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Swiss Observer

Schweizer Eltern fordern sicherere Schulwege

Eine Umfrage unter Eltern zeigt, dass 41% den Schulweg ihres vier- bis siebenjährigen Kindes als gefährlich einschätzen. Besonders gross sind die Sicherheitsbedenken dort, wo Kinder Strassen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h oder mehr überqueren. Deshalb werden sicherere Trottoirs und Fusswege, Fussgängerstreifen, tiefere Tempolimiten und mehr Pedibus-Angebote gefordert.

Schweizer Eltern fordern sicherere Schulwege
AISWI swissinfo.ch

41% der Eltern mit Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren sagen, der Schulweg sei gefährlich. Das geht aus einer Umfrage hervor, die am 7. September 2026 veröffentlicht wurde. Das Ergebnis erhöht den Druck auf die Schweizer Gemeinden, die kurzen Strecken unter die Lupe zu nehmen, die Kinder jeden Morgen von Wohnquartieren bis zu den Schuleingängen zurücklegen.

Die von YouGov im Auftrag des Verkehrs-Clubs der Schweiz, bekannt unter dem französischen Kürzel ATE, und des Fonds für Verkehrssicherheit durchgeführte Umfrage befragte 800 Eltern in der ganzen Schweiz. Die meisten Kinder im Land gehen laut der Umfrage zu Fuss zur Schule. Damit ist die Gestaltung und Bewirtschaftung dieser Wege eine tägliche Aufgabe der öffentlichen Sicherheit.

Eltern nannten besondere Risiken dort, wo Kinder Strassen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h oder mehr überqueren müssen. Solche Übergänge können kleine Kinder in schnell fliessenden Verkehr bringen, bevor sie das Urteilsvermögen und das Bewusstsein für den Strassenverkehr entwickelt haben, die nötig sind, um Gefahren zuverlässig einzuschätzen.

Der ATE fordert die lokalen Behörden auf, durchgehende Trottoirs und Fusswege zu schaffen, Fussgängerstreifen zu verbessern, Tempolimiten zu senken und bestehende Regeln durchzusetzen. Die Organisation möchte zudem, dass Gemeinden Pedibus-Angebote unterstützen. Dabei können Kinder unter Aufsicht gemeinsam zu Fuss gehen, während längerfristige Änderungen an der Infrastruktur geplant werden.

Schnell befahrene Strassen sind ein Hauptgrund zur Sorge

85% der Kinder überqueren auf ihrem Schulweg eine Strasse mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h oder mehr, wie die Umfrage ergab. Die Zahl hilft zu erklären, weshalb Eltern bei der Beschreibung der Risiken für jüngere Schülerinnen und Schüler besonders Übergänge und Strassengeschwindigkeiten in den Blick nehmen.

Ein vierjähriges Kind, das eine vertraute Strecke zu Fuss zurücklegt, hat weiterhin wenig Erfahrung darin, Fahrzeuggeschwindigkeiten, Entfernungen und Lücken im Verkehr einzuschätzen. Ein siebenjähriges Kind kann einen grösseren Teil des Weges selbstständig bewältigen, doch stark befahrene Übergänge können schwierig bleiben, insbesondere wenn Trottoirs schmal, die Sichtverhältnisse schlecht oder Fahrzeuge schnell unterwegs sind. In der zugrunde liegenden Umfrage werden keine einzelnen Strassen oder Gemeinden genannt. Deshalb lässt sich daraus nicht ablesen, an welchen konkreten Orten das grösste Risiko besteht.

Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Strassengestaltung beeinflusst, wie Familien selbstständige Schulwege beurteilen. Eltern erwarten von den lokalen Behörden sichere Trottoirs und Fussgängerstreifen, ergänzt durch tiefere Tempolimiten und deren konsequente Durchsetzung. Diese Forderungen betreffen sowohl die bauliche Infrastruktur als auch das Verhalten der Autofahrenden.

Für die Gemeinden besteht die praktische Aufgabe darin, die tatsächlich von Kindern genutzten Wege zu erfassen, statt sich nur auf die offiziellen Schuleingänge zu konzentrieren. Ein sichereres Netz muss Wohnhäuser, Übergänge und Schulgelände so miteinander verbinden, dass es auch während des morgendlichen Berufsverkehrs funktioniert.

Regionale Unterschiede prägen die Reaktion

Eltern in der Romandie und im Tessin bewerteten die Sicherheit der Schulwege deutlich schlechter als Eltern in anderen Regionen, wie die Umfrage ergab. Das Ergebnis verweist auf ein nationales Anliegen mit wichtigen lokalen Unterschieden. Die veröffentlichten Ergebnisse enthalten jedoch keine Aufschlüsselung nach Kantonen und erklären auch nicht die Ursachen der regionalen Unterschiede.

Gemeinden haben unterschiedliche Strassenlayouts, Verkehrsaufkommen und Siedlungsstrukturen. Ein Kind, das in einer dicht besiedelten Stadt zu Fuss zur Schule geht, kann auf mehrspurige Strassen und häufig abbiegende Fahrzeuge treffen. In einem Dorf oder einer Vorortgemeinde kann die Herausforderung in einem längeren Abschnitt ohne Trottoir oder in einem Übergang auf einer Strasse liegen, die als Verbindung zwischen Gemeinden dient. Die Umfrage nimmt keine Rangordnung dieser Bedingungen vor, unterstreicht aber, dass lokale Abklärungen nötig sind und nicht eine einzige Lösung für die ganze Schweiz.

Der ATE möchte, dass die lokalen Behörden sicherere Trottoirs mit Fussgängerstreifen kombinieren, die Kinder selbstbewusst nutzen können. Auch tiefere Tempolimiten und deren konsequente Durchsetzung gehören zu den Forderungen. Eltern erwarten, dass die Behörden auf den täglich genutzten Wegen handeln, insbesondere in Gebieten, in denen das Sicherheitsgefühl am schwächsten ist.

Als nächsten Schritt sollten die Gemeinden Familien, Schulen und Fachleute für Verkehrssicherheit einbeziehen, um Gefahrenstellen zu ermitteln und Prioritäten festzulegen.

Pedibus-Angebote bieten rasche Unterstützung

Pedibus-Angebote sind eine Massnahme, die Gemeinden rasch ausbauen können, während dauerhafte Änderungen an Strassen und Übergängen länger dauern können. Bei solchen Angeboten begleiten Erwachsene Gruppen von Kindern auf einer festgelegten Route, sammeln die Schülerinnen und Schüler an vereinbarten Treffpunkten ein und gehen gemeinsam mit ihnen zur Schule.

So sind jüngere Kinder beaufsichtigt. Zudem hilft das Angebot Familien, die sich noch nicht wohl dabei fühlen, ihre Kinder allein unterwegs sein zu lassen. Es kann auch dazu beitragen, die sicherste verfügbare Route in einem Quartier sichtbarer zu machen, während Schulen und Gemeinden Belege für grössere Infrastrukturprojekte sammeln. In der Quelle zur Umfrage wird weder angegeben, wie viele Pedibus-Angebote derzeit in der Schweiz bestehen, noch wird ihre Wirkung auf Kollisionen gemessen. Der Vorschlag bleibt deshalb eine praktische Empfehlung und ist kein beziffertes nationales Programm.

Der ATE bringt selbstständiges Zu-Fuss-Gehen mit Gesundheit, Aufmerksamkeit im Unterricht und der schrittweisen Entwicklung von Fähigkeiten für die Sicherheit im Strassenverkehr in Verbindung. Diese Vorteile setzen voraus, dass Kinder die Wege sicher bewältigen können. Die Bedenken der Eltern gehen deshalb über einen einzelnen morgendlichen Schulweg hinaus. Sie beeinflussen, ob Kinder Erfahrungen beim Zu-Fuss-Gehen sammeln, ob Familien das Auto wählen und wie Gemeinden den Raum auf lokalen Strassen verteilen.

Die Schweizer Behörden haben nun klare Forderungen der Familien vorliegen: durchgehende Trottoirs und Fusswege bauen, Übergänge sichern, wo angebracht die Geschwindigkeiten senken, die Regeln durchsetzen und begleitete Fussgruppen unterstützen.