ihre Daten sollten jedoch offizielle Informationen von Botschaften, Konsulaten und Einwanderungsbehörden ergänzen, nicht ersetzen.

Vor der Abreise sollten Reisende prüfen, ob das Zielland ein Visum, eine elektronische Genehmigung, einen Impfnachweis, eine Mindestgültigkeitsdauer des Passes oder einen Nachweis der Weiterreise verlangt. Sie sollten zudem bestätigen, ob die Bestimmung für ihren konkreten Reisezweck gilt. Arbeit, Studium und Wohnsitz erfordern normalerweise andere Verfahren als Tourismus.

Das Thema betrifft nicht nur kurze Ferien. Im Ausland lebende Schweizer Staatsangehörige müssen sich möglicherweise um die Erneuerung ihres Passes, konsularische Termine und Staatsbürgerschaftsdokumente kümmern. Die Auslandschweizergemeinschaft hat auf die praktischen Schwierigkeiten hingewiesen, die durch Entfernung, gesundheitliche Probleme und Reisekosten bei Erneuerungsverfahren entstehen können.

Der neunte Rang der Schweiz wird viele Reisen weiterhin erleichtern. Er macht die Grenzkontrolle jedoch nicht zur Formsache. Für Schweizer Reisende bleibt die sicherste Gewohnheit einfach: Kurz vor der Abreise die offiziellen Bestimmungen des Ziellandes prüfen, Bestätigungsdokumente griffbereit halten und genügend Zeit für Anträge einplanen, die im Voraus bewilligt werden müssen.